James Bond und die Grazer Realität

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Hübsche Frauen, Martinis und schnelle Autos – so stellen sich wohl die meisten den Alltag eines Geheimagenten vor. Stilprägend für dieses Bild des Playboys ist die von Ian Fleming in den 1950ern erfundene Romanfigur des James Bond, die seit dem vergangenen Freitag in Spectre, Film Nr. 24 der Reihe, auch auf den Grazer Kinoleinwänden ihre Arbeit "im Dienste ihrer Majestät" versieht und ihre Getränke dabei lieber geschüttelt als gerührt zu sich nimmt.

Bürohengst statt Superspion

Darf man Siegfried Beer von der Uni Graz glauben, spielt sich die Realität der meisten Geheimdienstmitarbeiter im Gegensatz zu James Bond aber zwischen Kopiermaschinen, Kaffeetassen und Computern ab, als im direkten Kampf gegen Superbösewichte: "Was in den Bond-Filmen passiert, hat wenig mit dem echten Geschäft zu tun. Geheimdienstmitarbeiter sind zu 90 Prozent Beamte, die ihre Arbeit im Büro erledigen", klärt der Leiter des ACIPSS – Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies mit Sitz in Graz auf (mehr dazu unten).

Wahre Agenten

Der Rest arbeitet laut Beer auch heute noch im Feld: "Die wahren Agenten sind nach wie vor wichtig. Es sind Leute, die – etwa als Botschaftsmitarbeiter getarnt – versuchen, an geheime Informationen zu kommen." Während amerikanische Spione im Kalten Krieg lange versucht hatten, an Geheimnisse aus dem Kreml zu kommen, sei es heute häufig das Ziel, sich bei Terroristen einzuschleusen.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist allerdings auch Österreich nicht mehr von der internationalen Spionage-Landkarte wegzudenken – zuerst durch die Nähe der teilweise befeindeten Besatzungsmächte und schließlich durch die Nähe zum ehemaligen Ostblock – eine Bedeutung, die vor allem Wien auch nach dem Ende des Kalten Krieges beibehalten hat.
Doch selbst Graz war einst Spielplatz der internationalen Geheimdienste: So hatte etwa der spätere Bestsellerautor John Le Carré (Dame, König, As, Spion) seine Spionagetätigkeit in der damaligen britischen Besatzungszone in Graz begonnen. Genauso, wie auch Bond-Erfinder Ian Fleming in Österreich das erste Mal mit dem britischen Auslandsgeheimdienst "MI 6" in Berührung kam: Eine Privatschule, die er in Kufstein besucht hatte, wurde von einem ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter geleitet.

Geheimdienst-Forschung hat ihren Sitz in Graz

"ACIPSS", das "Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies" ("Österreichisches Zentrum für Geheimdienste, Propaganda und Sicherheitsstudien") ist ein an die Uni Graz angelehntes Zentrum, das sich mit der Erforschung, Untersuchung und Analyse der drei Bereiche Geheimdienste, Propaganda und Sicherheit beschäftigt. Ziele sind unter anderem die Erforschung der historischen Bedeutung von Geheimdiensten, sowie die Aufklärung über die Arbeit moderner Geheimdienste.

Suche im Geheimen: Siegfried Beer ist Historiker und Leiter des "ACIPSS".

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