Diskussion um Tanzlehrerausbildung: Heißer Tanz ums Tanzschulgesetz

Tanz als Leidenschaft: Christiana und Willi Gabalier sind Profitänzer, dürfen aber keine Tanzschule eröffnen.
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418 Theorie- und 1.200 Praxisstunden: Die Tanzlehrerausbildung in der Steiermark erhitzt die Gemüter.

Tanzen verbindet, die Tanzlehrerausbildung scheidet: Das steirische Tanzschulgesetz und die steiermärkische Tanzlehrverordnung sehen eine umfangreiche Ausbildung von künftigen Tanzlehrern vor. Im Rahmen des Projektes "Goldener Reißwolf" hat sich die Stadt Graz vorgenommen, überregulierte Gesetze zu vereinfachen und absurde Vorschriften zu entstauben (die WOCHE berichtete). Den Beamten fiel dabei auch die Tanzlehrerausbildung auf, die drei Jahre in Anspruch nimmt und aus 418 Theorie- und 1.200 Praxisstunden besteht, aber ein Landesgesetz ist.
Als prominentes Beispiel wurde (anonymisiert) "Dancing Star" Willi Gabalier genannt, dem es trotz seiner "nachweislich tänzerischen Fähigkeiten" nicht erlaubt ist, eine Tanzschule zu eröffnen. Die WOCHE fragte bei den zuständigen Protagonisten nach, wie sie die derzeitige Regelung sehen und inwiefern Handlungsbedarf besteht.

Tanzsport vs. Tanzschule

"Ich darf Menschen nur unterrichten, wenn sie Tanzsport betreiben wollen", sagt Willi Gabalier. Wenn jemand Tanzen als Hobby ausüben will, ist ihm das Unterrichten verboten. Auch Polonaisen für Balleröffnungen darf er nicht einstudieren. "Nach über 20 Jahren im professionellen Tanzsport habe ich bewiesen, dass ich auch Tanzen unterrichten kann", betont Gabalier wohlwissend, dass ein Unterschied zwischen Tanzsport und Tanzschulwesen besteht. Er sehe nicht ein, warum er bei Null anfangen sollte, da er sowohl praktisches als auch theoretisches Wissen besitze. Gabalier, der einem Millionenpublikum aus "Dancing Stars" und "Let's Dance" (RTL) bekannt ist, wollte gemeinsam mit seiner Frau eine Tanzschule eröffnen. "Trotz ihres Pädagogik-Studiums hieß es, dass die pädagogischen Kenntnisse fehlen", schüttelt der Tänzer, der das "Tanzstudio Gabalier" nun als Verein führt, den Kopf.

Qualität sichern

Anders sieht Pierre Gider die Sache. "Die Ausbildung hat ihre Berechtigung, so wird die Qualität gewährleistet", sagt der Obmann des Verbandes der Tanzlehrer Steiermarks. Es gebe viele Aspekte, die einfließen und die es zu berücksichtigen gilt. "Nur weil ich ein guter Auto- oder Formel-1-Fahrer bin, heißt das nicht, dass ich eine Fahrschule eröffnen kann", hält er vergleichend fest. WKO-Fachgruppengeschäftsführer Michael Wiesler betont ebenso, dass ein solcher Befähigungsnachweis enorm wichtig sei. "Ausbildungen aus anderen Bereichen werden angerechnet", verweist er auf den Fall Gabalier.

Liberaler als in Wien

Das unterstreicht auch das Büro der zuständigen Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl: "Ziel des Gesetzes ist die Aufrechterhaltung eines hohen Niveaus bei der Abhaltung vom Tanzunterricht. Seit 2014 ist es möglich, durch bisher erworbene Qualifikationen Teile der Ausbildung anrechnen zu lassen. In dieser Hinsicht haben wir ein wesentlich liberaleres Gesetz als etwa Wien." Dort muss man beispielsweise Tanzmeister sein um eine Tanzschule eröffnen zu dürfen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Dennoch sind viele der Meinung, dass in diesem Fall ein Veränderungsbedarf vorliegt und empfiehlt auch Veränderungen. Als Vorteile der Aufhebung dieses Gesetzes werden die erhebliche Verwaltungsvereinfachung, Erleichterung bei einer Tanzschuleröffnung sowie unbürokratisches Nutzen und Weitergabe des Könnens und Wissens genannt. Zudem würde mehr Konkurrenz mehr Qualität schaffen.
Dieser Ansicht schließt sich auch Gabalier an: "Bei einer Öffnung des Marktes würden sich die Besten durchsetzen. Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt."

Tanz als Leidenschaft: Christiana und Willi Gabalier sind Profitänzer, dürfen aber keine Tanzschule eröffnen.
Pierre Gider: "Tanzsport und Tanzschulen sind verschiedene Organisationen, die mehrere Voraussetzungen haben."
Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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