Mikrowohnungen in Graz: Es scheiden sich die Geister

Stein des Anstoßes: Im Brauquartier Puntigam sind viele Wohnungen mit rund 35 Quadratmetern verbaut.
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Streit um sogenannte Mikrowohnungen: Die Stadt Graz und  Immobilienentwickler liegen im Clinch.

Das Thema Wohnen ist allgegenwärtig. Neben Leerstandsdiskussionen, Kritik an Neubauten und dem dadurch schrumpfenden Grünraum, ist auch die Bauart der Wohnungen immer wieder Streitpunkt. Von Seiten der Stadt Graz wurde in der jüngeren Vergangenheit teils massive Kritik am Trend zu Mikrowohnungen geübt. So würden sich durch die kleinen Einheiten keine Ersparnisse für die Bewohner ausgehen, vielmehr würden sich zusätzliche Notwendigkeiten wie externer Stauraum ergeben. Die Immobilienentwickler von C&P wehren sich gegen die Vorwürfe, Unterstützung kommt von WKO-Fachverbandsobmann Gerald Gollenz.

Definitionsproblem?

"Wir werden definitiv das Gespräch mit der Stadt suchen. Wir wollen die Missverständnisse rund um Mikrowohnungen aufklären", meint C&P-Vorstand Thomas Schober-Plankl. So gäbe es laut dem Immobilienentwickler ein Definitionsproblem rund um sogenannte Mikrowohnungen: "International spricht man hier von bis zu 25 Quadratmetern. Unsere Wohnungen, beispielsweise im Brauquartier Puntigam, bewegen sich hingegen im Bereich von 35 bis 40 Quadratmetern."

So sieht es auch Gollenz, Fachverbandsobmann Immobilien der WKO: "Die Kritik wäre berechtigt, wenn es sich bei den vielen neuen Wohnungen in Graz wirklich um Mikrowohnungen mit 25 Quadratmetern handeln würde, das wäre hinsichtlich der Stadtentwicklung inakzeptabel. Aber die Wohnungen im Bereich von 35 Quadratmetern sind gut, hier können auch Paare wohnen." Laut Gollenz sind Gespräche zwischen Immobilienentwicklern und Stadt dringend notwendig: "Bisher wird aneinander vorbeigeredet. Außerdem muss man sagen, dass im Endeffekt der Markt bestimmt, was gebaut wird. Die Menschen in Graz wollen Wohnungen in dieser Größe. Die Bauträger investieren auf ihr Risiko, dann sollen sie auch entscheiden können, wie sie bauen und an wen sie verkaufen." Schober-Plankl fügt an: "Wenn die Stadt diese Wohnungen verbieten würde, würde sie dem Mieter nur leistbaren Wohnraum wegnehmen!"



Stadt räumt ein

Von Seiten der Stadt zeigt man sich gegenüber Mikrowohnungen zwar weiter skeptisch, bestätigt allerdings die nicht genaue Definition. "Eine genaue Begriffsdefinition wäre gut. Unter 40 Quadratmetern sehen wir die Probleme des fehlenden Stauraums, Familien können in solchen Wohnungen nicht leben und man bekommt auf Dauer ein stadtsoziologisches Problem, weil die Fluktuation in kleinen Wohnungen noch höher ist als in größeren", erklärt Bernhard Inninger, Leiter der Stadtplanung Graz. Inninger räumt allerdings auch ein, dass die Zahl der Kleinwohnungen in Graz nicht so hoch wie ursprünglich angenommen ist: "Es werden aktuell Daten generiert, wie der Grazer Wohnraum genau aussieht. Und es stimmt, die Zahl an Klein- und Mikrowohnungen ist definitiv nicht so hoch wie befürchtet, das hat uns selbst überrascht."

Die von den Immobilienentwicklern und Bauträgern angestrebte Aussprache mit der Stadt begrüßt Inninger: "Unsere aktuellen Überlegungen, was die Zukunft des Wohnens in Graz betrifft, sollen die Bauträger miteinbeziehen." Ein Eingreifen von Seiten der Stadt in die Bauvorhaben, also Verbote für neue Kleinwohnungen, ist für Inninger aktuell nicht notwendig: "Ein Dialog ist immer besser, anstatt mit Schnellschüssen Zwietracht zu säen."

Autor:

Stefan Haller aus Graz

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