(+ Video) Zu Besuch im Atelier
Ernstes Pläuschchen bei Tee und Vulva-Abdruck

Diversität herzeigen: Krug schleift Vulva-Statuen zurecht.
  • Diversität herzeigen: Krug schleift Vulva-Statuen zurecht.
  • Foto: KK
  • hochgeladen von Ludmilla Reisinger

Die Grazerin Viktoria Krug arbeitet in ihrem Atelier an Vulva-Statuen und schafft zugleich Raum für Tabuthemen.

In der Wohnung von Viktoria Krug ist es schwer, den Vulven zu entkommen: Auf dem Regal der Grazer Studentin stehen sie als halbfertige Gipsstatuen, darunter liegen bunte "Pocket Pussies" in handlicherer Größe. Keine gleicht der anderen und genau das sei Ausgangspunkt ihres Projekts gewesen, sagt Krug, während sie Kräutertee aufgießt. "Ich musste 27 werden, um herauszufinden, dass nicht alle Vulven aussehen wie meine." Ein blinder Fleck, der nicht nur Krug betrifft. Nachdem das erste Gipsabbild ihrer eigenen Vulva gelungen war, postete Krug die Statue in den Sozialen Medien. "Binnen 24 Stunden waren 60 Anfragen da", erinnert sie sich. "So ist das Vulvarium entstanden." In ihrem Projekt arbeitet Krug an einer entsexualisierten Darstellung des weiblichen Geschlechtsorgans und hinterfragt gängige Schönheitsideale.

Was ist schon normal?

Von der 17-jährigen Schülerin bis hin zur Pensionistin, beschreibt Krug die Interessierten, die sich im Atelier Abdrücke ihrer Vulven anfertigen lassen. Die Gründe dafür sind ebenso divers wie die Statuen selbst. "Manche wollen ihren Körper feiern, andere haben schlechte Erfahrungen gemacht", sagt Krug. Über all dem schwebt die Frage: Ist das bei mir normal? Die Antwort kann Krug schnell liefern: "So etwas wie eine Norm gibt es nicht." Zu diesem Ergebnis kam auch die größte Studie, die bislang dazu durchgeführt worden ist. Schweizer Wissenschaftler maßen dafür rund 660 Vulven und stellten fest, dass allein die Größe der inneren Schamlippen von einem bis 18 Zentimeter variieren kann.

Gesprächsraum Vulva-Casting

Darüber muss man reden, findet Krug, und nicht nur darüber. Während sie die Abformungen macht, kommen oft auch ganz anderen Themen auf, die nicht immer gesellschaftsfähig sind. Etwa Endometriose, schmerzhafte Wucherungen an der Gebärmutterschleimhaut, die schwer diagnostizierbar sind. Oder aber die Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmitteln. "Das sind Dinge, über die wir reden sollten", sagt Krug und auch dafür können die fertigen Statuen gut sein. Denn die eigene Vulva auf dem Bücherregal stehen zu haben, sei auch privat ein guter Gesprächsstarter. Das Vulvarium, das für den Grazer Frauenpreis nominiert war, ist im letzten Jahr übrigens derart gewachsen, dass Krug kaum noch Zeit zum Studieren hat. Inzwischen hat sie es als Gewerbe angemeldet und möchte durch Europa touren, um international Vulven zu casten.

Mehr Information:

FAQ und Beispiel-Statuen finden sich auf Viktoria Krugs Webseite: https://www.vulvacasting.com/about-page 

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen