Verband schlägt Alarm: Gerichten fehlen Dolmetscher

Im Namen der Republik: Im Straflandesgericht in der Conrad-von-Hötzendorfstraße sind Gerichtsdolmetscher gefragt.
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Immer weniger Gerichtsdolmetscher und unlauterer Wettbewerb in Graz: Verband schlägt Alarm.

Jeder hat das Recht auf ein faires Verfahren. Dieser Grundsatz der österreichischen Rechtsordnung kann nur gewährleistet werden, wenn alle Beteiligten in einem Verfahren gehört werden beziehungsweise sich richtig artikulieren können. Eine wesentliche Säule sind dabei Gerichtsdolmetscher, die für Personen mit mangelnden Deutschkenntnissen essenziell sind.
Gerade dieser Berufsstand steht derzeit vor eine Misere und hat zu wenige Vertreter, die diese Tätigkeit ausüben. Andrea Bernardini ist seit März 2018 die neue Präsidentin des Österreichischen Verbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher (ÖVGD) und erörtert für die WOCHE die prekäre Situation.

Schlechte Entlohnung

"Österreichweit hatten wir 2006 noch 1.400 Gerichtsdolmetscher, derzeit sind es nur mehr rund 770", sagt Andrea Bernardini. Dies obwohl, vor allem durch die Flüchtlingswelle aus dem Jahr 2015, der Arbeitsaufwand enorm gestiegen ist. "Zudem ist der Altersdurchschnitt relativ hoch und die Entlohnung nicht angemessen", erörtert die Präsidentin, dass bei Verfahren, für die der Staat die Kosten übernimmt, der Tarif seit 2007 nicht mehr erhöht wurde. "Es gab nicht einmal eine inflationsbedingte Anpassung", erklärt sie, dass hier für die erste halbe Stunde 24,50 Euro und für jede weitere 12,40 Euro verrechnet werden können.

Unlauterer Wettbewerb

Eine Besonderheit, die dem Verband Kopfzerbrechen und den Protagonisten bald eventuell eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs beschert, gibt es in Graz und der Steiermark. "Das Recht auf Bestellung ist ein höchstpersönliches. Hier aber werden Agenturen und Übersetzungsbüros bestellt, die dann Subunternehmer, die nicht beeidet sind, dafür anstellen. Diese wiederum müssen Provisionen an die Agenturen zahlen." Das müsse laut der Interessensvertreterin dringend behoben werden und erfordert auch ein Aktivwerden der Gerichte.

Qualifizierte dringend gesucht

Dabei wird händeringend nach qualifizierten Dolmetschern gesucht. "Die Prüfung ist schwer, das muss sie aber auch sein. Wir arbeiten derzeit daran, sie auch in den Bundesländern anzubieten", will Bernardini frischen Wind in den Verband bringen.
Besonders gefragt sind Dolmetscher, die die im Iran und Afghanistan gängigen Sprachen Dari, Farsi und Pashtu beherrschen. Gerichtsdolmetscher können aber nur jene Personen werden, die einschlägige Dolmetschpraxis und die Prüfung erfolgreich absolviert haben. "Ich liebe meinen Beruf und kann junge Kollegen nur motivieren, diesen zu ergreifen", appelliert Bernardini selbst nach 37-jähriger Berufserfahrung.

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Andrea Bernardini: "Gerichtsdolmetscher haben eine wichtige Rolle, daher brauchen wir qualifizierte Vertreter."

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