"Fünf nach zwölf": Aktivisten besetzen Girardi-Geburtshaus in der Leonhardstraße

Besetzt: Aktivisten wollen, dass das Girardi-Geburtshaus in der Leonhardstraße wieder ein Ort der Kultur wird.
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Das denkmalgeschützte Geburtshaus des Volksschauspielers Alexander Girardi wurde heute von Aktivisten besetzt, was für viel Aufsehen sorgte. Auch die Polizei war vor Ort, hat aber derzeit keinen rechtlichen Grund, das Haus zu räumen.

Mit Transparenten und Instrumenten ausgestattet, machen heute Aktivisten ihre Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand des Girardi-Hauses deutlich. Sie fordern ein Einlenken der Politik, eine Würdigung des Geburtshauses des Volksschauspielers Alexander Girardi und stellen sich gegen Profitgier.

Plattform für die Kunst

Die Hitze des heutigen ersten Augusttages konnte die Aktivisten nicht abhalten: Das denkmalgeschützte Geburtshaus von Alexander Girardi (1850-1918) in der Leonhardstraße 28, das seit Jahren verlassen und verfallen sein Dasein fristet, zog alle Blicke auf sich, denn es wurde von einigen Aktivisten besetzt. Transparente mit Aufschriften wie "Kunst raus, Autos rein. Nein! Autos raus, Kunst rein" oder "Baustopp" sorgten bei Passanten für Staunen. Auch mit einem Mikrofon "bewaffnet" teilen die Hausbesetzer ihr Anliegen kund. "Es ist fünf nach zwölf! In der sogenannten 'Kulturhauptstadt' wie Graz ist offensichtlich, dass viele Kunstschaffende und Kunstinteressierte keinen Zugang zu Kunst und Kulturräumen haben. Wir öffnen die Türen des Girardi Geburtshauses um den Kunstschaffenden und Kunstinteressierten eine Plattform zu geben", heißt es in ihrer Info-Broschüre, die an Passanten verteilt wurde. 

Baustopp: Die Aktivisten wollen verhindern, dass abgerissen wird.
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Gegen Profit und Gewinnmaximierung

"Die Stadt Graz lässt das Girardi-Geburtshaus vollkommen verfallen. Man will mehr Profit und deswegen soll jetzt ein Bauprojekt entstehen", sagt ein Aktivist überzeugt. Daher sei man auch nicht damit einverstanden, dass Gewinnmaximierung und Profit der Moral und Menschenrechten übergeordnet werden. 
Die Aktivisten wollen das "Forum Gradec" ausrufen und eröffnen. "Der längst überfällige Diskurs in dieser Stadt muss geführt werden. Alle Beteiligten sollen zusammen an einen runden Tisch, damit eine zufriedenstellende Lösung für diesen Kulturraum konzipiert wird. Holen wir die 'Polit-Elite' auf den Boden der Realität zurück", rufen sie den vorbeikommenden Menschen zu. 
Die WOCHE-Nachfrage, welche Organisation hinter dieser Aktion steht, wird nicht klar beantwortet, die KPÖ wird aber von einem Teilnehmer der Besetzung genannt. Dass dies eine KPÖ-Aktion sei, wird jedoch verneint. Auf Twitter erklärte das Doku Service Steiermark, das ein Netzwerk freier Fotojournalisten und Medienaktivisten mit Schwerpunkt Proteste und außerparlamentarische Politiken in der Steiermark ist, dass die Aktivisten die Renovierung selbst in die Hand nehmen würden. Zu folgenden Leitmotiven bekennt sich das Kollektiv: "Antifaschistisch, antikapitalistisch, gegen Sexismus und Rassismus. Kosmopolitisch und solidarisch, schreiten wir voran, wie Pioniere. Um einen Schritt weiter zu denken. Denk - mal?!"

Mehr Platz für Kunst: Die Aktivisten waren lautstark vertreten.
  • Mehr Platz für Kunst: Die Aktivisten waren lautstark vertreten.
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"Forum Girardi" soll ausgerufen werden

Das Kollektiv fordert ein Wiederbeleben der Kultur in diesem Haus und will das damalige dortige Lokal wieder etablieren. Ihr Ziel ist es, Kunstschaffenden einen offenen Raum und eine Plattform zu geben. "Musiker sollen ein Studio und einen Proberaum, Bildhauer ein Atelier und eine Galerie, Schriftsteller eine Schreibwerkstatt bekommen und wir werden für Medienmenschen ein freies Radio einrichten", führt das Kollektiv weiter aus. Zudem soll das "Forum Girardi" ausgerufen werden, auch Eventräume und eine Traumwerkstatt sollen entstehen. 
"Wir werden uns nicht davon abhalten lassen, dass uns dieses Gebäude nach Auffassung der Stadt Graz, nach Recht und Gesetz nicht gehört. Doch uns gehört allen nichts", toben sie und rufen alle Menschen, sich ihnen anzuschließen.
Darüber hinaus betonen sie, dass leerstehende Geäbude keine Spekulationsobjekte sein sollten. "Anstatt leerstehende Räumlichkeiten zugänglich zu machen, werden ebendiese Räume zerstört, saniert und zu überhöhten Preisen vermietet", erklären sie und fordern abschließend "Räume bedingungsloser Selbstentfaltung zu schaffen.

Seit Jahren gibt es zahlreiche Initiativen und Bemühungen, dem Girardi-Haus neues Leben einzuhauchen. Es befindet sich in Privateigentum, die Stadt betont jedoch seit Jahren, dass sie um eine geeignete Lösung bemüht sei, die auch dem großen Volksschauspieler Girardi gerecht wird. 

Info-Broschüre: Die wichtigsten Forderungen wurden an Passanten verteilt. Das Informationsmaterial enthält jedoch eine Rechtschreib- und Grammatikfehler.
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