Musik kann Brücken bauen: Sängerin Vesna Petković im Interview

Ein Stimme für Vielfalt: Sängerin Vesna Petković reist musikalisch durch viele Länder und Traditionen.
  • Ein Stimme für Vielfalt: Sängerin Vesna Petković reist musikalisch durch viele Länder und Traditionen.
  • Foto: prontolux
  • hochgeladen von Elisabeth Pötler

WOCHE: Sie sind eine vielseitige Sängerin. Welches Lied würden Sie jetzt am liebsten singen?
Vesna Petković: „Heroes“ von David Bowie! Das ist immer gut und es passt auch zum Multikulti-Ball „We could be heroes, just for one day … “

Am 23. Jänner ist Multikulti-Ball an der K.F.-Uni Graz. Sie gestalten mit La Strada das musikalische Programm. Was erwartet die Besucher?
Es wird bunt – die Musik, das Essen und die Kleidung! Ich singe mit Who Man Dog und leite den SoSamma Chor, in dem Frauen aus 15 Ländern singen. Zu hören gibt es auch Susanna Sawoff, Marina & the Kats, das Sandala Orkestar, den Megaphon-Chor …

Derzeit gibt es verstärkt ausländerfeindliche Ressentiments. Kann der Ball ein Zeichen setzen?
Ja! Wir zeigen, dass es im kleinen Rahmen funktionieren kann: Viele Nationen feiern zusammen und erleben eine gute Zeit! Das ist gerade jetzt wichtig. Wenn ich manche Postings in Online-Foren lese, wird mir richtig schlecht …

In Ihrer Musik kombinieren Sie viele kulturelle Einflüsse. Warum?
Ich finde es bereichernd! Viele Länder haben verschiedene musikalische Sprachen und dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten. Meine musikalischen Wurzeln habe ich beim Gesangsstudium in Graz wiederentdeckt. Hier gibt es tolle Musiker aus vielen Ländern.

Sie kommen aus Serbien. Wie hat es Sie nach Graz verschlagen?
Ich bin in Jugoslawien geboren und in Serbien aufgewachsen. Ein Musiker-Freund war in Graz und sagte: Vesna, du musst hier studieren! Ich habe dann mit 20 Jahren die Aufnahmeprüfung an der Kunstuni gemacht und bestanden – dann war ich da! (lacht) Ich improvisiere beim Singen und auch mein Leben ist eine Improvisation!

Was haben Sie vom Krieg in Jugoslawien mitbekommen?

Das Embargo und dass alles teurer wurde: Die Leute konnten sich keine Lebensmittel leisten, in der Früh haben wir uns lange um Brot angestellt. Manche Menschen haben sich umgebracht, weil sie so große Schulden hatte.

Wie haben Sie die erste Zeit in Graz erlebt?

Ich konnte kein Wort Deutsch, aber das war kein großes Problem. Ich habe zweieineinhalb Jahre als Straßenmusikerin gespielt und mir mein Leben finanziert: Ich bin am Hauptplatz, Ecke Sporgasse gestanden und hatte bis zu 100 Zuhörer!

Später haben Sie Sandy Lopicic kennengelernt, mit dem Sie auch heute Musik machen.
Ja, wir haben 1997 an der Produktion von Tom Waits‘ „Black Rider“ am Grazer Schauspielhaus gearbeitet und dann beschlossen, gemeinsam Musik zu machen.

Wie haben Sie die Musik entdeckt?
Meine Familie hat immer Musik gemacht! Wir haben Balkanlieder gesungen, meine Tante liebte ungarische Musik, meine Eltern mazedonische Lieder ... Ich war als Kind immer heiser, weil ich dauernd gesungen habe.

Was bringt die Zukunft?
Ich spiele am Next Liberty im Stück „Das Kind der Seehundfrau“. Es geht um Eltern, die sich trennen, der Vater ist ein Mensch, ich bin die Mutter, eine Seehundfrau. Im März startet auch wieder die Konzertreihe Pangea, die ich mit-organisiere: Da gibt es eine Kombination aus Jazz und Volksmusik – man kann viele Gemeinsamkeiten entdecken!

WOCHE-WORDRAP
Mein erster Gedanke in der Früh: Ich brauche Kaffee!
Mit 85 Jahren möchte ich: noch leben
Ein letzter Glücksmoment: Mein neues Backrohr
Als TV-Charakter wäre ich: Batman!

Steckbrief

geb. 23.9. 1974 in Niš, im heutigen Serbien.
Gesang-Studium an der Kunstuni Graz
viele Bands u.a. Sandy Lopicic Superstvar

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