Lehrlingscoach
"Image der Lehre ist angekratzt"

Lehrlingscoaches: Heimo Messics (Jugend am Werk) und Martin Urban (Sozkom) im Einsatz für steirische Lehrlinge (v.l.)
  • Lehrlingscoaches: Heimo Messics (Jugend am Werk) und Martin Urban (Sozkom) im Einsatz für steirische Lehrlinge (v.l.)
  • Foto: Lehrlings- und Lehrbetriebcoaching Steiermark
  • hochgeladen von Anna-Maria Riemer

Lehrlingscoach Heimo Messics über das Image der Lehre, den Einfluss der Coronakrise und Berufswahl-Kriterien.

"Es gibt viele Versuche, das Image der Lehre aufzubessern, aber viele Eltern legen noch immer Wert darauf, dass ihr Kind Matura macht. Zudem hat die Coronakrise vieles vom aufgebauten Image wieder zunichte gemacht", blickt Heimo Messics auf das aktuelle Bild der Lehre. Als Teamleiter des Lehrlings- und Betriebscoachings Steiermark von Jugend am Werk mit Sitz in Graz ist er täglich mit Lehrlingen, Eltern und den Betrieben in Kontakt und kennt deren Sorgen und Anliegen. Gemeinsam mit Martin Urban von Sozkom ist er außerdem steiermarkweit im Rahmen der Initiative "Lehre statt Leere", einem vom Ministerium und den Sozialpartnern finanzierten österreichweiten Programm, seit fünf Jahren für Lehrlinge und deren Betriebe im Einsatz.

Vernetzende Anlaufstelle

"Wir unterstützen Lehrlinge bei jeglicher Art von Fragen. Bei einem Erstgespräch finden wir heraus, was der Lehrling braucht. Wenn wir das Anliegen nicht selbst abdecken können, vermitteln wir ihn an unsere Partner weiter, beispielsweise an die Arbeiterkammer, wenn es um arbeitsrechtliche Fragen geht", erklärt Messics, der selbst eine Lehre zum KFZ-Mechaniker absolvierte, nun aber als Sozialpädagoge das Lehrlingscoaching leitet.

"Auch treten Firmen an uns heran, damit wir die Lehrlinge im Unternehmen unterstützen, beispielsweise durch Kommunikationstraining im Verkauf." Im Rahmen des kostenlosen Lehrbetriebscoachings gibt es weitere Angebote für Betriebe, beispielsweise die Moderation der Lehrlingsgespräche.

Sorgenkind Berufsschule

Gerade in den letzten Monaten gewann "Lehre statt Leere" an Bekanntheit: "Ein großes Thema ist die Berufsschule. Distance-Learning hat bei vielen zu Verunsicherungen geführt. Nachhilfe ist zwar nicht unser Auftrag, aber wir helfen beim Organisieren und bei Prüfungsängsten. Es geht um die Hilfe zur Selbsthilfe. Im Herbst wird die Berufsschule samt Ampel-System sicherlich ein großes Thema – bei allen Beteiligten", betont Messics, der auch darüber spricht, dass Sorgen über Kurzarbeit, Insolvenzen und den Verlust der Lehrstelle im Moment viel Platz einnehmen. Besonders schwer bei der Lehrlingssuche haben es laut Messics Tourismusbetriebe: "Die Arbeitszeit spielt eine große Rolle. Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrlinge nicht mehr am Wochenende arbeiten möchten."

Gute Betriebskultur

Doch welcher Lehrberuf ist besonders gefragt? "Maurer. In diesem Lehrberuf gibt es die höchste Lehrlingsentschädigung", sagt Messics und betont: "Ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Lehrberufs sollte jedoch sein, dass ich einen Beruf wähle, der mich interessiert. Vor der Entscheidung macht es deshalb Sinn, viele Praktika zu machen und mit unterschiedlichen Menschen über die Lehre zu sprechen." Damit ein Betrieb für Lehrlinge attraktiv ist, kommt es laut Messics vor allem auf die Unternehmenskultur an und darauf, dass ein Lehrling in diese Kultur gut eingebaut wird. "Einen guten Lehrbetrieb macht für mich aus, dass es ein Miteinander, ein Geben und Nehmen sowohl auf Seiten des Lehrlings als auch auf Seiten des Betriebs gibt. Harmonie und ein guter Beziehungsaufbau sind sehr wichtig." Unter diesen Voraussetzungen wären auch "ungünstigere" Arbeitszeiten kein Problem.

Kontakt & Infos
"Nicht verzagen, Coaches fragen": Jugend am Werk und Sozkom bieten vertrauliche und kostenlose Beratungen für Lehrlinge und Betriebe.
Kontakt: 050 7900 1616
www.lehre-statt-leere.at
Österreichweite Info-Hotline: 0800 220074

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