Kinder brauchen mehr Lobbyisten

Bernhard Seidler, Leiter des Kinderbüros, will das Kindsein als elementares Recht verstärkt thematisieren.
  • Bernhard Seidler, Leiter des Kinderbüros, will das Kindsein als elementares Recht verstärkt thematisieren.
  • Foto: Oliver Wolf
  • hochgeladen von Verena Schleich

Bernhard Seidler vom Kinderbüro übers Kindsein, das die
Erwachsenen besser schützen sollten.

Am 7. Oktober gehen Grazer Kinder unter dem Motto „Nimm mich, wie ich bin“ (s. rechts) auf die Straße, am 20. November stehen Kinderrechte im Rahmen von „TrauDi“ wieder im Mittelpunkt. Wie brennend diese Themen auch in „reichen“ Ländern sind, versucht der Leiter des steirischen Kinderbüros, Bernhard Seidler, zu erklären.

Was macht eine Gesellschaft eigentlich kindgerecht?

Bernhard Seidler: Wenn die Bedürfnisse der Jüngsten unserer Gesellschaft ernst genommen und erfüllt werden, aber der erwachsene Blick darauf besteht.

Also nichts mit „alle Macht den Kindern“?

Nein, alle Macht nicht. Denn schließlich tragen die Erwachsenen sehr wohl die Verantwortung für ein gesundes Heranwachsen, vermitteln Werte und müssen auch Nein sagen können.

Wie ist das Recht auf Kindsein also zu verstehen?

Ich beziehe mich da auf das Buch „Die verkaufte Kindheit“ von Susanne Gaschke. Die Frage, welches Kind glücklicher ist – das mit dem neuen Designerhandtäschchen oder jenes, das in verdreckten und aufgerissenen Jeans vom Spielen nach Hause kommen darf –, kann, glaube ich, jeder leicht für sich selbst beantworten.

Und was braucht es in der Stadt dafür?

Gleich vorweg, wir benötigen nicht mehr Spielplätze oder extra für Kinder ausgewiesene Räume. Ein städtisches Umfeld muss es schon auch schaffen, dass die Bedürfnisse von Kindern im Alltag berücksichtigt werden. Das fängt dabei an, dass sie sich sicher im Straßenverkehr bewegen können und auf Gemeinschaftsflächen gerne gesehen beziehungsweise selbstverständlich sind.

Klingt das nicht zu optimistisch in einer Zeit, in der man darüber diskutiert, ob ein Schulkind an einer Tätlichkeit eines Direktors selbst Schuld trägt?

Ich bin ob derartiger Diskussionen fassungslos. Dass es dazu eines Gerichtsverfahrens bedarf, ist absurd. Ich finde es beschämend, dass verhandelt wird, ob ein Kind Gewalt „verdient“ hat.

Braucht es also mehr Lobbyisten für Kinderthemen?

Auf alle Fälle, wobei mir, in Zeiten wie diesen, das Wort Interessenvertreter lieber ist. Aber im Ernst, wir haben natürlich nicht jene Finanzen zur Verfügung wie andere. Bei uns rennt keiner mit dem Geldkoffer herum, damit die Anliegen für Kinder bei den richtigen Menschen auch ankommen. Unsere Mittel sind inhaltliche Argumente.

Ihr Wunsch in diese Richtung?

Ich wünsche mir, dass die Politik in allen Bereichen erkennt, dass Kinderrechte elementarer Bestandteil ihrer Arbeit sind.

Autor:

Verena Schleich aus Graz

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