Sensible Messungen
U-Bahn könnte Haus der Physik erschüttern

Die U-Bahn-Haltestelle wäre laut Plan "direkt vor dem Uni-Hauptgebäude, nordwestlich der Kreuzung Harrachgasse/Halbärthgasse", weiß TU-Graz-Institutsleiter für Straßen- und Verkehrswesen Martin Fellendorf.
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  • Die U-Bahn-Haltestelle wäre laut Plan "direkt vor dem Uni-Hauptgebäude, nordwestlich der Kreuzung Harrachgasse/Halbärthgasse", weiß TU-Graz-Institutsleiter für Straßen- und Verkehrswesen Martin Fellendorf.
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Zwei Zukunftsprojekte schwingen nicht im Gleichklang: Sensible Messungen und Metro vertragen sich nicht.

Zwei Grazer Leuchtturmprojekte gehen aus heutiger Sicht schwer zusammen: Eine U-Bahn stellt hochauflösende Messungen im neuen Haus der Physik infrage.

Baustelle eins: Haus der Physik

Mit dem 354 Millionen Euro schweren Bau des Hauses der Physik wird ein wissenschaftlich wichtiges Gebäude am Campus der Uni Graz kommen. Und zwar dort, wo jetzt noch die Vorklinik steht. 2030 sollen dann dort, im neuen "Graz Center of Physics" (GCP), die Physik-Institute, die derzeit sowohl an Karl-Franzens-Universität wie auch TU Graz beheimatet sind, unter gemeinsamen Dach zusammengelegt werden.Damit wird auch das Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik mitsamt seiner Elektronenmikroskope vom TU-Standort Steyrergasse auf den KF-Campus ziehen.

Baustelle zwei: U-Bahn

Zugleich könnte eine U-Bahn kommen, die Rede war vom Zeithorizont nach 2030. Der Halt der grünen Linie wäre laut Plan "zwölf Meter unter dem Universitätsplatz und direkt vor dem Uni-Hauptgebäude, nordwestlich der Kreuzung Harrachgasse/Halbärthgasse, mit drei Aufgängen", weiß TU-Graz-Institutsleiter für Straßen- und Verkehrswesen Martin Fellendorf. Das wäre wenige Schritte vom neuen Haus der Physik entfernt. 

Die U-Bahn-Haltestelle wäre laut Plan "direkt vor dem Uni-Hauptgebäude, nordwestlich der Kreuzung Harrachgasse/Halbärthgasse", weiß TU-Graz-Institutsleiter für Straßen- und Verkehrswesen Martin Fellendorf.
  • Die U-Bahn-Haltestelle wäre laut Plan "direkt vor dem Uni-Hauptgebäude, nordwestlich der Kreuzung Harrachgasse/Halbärthgasse", weiß TU-Graz-Institutsleiter für Straßen- und Verkehrswesen Martin Fellendorf.
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Sensible Forschung

Die Elektronenmikroskope sind hochauflösend und extrem sensibel, sie schaffen Untersuchungen im Nano-Bereich: Stellt man sich die Dicke eines Blatt Papiers durch 1.000 geteilt vor, dann hat man eine Vorstellung von der Größenordnung und Sensibilität, mit der die Geräte arbeiten. U-Bahnen oder Straßenbahnen etwa sind Gift für die Messungen, weil unter anderem durch die Schwingungen deren Präzision gestört wird. "Jedes Mal, wenn der touristische Cabriobus vorbeifährt, muss ich meine Arbeit am Elektronenmikroskop in der Steyrergasse unterbrechen", berichtet eine Institutsmitarbeiterin der WOCHE. Was ihrem Team in einigen Jahren bevorstehen könnte: Eine U-Bahn, die direkt vor dem neuen Gebäude im 2,5- bis 4-Minuten-Takt hält. 
Was ist wo geplant? Ein Schwenk vor Ort am Universitäts-Campus zeigt es im Video:

Das sagen Städte mit Metro

"Das hört sich schrecklich an", lautet die Ferndiagnose des TU-Wien-Fachbereichsleiters für Elektronenmikroskopie Johannes Bernardi. "Elektronenmikroskope und U-Bahn sind Dinge, die nicht zusammenpassen. Man sollte so weit wie möglich davon wegbleiben." Gerade wenn man, wie in Graz geplant, technisch neue und damit noch sensiblere Geräte anschafft. "Hier in Wien spürt man die U3 in 800 Metern Entfernung deutlich", so Bernardi. Mitunter deshalb wandert man noch heuer an einen neuen Standort.
Aus Berlin heißt es: "Eine U-Bahn ist kein Ausschlusskriterium für hochsensible Messungen, es gibt Dämpfungsmöglichkeiten. Damit werden die Kosten in die Höhe getrieben und es braucht vor Baubeginn ein Konzept", sagt Kai Ludwig vom Forschungszentrum für Elektronenmikroskopie der Freien Universität Berlin.

Die grüne Metro-Linie "M1" hält laut Planungen direkt bei der Karl-Franzens-Universität im 2,5- bis 4-Minuten-Takt. Die violette "M2" würde nur einige Meter davon entfernt fahren.
  • Die grüne Metro-Linie "M1" hält laut Planungen direkt bei der Karl-Franzens-Universität im 2,5- bis 4-Minuten-Takt. Die violette "M2" würde nur einige Meter davon entfernt fahren.
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Neubau als Chance

Dieses Konzept muss ein Auge auf alle Bereiche der Physik haben, da auch Röntgentomografen oder Laserspiegel sehr sensibel arbeiten. Man werde darauf in der Planung Rücksicht nehmen, heißt es seitens des internen Bau-Projektleiters Ralph Zettl von der Universität Graz: "Wir müssen Fundamente von der Erde entkoppelt bauen. Das ist im Zuge des Neubaus leichter. Wir sehen also kein unlösbares Problem darin."
Weil das Haus der Physik bereits stehen wird, lange bevor eine U-Bahn überhaupt ins Rollen kommen könnte, müsste nachjustiert werden: Der nachträgliche Ein- und Ausbau der Geräte für adäquate Dämpfung ist zu erwarten. Magnetfeldkompensation und Schwingungsdämpfung für ein Spitzengerät könnte allerdings mehrere Millionen Euro kosten.


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