Stadtplanungsexpertin Aglaée Degros appelliert: "Wir brauchen mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer!"

Will auf den Straßen mehr Platz für Radler und Fußgänger: Städteplanerin und TU-Professorin Aglaée Degros
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Die Gesellschaft muss Prioritäten setzen: Aglaée Degros will mehr Platz für Rad- und Fußverkehr schaffen.

Die Diskussion um das Miteinander von Autofahrern, Radlern und Fußgängern in Graz ist so alt wie der Verkehr selbst. Hohe Feinstaubwerte und Staus fordern ein Umdenken und einen Umstieg auf sanfte Mobilität. Dies wird laut Aglaée Degros, der Leiterin des Instituts für Städtebau an der Technischen Universität Graz, nur gut funktionieren, wenn es hierfür auch genügend Platz gibt. Für die WOCHE erklärt sie, wie das in Graz umgesetzt werden kann.

Autos weg von der Straße

"Man macht sich mit der Idee keine Freunde, aber stehende Autos müssen von der Oberfläche verschwinden", prescht Degros vor. Durch die dadurch entstehenden Freiräume könnten Rad- und Fußwege erweitert werden. "Das ist nicht nur einladender, sondern auch viel sicherer", erklärt die Expertin.
Breitere Straßen, mehr Grün und ein eigener Radweg würden geregelte Verhältnisse schaffen und Bürger motivieren, diese Infrastruktur auch zu nutzen.

Sicherheit ist entscheidend

Degros verweist auf zahlreiche Positivbeispiele aus Belgien und den Niederlanden, wo durch eine Umgestaltung sichere Radwege realisiert wurden, was mehr Bürger motivierte, auf das Rad und Öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. "Die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer muss gegeben sein", meint sie und vor allem dürfe es zu keinen Konfrontationen zwischen den Verkehrsteilnehmern kommen.

Klare Prioritäten setzen

"Oft wird diese Idee mit dem Argument des Platzmangels als nicht realisierbar abgetan. Das ist aber nur ein Vorwand. Wir als Gesellschaft müssen uns fragen, wo unsere Prioritäten liegen", betont Degros, dass die Hierarchie klar geregelt sein muss. "Wir müssen Verkehr multimodal denken und Öffentlichen Verkehrsmitteln und Radfahrern Vorrang einräumen", erläutert die Professorin, die ein großer Anhänger von Carsharing-Modellen ist. "Manchmal braucht man ein Auto, aber in der Stadt ist es nicht nötig, eines zu besitzen", hält sie fest.

Die Straße gehört allen

Und wo sollen die Autos parken, wenn sie von den Straßen verbannt werden? "Anrainergaragen sind eine Möglichkeit, Fahrzeugen auch im innerstädtischen Bereich ein Zuhause zu geben. Aber wir sollten alle sensibilisieren und motivieren, auf sanfte Mobilität umzusteigen." Abschließend gibt die Städteplanerin einen interessanten Gedanken mit: "Straße ist öffentlicher Raum, der allen gehört. Wieso ist es eine Selbstverständlichkeit, sein Auto dort abstellen zu dürfen? Ich stelle auch nicht mein Sofa auf die Straße."

WOCHE-WISSEN

Laut Homepage der Stadt Graz, Abteilung für Verkehrsplanung, verfügt Graz über 128 Kilometer Radwegenetz, 13 Hauptradrouten und 800 Kilometer Tempo-30-Straßen. Weiters gibt es zehn Park & Ride-Plätze, 14.400 Parkplätze in der "Blauen Zone" und 11.800 in der "Grünen Zone" (Stand Juni 2015). Die Öffis stehen mit acht Straßenbahnlinien, 35 Buslinien (inkl. Nightline) zur Verfügung (Stand Oktober 2018).

TU-Kurs: Öffentlicher Raum und Mobilität

"Smarte Quartiersentwicklung in kleinen und mittelgroßen Städten": Unter diesem Titel startet am 7. Februar an der Technischen Universität Graz ein Kurs zum Thema "öffentlicher Raum und Mobilität" für Vertreter (kleinerer) Städte. Das Institut für Städtebau arbeitet darin in acht Modulen den öffentlichen Raum, Mobilität, Innenentwicklung, Prozess und Governance, Energie und technische Infrastruktur auf und beleuchtet die Wichtigkeit dieses komplexen Themas. Alle Informationen und Anmeldung unter: www.tugraz.at/go/LLL-SMART.

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Eine Frage der Mobilität: An der TU gibt es Antworten.

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