Corona-Hintergrund
Steirische Experten über den Sinn von COVID19-Tests

Nicht nur testen, testen, testen: Klaus Vander (l.) und Georg Steindl setzen zusätzlich auf Diagnostik und Prävention.
  • Nicht nur testen, testen, testen: Klaus Vander (l.) und Georg Steindl setzen zusätzlich auf Diagnostik und Prävention.
  • Foto: KAGES
  • hochgeladen von Roland Reischl

Die Entwicklung ist eine rasante: War die Möglichkeit eines Direktnachweises von SARS-CoV-2 vor einem halben Jahr nur ein paar Labors weltweit vorbehalten, zählt der Corona-PCR-Test heute zu einer der gefragtesten Laborleistungen auf der Welt. Wir haben dazu zwei heimische Experten befragt, Klaus Vander (ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie in der Kages) und seinen Kollegen Georg Steindl. Die Bedeutung des Tests wollen die Mikrobiologen gar nicht abstreiten: "Das Ergebnis ermöglicht prinzipiell Entscheidungen, die – wie wir in den letzten Monaten vielerorts erfahren haben – von höchster klinischer Relevanz, aber auch von großer gesellschaftlicher Tragweite sein können." Kaum ein anderer mikrobiologischer Erregernachweis sei je so im Fokus gestanden, war Spielball politischen Diskurses, Rettungsanker und Schlüssel  zur Ausrufung wie zum Schließen von (zugewiesenen) COVID-Bereichen in Krankenanstalten.
Leise Kritik gibt es dennoch: "Oft war es jedoch nicht das Test-Ergebnis,  sondern die bloße Verfügbarkeit von Tests, die zur alles entscheidenden Kraft erhoben wurde. Die Sorge um Quantität war gefühlt stärker als jene um die Qualität.

Vorbereiten auf einen "heißen Herbst"

Deshalb, so die Experten, erscheine es umso wichtiger, sich in der Vorbereitung für die anstehende, herausfordernde Herbst- und Wintersaison kritisch die Frage zu stellen, welchem Zweck die Test-Ressourcen  untergeordnet werden soll. Denn der unkritische Ruf nach „Testen, Testen, Testen!“ sei der gewissenhaften Vorbereitung genauso wenig zuträglich wie mehrtägige Wartezeiten auf Testtermine und -ergebnisse. "Hier ist Differenzierung nötig, einerseits um Gesunde nicht krank zu testen, andererseits um eine Verbreitung und den Eintrag von SARS-CoV-2 in sensible Bereiche bestmöglich zu unterbinden."
Mit diesen Gedanken im Hintergrund wollen Vander und Steindl in der KAGes ein differenziertes System zur Infektionsprävention installieren. Drei Prinzipien sollen dabei zur Anwendung kommen: Unterbrechung der Übertragung des Erregers über die Luft oder über Oberflächen, der Unterbindung der Freisetzung des Erregers an der Quelle, und der Schutz empfänglicher Personen.
Damit weisen die beiden Hygiene-Spezialisten nochmals auf längst Bekanntes hin: "Respiratorische Tröpfchen werden beim Niesen und Husten, aber auch beim lauten Sprechen mit hoher Geschwindigkeit emittiert, und können hierbei Distanzen von rund zwei Metern überwinden." Deshalb: Besser zwei als einen Meter Abstand halten. Wesentliche Präventionsmaßnahmen sind zusätzlich Händehygiene sowie das Vermeiden des Kontaktes der Hände mit Mund, Nase und Augen. Eine Intensivierung der Flächendesinfektion in belasteten Bereichen kann außerdem dazu beitragen, die Erregerlast zu reduzieren.

Ein "Ja" zur Maske

Über die Effektivität von Mund-Nasen-Schutz bzw. Schutzmasken wurde seit Anbeginn der Pandemie kontrovers diskutiert. "Aktuelle Reviews klinischer Studien zeigen nun klar auf, dass das Tragen eines Mund-Nasenschutzes sowohl für den Träger als auch für Dritte eine zur FFP2-/3-Maske vergleichbare Schutzwirkung aufweisen kann", hält Vander ganz klar fest. Für den Spitalsbereich leite man daraus für Patienten, Mitarbeiter und Besucher in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ein Mund-Nasen-Schutz-Tragegebot ab.
Der Einsatz von FFP2-/3-Atemschutzmasken ist nur dann notwendig, wenn ein überdurchschnittlich hohes Risiko eines SARS-CoV-2-Kontaktes besteht. Zu solchen Situationen zählen Settings mit tendenziell häufigerem Kontakt zu Patienten mit den Symptomen Husten, Fieber, Dyspnoe. 

Tests sinnvoll einsetzen

Im Sinne der Versorgungssicherheit müsse ein unbedachter Umgang mit Testressourcen genauso vermieden werden wie eine unkritische Anwendung von Masken, Mänteln und anderen Elementen der persönlichen Schutzausrüstung. Steindl sieht das ganz pragmatisch: "Sehen wir diese Untersuchung als das, was sie ist: ein diagnostisches Instrument zur Abklärung einer konkreten Fragestellung. Sehen wir in ihr jedoch nicht den omnipotenten Troubleshooter, der uns Problemlösung verspricht, wo es keine Probleme gibt, oder vermeintliche Sicherheit gibt, die trügerisch bis gefährlich sein kann."  Sein Credo: "Als Grundlage für eine Testung sollte immer eine medizinische Indikation bestehen." Mehrfachtestungen seien ebenfalls nicht notwendig, ergänzt Vander: "Der Real-Time-PCR-Test weist mit hoher Sensitivität und Spezifität den Erreger SARS-CoV-2  nach. Einem einmalig positiven Testergebnis kann und soll vertraut werden, die Mehrfach-Testung eines positiven Patienten kann im Regelfall unterbleiben." Ebenso bedürfe es keines weiteren PCR-Tests, um Patienten nach leichtem Krankheitsverlauf aus einer Absonderung zu entlassen. Die Kriterien hierfür sind: frühestens Tag 10 nach Symptombeginn und mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit. 

Kontaktpersonen mit Abstand testen

Neben der Testung von Patienten mit Symptomen ist die Testung von Kontaktpersonen eine wichtige Präventionsmaßnahme. "Es macht keinen Sinn, noch am selben Tag des Kontaktes zum COVID-Indexfall, Kontaktpersonen  zu testen; hierfür sollte eine Latenzzeit von rund 48 Stunden abgewartet werden." Auch hier sollte man nur jene testen, die ungeschützten Kontakt zum Erkrankten haben.
Abschließend unterstreicht Vander nochmals: "Die Kette der Infektionsmedizin ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Diagnostik, Therapie und Prävention müssen in Zeiten wie diesen mehr denn je einander optimal unterstützen. Ein Teilbereich alleine wird SARS-CoV-2 weniger Einhalt gebieten als ein akkordiertes Miteinander." Schlusssatz: "Setzen wir nicht alles auf eine Test-Karte – den somit längeren Atem können wir gut brauchen."

Hier der gesamte Artikel von "Ärzte Steiermark"

Prim. Dr. Klaus Vander ist ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der KAGes. Als Krankenhaushygieniker der KAGes ist der Facharzt für Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene für die fachlichen Vorgaben zur krankenhaushygienischen Versorgung der steirischen Landesspitäler verantwortlich.

Dr. Georg Steindl ist Oberarzt am Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der KAGes und kümmert sich innerhalb des Bereiches der Klinischen Krankenhaushygiene unter anderem um das Hygienemanagement von Patienten mit (v. a.) COVID-19.

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