Psychologin Daniela Hinterreiter
Schneller Wohnraum für Gewaltopfer in Trennung!

Psychologin und Leiterin der Beratungsstelle des Frauenservice Daniela Hinterreiter
  • Psychologin und Leiterin der Beratungsstelle des Frauenservice Daniela Hinterreiter
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  • hochgeladen von Anna-Maria Riemer

Übergangs-Wohnungen und mobile Betreuung könnten im Akutfall helfen, den Schritt zur Trennung zu wagen.

„Finanzielle Abhängigkeit ist oft ein Grund, warum sich Frauen in Gewaltbeziehungen nicht trennen“, macht Daniela Hinterreiter, Psychologin und Fachbereichsleiterin der Beratungsstelle im Grazer Frauenservice, auf die komplexe Situation aufmerksam. Zwar gibt es je nach individueller Situation die Möglichkeit, um Mindestsicherung, Wohnbeihilfe und Co. anzusuchen, „allerdings mahlen die behördlichen Mühlen oft langsam. Gerade im Falle einer Trennung braucht es rasche und unbürokratische Unterstützung“, betont Hinterreiter.

Trennung erleichtern

Anfangs deklarieren Frauen das Vorgefallene oft noch nicht als Gewalt, argumentiert Hinterreiter, die sich auch sicher ist, dass durch diese Unterstützung mehr Frauen in Gewaltbeziehungen den Mut haben würden, sich zu trennen: "Wenn Frauen unsere Beratungsstelle aufsuchen, ist ja bereits Einiges passiert und sie haben Strategien entwickelt, das Schlimmste für sich und ihre Kinder abzufedern. Wenn sie zusätzlich wissen, wohin sie gehen können, wie sie ihr Leben finanziell bestreiten können und welche Konsequenzen sie erwarten, gibt dies Sicherheit für die nächsten Schritte“, argumentiert Hinterreiter.

Ausweitung der Angebote

„Eine Möglichkeit wären beispielsweise Wohnungen, die im Falle einer finanziellen Notlage bei einer Trennung wohnortnahe und schnell zur Verfügung stehen“, sagt die Expertin und erklärt: „Vor der Übersiedlung weit weg in ein Frauenhaus schrecken manche vorerst zurück, möchten sie beispielsweise ihre Kinder nicht derart aus dem Alltag reißen." Hinterreiter ergänzt: „Meiner Erfahrung nach bräuchte es statt vieler Einzelmaßnahmen ein engmaschiges Netz und ein Ineinandergreifen interdisziplinärer Unterstützungen in dieser Zeit“, sagt die Psychologin. Neben den unbürokratischen finanziellen Hilfen wäre etwa auch eine aufsuchende, mobile Betreuung, die bei rechtlichen und psychosozialen Fragen zur Seite steht, vonnöten – sowohl präventiv als auch in Krisen und in der Zeit danach. „Die Schaffung ausreichender, kostenloser psychologischer und therapeutischer Angebote ist notwendig", betont Hinterreiter. Vor allem für Präventions- und Sensibilisierungsarbeit sowie für die Nachbetreuung, die zur Stabilisation und für den Aufbau von Zukunftsperspektiven gleich wichtig ist wie die Angebote im Akutfall, sind wenig Ressourcen da. "Plötzlich wieder auf sich alleine gestellt zu sein, kann sehr überfordernd sein“, gibt Hinterreiter zu bedenken und appelliert: „Es braucht ein breites und auf die neue Lebenssituation vorbereitendes Hilfsnetz. Das würde vielen Frauen in dieser Situation helfen und die notwendige Kraft und den Mut für eine Trennung verleihen.“

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Kennen Sie Einrichtungen, Projekte und Initiativen in Graz, die in finanziellen Notsituationen unterstützen? Oder wissen Sie, ob andere Städte bereits Angebote haben, wie sie Daniela Hinterreiter fordert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an leserbrief@woche.at, per Post an die "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1/6. Stock oder posten Sie online auf www.meinbezirk.at/graz oder www.facebook.com/wochegraz.

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