"Bin keine, die jammert" – Lisa Rücker in "Gefragte Frauen"

Neue Wege: Lisa Rücker spricht mit der WOCHE über ihr Leben nach der Politik und ihre zahlreichen Tätigkeitsfelder.
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  • Neue Wege: Lisa Rücker spricht mit der WOCHE über ihr Leben nach der Politik und ihre zahlreichen Tätigkeitsfelder.
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Die ehemalige Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker über ihr (Polit-)Leben, Ehrenamt und ihre Lieblingsfarbe.

2008 wurde Lisa Rücker als Chefin der Grünen in einer schwarz-grünen Koalition Vizebürgermeisterin. Bis 2012 ließ sie vor allem mit neuen Konzepten für die Verkehrspolitik aufhorchen, in der Stadtregierung blieb sie als Stadträtin bis 2017. Der WOCHE verrät sie, ob Politik noch Teil ihres Lebens ist, wieso sie ihre Homosexualität öffentlich machte und wie sie sich in der männerdominierten Politik behauptete.

WOCHE: Frau Rücker, wie geht es Ihnen? Wie sieht Ihr, womöglich politikfreier, Alltag aus?
Lisa Rücker:
Mir geht es sehr gut, danke. Ich bin seit Oktober 2017 selbstständig und arbeite als Trainerin und Coach und unterstütze dabei den politischen Nachwuchs. Mein Plan war immer die Selbstständigkeit, da ich mich nie von einer Partei abhängig machen wollte. Zudem bin externe Lektorin an verschiedenen Fachhochschulen mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit und darüber hinaus auch Masterstudentin an der Donauuniversität Krems.

Auch im Bereich des Ehrenamts sind Sie sehr aktiv ...
Ja, ich bin Obfrau beim Verein pro humanis, der Menschen mit psychosozialen Problemen unterstützt, weiters Vorsitzende des Fachbeirates für gendergerechte Gesundheit des Landes Steiermark und Lesepatin an einer Neuen Mittelschule. Neben dem Ehrenamt engagiere ich mich beim Bündnis0803, das zahlreiche Aktivitäten zum Weltfrauentag organisiert und auf die Wichtigkeit von Frauenthemen aufmerksam macht. Durch meine beruflichen Aufgaben, meine ehrenamtlichen Tätigkeiten und meine Erfahrung in der Kommunalpolitik ergeben sich sehr schöne und unterschiedliche Herausforderungen.

Wieso sind Sie damals in die Politik gegangen?
Es gibt immer zwei Möglichkeiten: etwas tun oder jammern und ich bin keine, die jammert. Wenn man in die Politik geht, muss man einen großen Veränderungswillen haben und die Menschen mögen – für Politik braucht es Herz und Hirn. Der direkte Kontakt zu den Menschen in der Kommunalpolitik hat viele Vorteile, man wird aber auch zur Zielscheibe, deswegen muss man sich abgrenzen. Die Zeit war sehr intensiv und ich schätze sehr, dass ich die Erfahrung gemacht habe und das Privileg hatte, hinter die Kulissen unserer Stadt zu schauen.

Auf welche Ihrer Projekte sind Sie heute noch stolz?
Die begrünte Fassade der Uniqa in der Annenstraße etwa oder das Einführen der Lastenräder, es gab viele erfolgreiche Initiativen, aber Graz hat noch sehr viel Potenzial. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, würde schon seit 2019 eine Straßenbahn über den Griesplatz fahren. Die Kernthemen der Grünen werden nun von allen ernstgenommen und ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt von Menschen gestaltet wird. Daher hoffe ich, dass wir gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten.

Also sind Sie nach wie vor ein politischer Mensch?
Ja, definitiv! Ich verfolge alles und bin auch beruflich politiknah, aber jetzt in beratender Funktion. Die Grünen sind auch meine politische Heimat, obwohl meine Lieblingsfarbe blau ist (lacht). Man muss auch nicht immer alles politisch sehen ...

Aktiv in "Politpension": Lisa Rücker ist auch nach ihrem Rücktritt aus der Berufspolitik ein hochpolitischer Mensch, nach wie vor mit dem Fahrrad in Graz unterwegs und hat einen dichten Terminkalender.
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Wie haben Sie sich als Frau in der Männerdomäne Politik durchgesetzt?
Gleich anfangs habe ich mich gewehrt, stereotype Agenden wie Soziales oder Frauen zu übernehmen und habe etwa Verkehr, Finanzen, Abfallwirtschaft oder Energie gewählt. Dort war ich oft die einzige Frau in der Runde oder am Podium und habe mir auch erlaubt, das anzusprechen. Zum Glück hat sich in diesem Bereich einiges zum Positiven verändert.

Als Spitzenpolitikerin haben Sie sich öffentlich zu Ihrer Homosexualität bekannt. Warum?
Ich wollte offen damit umgehen und es nicht als mögliche Zielscheibe gegen mich im Raum lassen. Heute würde ich es vielleicht nicht mehr extra betonen müssen, da ein offener Umgang damit üblich geworden ist. Es freut mich aber, dass durch den Schritt viele ermutigt wurden, sich zu outen.

Raten Sie jungen Menschen, sich politisch zu engagieren?
In jedem Fall, dabei gibt es aber viele Arten, es muss nicht immer eine Partei sein. Junge Menschen sollen sich selbst vertrauen, nicht verbiegen und solidarisieren.

Wie soll Graz 2050 aussehen?
Graz soll weiter so weltoffen und Dreh- und Angelpunkt zum Balkan bleiben. Es soll bei der Verteilung der Lebens- und Wohnqualität gerechter und bei Verkehr und Umwelt noch viel konsequenter werden.

WOCHE-WORDRAP

Politik macht ... lebendig.
Graz ist ... wunderschön.
Ich bereue ... nichts.
Zum Lachen ... bringe ich mich manchmal selbst.
Wenn ich alt bin, ... wünsche ich mir einen Tisch, an dem Familie und Freunde sitzen.

STECKBRIEF

Geboren am 10.5.1965 in Salzburg
Mutter zweier Töchter (1993 und 1996 geboren)
Diplomierte Sozialarbeiterin
Ab 2003 war sie Gemeinderätin der Grünen, von 2008 bis 2012 Vizebürgermeistern, bis 2017 Stadträtin, seit 2017 selbstständig

Neue Wege: Lisa Rücker spricht mit der WOCHE über ihr Leben nach der Politik und ihre zahlreichen Tätigkeitsfelder.
Aktiv in "Politpension": Lisa Rücker ist auch nach ihrem Rücktritt aus der Berufspolitik ein hochpolitischer Mensch, nach wie vor mit dem Fahrrad in Graz unterwegs und hat einen dichten Terminkalender.
Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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