Der Familineflüsterer
Diskussion: Endstation Ultras

Ultra-Fangruppierungen sorgen für Diskussionen.
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Psychologe Philip Streit über die Anziehungskraft von Fußballfanclubs.

Das Kind verbringt seine Zeit im Fanclub des geliebten Fußballvereins, die Eltern machen sich Sorgen – was tun?
Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Ultra-Fußballclubs in schiefem Licht stehen, sehr geeignet sind, Panik zu machen, Verzweiflung zu erzeugen und Eltern von jugendlichen Jungen und Mädchen in die Schuldfalle tappen zu lassen. Ultraclubs erfüllen psychologische Grundbedürfnisse: das nach Zugehörigkeit, das nach der Sicherheit, nicht allein zu sein, das nach Autonomie oder das Bedürfnis, etwas bewirken zu können. Im Ultraclub Mitglied zu sein, braucht Kreativität. Zweifellos ein Problem ist es allerdings, dass Eltern oft wochenlang, ja monatelang, nicht wissen, wo sich ihr Kind aufhält, also nicht präsent ist. Dann stehen natürlich Tür und Tor offen, sich aufgrund der oben genannten Bedürfnisse auch extremen, gewalttätigen Richtungen bei den Ultras zuzuwenden, denn sie bringen scheinbar enorme Aufwertung. Genau hier gilt es aber anzusetzen. Eines sei auch gleich gesagt: Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter in Gefahr gerät, über Ultraclubs gewalttätig zu werden, helfen Drohungen, Schreien, Jammern, Toben und Gegengewalt herzlich wenig.
Was hier angesagt ist, sind Widerstand und Öffentlichkeit.
Hier nun einige Tipps zum Umgang, wenn Ihr Kind in einem Ultra-Fußballclub ist:

1. Halten Sie inne. Atmen Sie durch. Bewahren Sie Ruhe.
2. Verschaffen Sie sich einen Überblick über das Netzwerk des Clubs und was im Club passiert. Lernen Sie die besten Freunde Ihres Kindes aus dem Ultraclub kennen.
3. Pflegen Sie die Beziehung zu Ihrem Kind. Drohen Sie nicht mit Beziehungsabbruch. Suchen Sie immer wieder Momenten der Begegnung und der Resonanz.
4. Seien Sie neugierig. Lassen Sie sich erzählen, was los ist, was getan wird und um was es geht.
5. Gehen Sie mit auf den Fußballplatz und inszenieren Sie sich dort.
6. Verhehlen Sie nicht Ihren Widerstand gegen gewalttätiges Verhalten.

Haben Sie eine Frage?

Haben auch Sie eine Frage an Dr. Streit, dann schreiben Sie an: "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1, 8010 Graz, kommentieren Sie auf Facebook, oder schicken Sie ein Mail an redaktion@woche.at (Stichwort: Familienflüsterer).
Familienflüsterer
Dr. Philip Streit

Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater und beantwortet in der WOCHE Fragen aus dem Themenfeld Erziehung, Familie und Beziehung.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Telefon: 0316/77 43 44
www.ikjf.at

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