Will ein Grazer Bauprojekt im Villenviertel (zu) hoch hinaus?

Ein geplanter Wohnkomplex im Geidorfer Villenviertel erhitzt die Gemüter. Anrainer ärgern sich über die geplante Bauhöhe.
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  • Ein geplanter Wohnkomplex im Geidorfer Villenviertel erhitzt die Gemüter. Anrainer ärgern sich über die geplante Bauhöhe.
  • Foto: Jorj Konstantinov
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Im Villenviertel von Geidorf monieren Anrainer, dass ein Wohnprojekt zu hoch bewilligt wurde.

Von Andritz bis Puntigam, von Wetzelsdorf bis Ries: Die Bautätigkeit in Graz ist unvermindert hoch, freie Grundstücke sind mittlerweile rar geworden.
Stadtschützer monieren vor allem, dass immer mehr alte Villen, die nicht in einer ausgewiesenen Schutzzone stehen, dem Bauboom zum Opfer fallen. Auch in der Charlottendorfgasse ist ein neues Projekt mit fünf großzügig bemessenen Wohnungen geplant. Die daneben stehende Gründerzeitvilla bleibt zwar erhalten, die Bewohner sind dennoch empört. Stein des Anstoßes ist die geplante Bauhöhe. "Nach den gesetzlichen Bestimmungen des Stadtentwicklungskonzeptes in Verbindung mit dem neuen Räumlichen Leitbild 1.0 der Stadt Graz dürfte in der Charlottendorfgasse kein Neubau entstehen, der die gesetzlich normierte Mindesthöhe von 7,50 Meter überschreitet", erklärt ein Anrainer der WOCHE (Name der Redaktion bekannt).
Der angesprochene Bereich im Bezirk Geidorf ist laut Stadtentwicklungskonzept als Grüngürtel ausgewiesen. Demnach sind dort Bebauungen mit einem zweigeschoßigen Erscheinungsbild ebenso zulässig wie ein zurückversetztes zweites Obergeschoß oder ausgebautes Dachgeschoß, wenn an keiner Stelle eine größere Gebäudehöhe als 7,50 Meter erreicht wird. Bei der Baubehörde wurde das neue Projekt allerdings mit einer Höhe von rund elf Metern eingereicht. "Wir sind bei der Bauverhandlung aus allen Wolken gefallen", so der Anrainer.

Streitpunkt Gebietscharakter

Anhand eines Gutachtens der Stadtplanung wurde das Projekt positiv beurteilt. An einer Stelle im Stadtentwicklungskonzept wird nämlich erläutert, dass zur Angleichung von Neu- und Zubauten an Nachbarobjekte und unter Berücksichtigung des Gebietscharakters auch die Überschreitung um maximal ein Geschoß zulässig sei. "Dieses Projekt fügt sich aber nicht in die Gegend ein, in der Nähe steht ein altes Biedermeierhäuschen, ansonsten finden sich hier keine Häuser der geplanten Größenordnung", sagt der Anwohner, der explizit darauf hinweist, das Bauprojekt nicht verhindern zu wollen. "Es geht rein um die Überschreitung der Maximalgröße."

Bewusste Leitbild-Lücken

Für den Grazer Stadtplanungschef Bernhard Inninger stellt das Räumliche Leitbild 1.0 primär eine Qualitätssicherung dar, "es löst aber natürlich nicht alle individuellen Probleme". Generell wurde dabei versucht, alles für Laien verständlich zu formulieren, "nur in den seltensten Fällen enthält das Leitbild Zahlen, man war auch nicht mit dem Zentimetermaß unterwegs". Natürlich orientiere man sich weiterhin am Gebietscharakter einzelner Grazer Gegenden, "wenn vor 40 Jahren nur der Gebietscharakter maßgeblich war, heißt das aber nicht, dass das heute auch so ist". Ein gewisser Ermessensspielraum bleibe immer.
"Es geht mit dem Leitbild schließlich auch darum, die Stadtentwicklung für die nächsten 15 Jahre festzulegen. Daher wurden einige Passagen bewusst schärfer formuliert, dazu enthält das Leitbild auch bewusste Lücken. Wichtig ist, dass es in Summe weniger bauliche Missstände gibt."

Ein geplanter Wohnkomplex im Geidorfer Villenviertel erhitzt die Gemüter. Anrainer ärgern sich über die geplante Bauhöhe.
So soll das neue Wohnprojekt aussehen.
Autor:

Christoph Hofer aus Graz

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