Eine Frau für alle Fälle – "Gefragte Frauen" mit Kristina Edlinger-Ploder

Powerfrau: Kristina Edlinger-Ploder hat schon viele Stationen hinter sich. Eigentlich wollte sie Tischlerin werden, dann Staatsanwältin. Gelandet ist sie schließlich in der Politik und nun leitet sie die FH Campus 02.
  • Powerfrau: Kristina Edlinger-Ploder hat schon viele Stationen hinter sich. Eigentlich wollte sie Tischlerin werden, dann Staatsanwältin. Gelandet ist sie schließlich in der Politik und nun leitet sie die FH Campus 02.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Mit 31 Jahren war Kristina Edlinger-Ploder 2003 die jüngste Landesrätin Österreichs. Elf Jahre lang war sie für verschiedene Ressorts zuständig und wechselte danach in die Hochschullandschaft. Die WOCHE bat sie zum Gespräch über Politik, freie Wochenenden, Bildung und Pläne.

WOCHE: Sind Sie in Ihrer neuen Rolle bereits angekommen?
Kristina Edlinger-Ploder: Ich bin jetzt schon seit vier Jahren nicht mehr aktiv in der Politik, aber der Ausstieg wird einem nicht leicht gemacht. Viele denken, dass man gewisse Positionen nur bekommt, weil man mit jemandem eine Verabredung getroffen hat. Die Zeit in der Politik war eine sehr intensive, ich habe mir viel Know-how angeeignet, viele Menschen kennengelernt und mir ein Netzwerk aufgebaut. Nun freue ich mich, dass ich meine Erfahrungen für die jetzige Tätigkeit nutzen kann.

Was ist der größte Unterschied im Leben nach der Politik?
Am Anfang hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass ich sonntags zuhause war. Als Landesrätin war ich an sieben Tagen die Woche unterwegs und in einem extremen Hamsterrad. Das Auto war Telefonier- und Schlafort, es waren rund 60.000 Kilometer pro Jahr. Mein Fahrer und ich haben sogar die erste halbe Million unfallfreie Kilometer gefeiert. Es hat gedauert, bis ein anderes Tempo in das eigene Leben gekommen ist.

Sie hatten viele Ressorts: Bildung, Verkehr, Gesundheit, Finanzen ... worauf blicken Sie stolz zurück?
Es ist schön zu sehen, wie sich die S-Bahn entwickelt hat und wie sie gewachsen ist. In der Gesundheit und Bildung bin ich nach wie vor ungeduldig und hoffe darauf, dass manche Reformen schneller kommen. Wir müssen uns auf Sachargumente konzentrieren und es braucht Reformen, weil vieles, das vor 50 oder 100 Jahren gut war, jetzt nicht mehr optimal ist. Wir müssen mit der Entwicklung mitgehen und die Systeme unserer Zeit und unseren Bedürfnissen anpassen.

Seit 2016 sind Sie nun wissenschaftliche Geschäftsführerin der Fachhochschule Campus 02. Wie ist Ihr Leben als Rektorin?
Ich hatte bereits von 2014 bis 2016 eine Zwischenstation als Vizerektorin an der Medizinischen Universität und war dort für Personalangelegenheiten und Gender Mainstreaming zuständig. Ich habe in der Funktion viel gelernt und auch hier am Campus 02 ist meine Rolle eine komplett neue. Ich bin operativ tätig und habe ein Team mit 110 Mitarbeitern. Wir sind eine kleine Welt in der großen Welt und bieten mit fünf Studienrichtungen Ausbildungen für Schlüsselfunktionen in Unternehmen an.

Auf welche Bereiche ist Campus 02 spezialisiert?
Wir haben mehr als 1.200 Studierende und es ist ein familiäres Haus. Die Studien Automatisierungstechnik, Innovationsmanagement, Informationstechnologien, Rechnungswesen sowie International Marketing ermöglichen unseren Studierenden, bestens qualifiziert und praxisnah in der Wirtschaft zu agieren. Dies alles aber mit einem wissenschaftlichen, akademischen Anspruch und innovativem Antrieb. Es ist motivierend, zu sehen wie Bildung die Persönlichkeiten stärkt und Türen öffnet. Sie liegt mir seit jeher am Herzen.

Klassische Frage: Hat man es als Frau in der Politik und in Führungspositionen schwerer?
Es ist anders. Frauen streben nicht so oft danach und stehen ungern in der ersten Reihe. Meine Kleiderauswahl war oft Thema, aber von diesen Kommentaren muss man sich distanzieren. Wichtig ist, dass man Beruf und Familie vereinbaren will, dann klappt es auch. Wir haben beispielsweise nie zu Mittag gemeinsam gegessen, dafür an zwei Abenden. Und Frauen sollten nicht so perfektionistisch sein und sich die eine oder andere ,Schlampigkeit‘ erlauben. Ich rate aber jedem, egal ob Frau oder Mann, sich politisch zu engagieren und für die eigenen Überzeugungen einzustehen. 

WOCHE-WORDRAP

Zum Lachen bringen mich ... meine Kinder.
Politik ist ... Gestaltung.
Als Rektorin bin ich ... umtriebig.
Mein liebstes Reiseziel ... Es gibt zu viele.

STECKBRIEF

Geboren am 4. Juli 1971 in Linz
Zwei Kinder (16 und 18 Jahre)
Matura am Akademischen Gymnasium, Jus-Studium in Graz
2003-2014: Landesrätin
2014-2016: Med Uni-Vizerektorin
2008-2015: Steirische ÖVP Frauen-Vorsitzende
Seit 2016: Campus 02 Rektorin

Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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