Lend – Vom Scherben- zum Trendviertel

Die Mariahilferstraße ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Trendviertels am rechten Murufer.
  • Die Mariahilferstraße ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Trendviertels am rechten Murufer.
  • Foto: Stuhlhofer
  • hochgeladen von Max Daublebsky

Immer mehr junge und kreative Grazer siedeln sich im Lendviertel an.

Lange war die Gegend westlich der Innenstadt so etwas wie das Stiefkind der Grazer, doch in den letzten Jahren ist einiges passiert und langsam aber sicher wird Lend vom Scherben- zum Trendviertel.

Man kennt sich
Epizentren der neuen Entwicklung sind vor allem der Lendplatz und die Mariahilferstraße. Ein Teil davon ist auch Nicole Pollinger von der „Haarschneiderei“. „Ich liebe das Viertel“, schwärmt sie, „wenn man im Sommer hier durchgeht hat man fast das Gefühl, in einem Urlaubsort zu sein. Außerdem gibt es hier einen richtigen Dorfcharakter – wir Lendianer kennen uns untereinander.“ Sie muss es wissen, denn mit ihrem Fri-seurgeschäft zählt Pollinger zu den neuen Pionieren zwischen Lend- und Südtirolerplatz.

Positive Entwicklung

Als der stylische Laden vor sechs Jahren in die Mariahilferstraße 28 übersiedelte, „war es ein fertiggefahrenes Viertel, bei dem man aber das Gefühl hatte, es passiert etwas.“ Und so war es dann auch: Zuerst gab es die „Scherbe“ in der Stockergasse, dann die „Haarschneiderei“ und nach und nach zogen immer mehr junge und alternativ-denkende Menschen in die Gegend – sowohl mit ihren Geschäften, als auch um einfach nur hier zu wohnen. „Es ist ein ganz bestimmter Menschenschlag, der sich von dem Umfeld angezogen fühlt“, kommentiert Pollinger die Entwicklung, „Mit der Zeit ist ein super Netzwerk entstanden, in dem man sich gegenseitig hilft.“ Das spiegelt sich auch in der Kundschaft wider. „Zu uns kommt das Gegenteil von kleinkariert denkenden Menschen. Unsere Kunden schätzen, dass bei uns jeder gleich behandelt wird“, erzählt die Friseurin.

Beruf als Berufung

Ähnlich wird es auch bei vielen anderen im Viertel gehalten. Dazu gehören Geschäfte wie das „Tagwerk“, junge Modelabels wie „zerum“, Agenturen wie „En Garde“, oder gemütliche Lokale wie das „Blendend“.
Die Entstehung der beliebten Bar in der Mariahilferstraße 24 ist ganz typisch für das Viertel: 2008 gemeinsam von Nina Schanitz und ihrem Freund Josip Belamaric als kleiner Laden gegründet, ist das „Blendend“ über die Jahre gewachsen und inzwischen zu einem Lokal mutiert. „Mit der Zeit sind immer mehr Leute gekommen, die den Bezirk so familiär gemacht haben, wie er heute ist“, beschreibt Schanitz, die Entwicklung. „Viele Unternehmen sind stark gewachsen, aber die Menschen dahinter haben sich nicht verändert, weil sie meistens ihrer Berufung nachgehen.“ Das gilt auch für sie selbst: „Eigentlich bin ich keine Wirtin, aber hier kann ich meine Ideen umsetzen.“ Und so wurde dank dem Blendend aus einer ehemaligen Spielhölle ein Ort der Begegnungen, an dem heute jeder die entspannte Atmosphäre genießen kann.
Da lässt sogar die Polizei mit sich reden, wenn es am Abend einmal ein bisschen lauter wird. „Sie sind wirklich entzückend und verständnisvoll. Das gehört auch einmal gesagt“, ist Schanitz vom flächendeckenden Miteinander im Bezirk begeistert.


LEND-FAKTEN

Einwohner: insgesamt 29.349 Menschen haben ihren Hauptwohnsitz im Bezirk Lend, 72,26 % oder 21.207 davon sind Österreicher. Der Rest verteilt sich auf Menschen aus allen fünf Kontinenten. Größte Gruppe sind mit 1.215 Bewohnern die Türken.
Lage: Lend ist der vierte Grazer Stadtbezirk und liegt westlich der Innenstadt am rechten Murufer und erstreckt sich im Norden bis zum Kalvarienberg.
Geschichte: Ursprünglich ein Arbeiterbezirk. Ab dem 17. Jahrhundert führte die Nord-Süd-Hauptverbindung (Wien-Graz-Triest bzw. Laibach) durch Wiener Straße und Lendplatz, wodurch sich viele Beherbergungsbetriebe angesiedelt haben. Auch der Mühlgang stammt aus dieser Zeit.
Bezirksvorsteher: Wolfgang Krainer, ÖVP

LEND-TIPPS

Im Lendviertel finden sich viele unterschiedliche Lokale, Geschäfte und Agenturen. Die WOCHE präsentiert hier eine kleine aber feine Auswahl:

Die Haarschneiderei:
Stylisches Friseurgeschäft in der Mariahilferstraße 28 mit einer Atmosphäre wie in Omas Wohnzimmer. Unkompliziert und freundlich.
www.diehaarschneiderei.com

En Garde:
Kreativ-Kollektiv am Lendplatz 40. Strategiearbeit, Konzeption, Projektentwicklung, Grafikdesign, Street Art, Text, ...
www.engarde.at

tag.werk:
Jugendbeschäftigungsprojekt der Caritas, in der Mariahilferstraße 13. Individuelle Taschen aus recycelten Werbe- und Zeltplanen, Mode und Design.
www.tagwerk.at

zerum:
Fair and Organic Lifestyle – ein junges Modelabel in der Mariahilferstraße 13/2, das unter fairen und nachhaltigen Bedingungen in erster Linie T-Shirts produzieren lässt.
www.zerum.at

Blendend:
Gemütliches Lokal in der Mariahilferstraße 24. Gediegener Brunch, kreative Mittagsmenüs (auch vegetarisch), kleine Snacks und gute Getränke. Unbedingt das Gulasch kosten!
www.blendend.at

Scherbe:
Große Getränkeauswahl, gutes Essen und ein gemütlicher Gastgarten in der Stockergasse 2. Live-Musik im Scherbenkeller!
www.scherbe.com
Café Centraal:
Traditionslokal gleich neben dem Kunsthaus. Netter Schanigarten, angenehme und interessante Gäste. Jeden Samstag und Sonntag gibt es ein kleines Frühstücksbuffet.
www.centraal.at

Bauernmarkt am Lendplatz:
In gemütlicher Atmosphäre frische Blumen, Obst, Gemüse und andere Spezialitäten aus der Region direkt vom Bauern kaufen. Viele Bio-Produkte! Montag bis Samstag von sechs bis 13 Uhr geöffnet.

Die süße Luise:
Kleines aber feines Café mitten am Lendplatz (Stand 9). Köstliche Cupcakes, Tartes, Quiches und ein tolles Frühstück. Mit viel Liebe produziert und serviert. Täglich frische Zutaten vom Bauernmarkt.
facebook.com/DieSusseLuise

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