Mit einem Radschlag mitten in Brasilien

Akrobatische Elemente machen aus Capoeira bewegte Kunst.
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  • Akrobatische Elemente machen aus Capoeira bewegte Kunst.
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Es ist Freitagabend und ich stapfe in den 2. Stock des „anderen Theaters“ in der Orpheumgasse - zumindest innerlich voll motiviert. Oben angekommen, erwarten mich vier junge Herren mit den Worten: „Ah, bist du die von der WOCHE, die heute bei uns mitmacht?“ „Ja, die bin ich.“ Blicke, die von erwartungsvoller Vorfreude bis hin zu Skepsis reichen, folgen.

Erste Zweifel klettern in mir hoch, ob ich „Capoeira, das ist cool!“ wirklich ausprobieren will. Zu spät, Uwe erscheint. Er betreibt seit sieben Jahren diesen Kampfsport und hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, einmal Capoeira zu machen. Ich schmeiße mich in mein „Kampfsportoutfit“, bereit in den Ring zu steigen. Doch zunächst müssen noch meine Zehen „verbunden“ werden. „Na servas, will ich das wirklich?“, denke ich mir bereits zum zweiten Mal an diesem Abend. „Keine Sorge, das beugt Blasen an den Füßen vor, schließlich werden da viele ruckartige Bewegungen gemacht“, erklärt mir Uwe, dessen Capoeira-Nickname übrigens „Pacato“ ist. Jeder Capoeirista hat einen eigenen Spitznamen. Diese Tradition stammt noch aus der Zeit, in der Capoeira in Brasilien verboten war (bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts). Welche ruckartigen Bewegungen gemeint sind, wird mir sofort klar, als mit dem „Aufwärmen“ begonnen wird: Meine Mitstreiter schlagen Rad und machen Salti. „Das erwartet ihr von mir aber nicht, oder?“ Uwe beruhigt: „Akrobatische Elemente sind Teil von Capoeira, es geht aber auch genauso gut ohne.“ Gut für mich.

Zu den Klängen von Berimbau (Musikbogen), Atabaque (Trommel) und Pandeiro (Tambourin) geht es schließlich richtig los. Die Instrumente sind faszinierend und die Musik, die sie erzeugen noch viel mehr. Es verwundert nicht, dass die von Afrika nach Brasilien verschleppten Sklaven als Begründer des Capoeira bei diesen Klängen „abgetanzt“ haben. Uwe klärt mich sofort auf: „Wir tanzen nicht, wir spielen miteinander. Capoeira ist eine Kampfkunst, die gespielt wird.“ Na dann spielen wir einmal.

Wir stellen uns in der „Roda“, im Kreis auf, zwei Capoeiristas spielen in der Mitte: Hände klatschen, es wird gesungen und Beine fliegen durch die Luft. Mir gelingt es erfolgreich, im Hintergrund „mitzuspielen“. Bis „Kapacete“ mich entdeckt: Hinter diesem Nickname steckt der Brasilianer Alexandre Medina Dos Santos, der vor zwei Jahren die Capoeira-Gruppe Senzala in Graz gegründet hat. Kapacete betreibt nicht Capoeira, er ist Capoeira. Er fischt mich aus der „Roda“, schnappt sich einen Sessel und wir beginnen mit dem Grundtraining für alle Anfänger: Die Beine abwechselnd über die Sessellehne „schmeißen“. Das klingt einfach, ist es relativ, solange niemand mehr von mir verlangt. Nach dieser Trainingseinheit bin ich fast soweit, auch einmal in der Mitte der „Roda“ zu spielen - natürlich als leichte Gegnerin. Nach kurzweiligen zwei Stunden ist mein Capoeira-Abenteuer vorbei. Ich habe aber noch Tage danach etwas davon.

Capoeira in Graz
Wer Capoeira erlernen oder perfektionieren möchte, ist bei Senzala-Graz jederzeit willkommen.
www.senzala-graz.webs.com

Autor:

Andrea Sittinger aus Graz

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