Hofübergabe in der Bezirksbauernkammer Deutschlandsberg

Staffetten-Übergabe in der Deutschlandsberger Bezirkskammer: Karl-Henz Knaß übergibt an Christian Polz.
  • Staffetten-Übergabe in der Deutschlandsberger Bezirkskammer: Karl-Henz Knaß übergibt an Christian Polz.
  • hochgeladen von Susanne Veronik

DEUTSCHLANDSBERG. Die Weichen sind schon einmal gestellt: Nach dem Rücktritt von Karl-Heinz Knaß nach 20 Jahren (vier volle Amtsperioden) als Bezirksobmann des Bauernbundes ist der Frauentaler Landwirt Christian Polz einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt worden, der somit auch als regionaler Spitzenkandidat des Bauernbundes in die Landwirtschaftskammerwahl ziehen wird.
Polz bewirtschaftet einen modernen Schweinbetrieb mit 200 Zuchtsauen mit integriertem Ackerbau in Frauental. Der dreifache Familienvater ist auch Obmann der Weststeirischen Mahl- und Mischgemeinschaft
Die WOCHE Deutschlandsberg hat beide zu einem Übergabe-Interview an einen Tisch gebeten.

Das Interview im Doppel

Nach zwei Perioden in der Landeskammer und vier vollen Perioden in der Bezirkskammer also insgesamt 30 Jahren im Dienste der Bauernkammer - warum jetzt der Rücktritt?
KNASS: Man soll den Hof dann übergeben, wenn man einen geeigneten Nachfolger hat, und das ist jetzt mit Christian Polz der Fall, der einen guten Blick für die Gesamtheit in der Landwirtschaft hat.

Was kommt jetzt?
Ich bleibe Forstvertreter im Bauernbund und werde meine Land- und Forstwirtschaft in St. Oswald ob Eibiswald weiter mit Leidenschaft betreiben, sowie ich auch Opa mit Leidenschaft bin.

Was waren die großen Herusforderungen in Ihrer Amtsperiode?
KNASS: Da war einmal die Herausforderung in Folge des EU-Beitrittes mit der EU-Erweiterung in Richtung Osten mit großen Sorgen für Betriebe und Arbeitsmarkt.
Eine ständige Herausforderung ist die Frage des Eigentums: Als der Wald Anfang der 70er Jahre geöffnet worden ist, hat niemand bedacht, welche Auswüchse das annehmen wird. So parken die Leute jetzt mit nicht hinterfragter Selbstverständlichkeit auf dem Privateigentum des Bauern, umfassende Aufklärung ist hier gefragt, nach Innen und nach außen, das ist eine beständige Aufgabe der Kammer. Mit der der "Natura 2000"- Gebietserweiterung in den Jahren 2013/14 ist die Lage in puncto Sebstverwaltung des Eigentums vor allem in den Almflächen (Borstgras-Wiesen) verschärft worden. 2015 kommen noch angestrebte Biotope in Hainsimse-Buchenwälder dazu, die bis in die Niederungen reichen. Das erschwert nicht nur die Bewirtschaftung sondern auch den Wegebau, wie ich bei einer entsprechenden Ausweisung jener Gebiete befürchte. Das ist unnötig aufgeblähte Verwaltung.
Aktuell groß geschrieben ist ein Fairnessabkommen mit dem Handel für faire Produzentenpreise, wozu man mit den Konzern-Vertretern in Verhandlung ist. Es muss einen Regionalbonus für die Produkte von der Milch über das Fleisch bis hin zum Obst geben.

Worauf sind Sie stolz?

Ich bin Gründungsobmann der Energieagentur Weststeiermark 1999/2000 mit dem Haus der Energie in Deutschlandsberg, das inzwischen auch Außenstellen hat.
Eine ständige Herausforderung ist die Sicherung des Standortes. Gellungen ist Gott sei Dank noch die Sanierung der Büros mit Ausstattung und sanitären Einrichtungen, die in einem unhaltbaren Zustand gewesen sind. Das Haus ist gut genutzt, womit auch Synergien entstehen - aber es wäre noch Platz, z.B. für den Maschinenring - die ebenderdingen Büros wären sofort zu adaptieren.
Es ist mir gelungen, den Fuß in die Tür zur Standortsicherung zu stellen - zumindest in den nächsten Jahren.

Welchen Ratschlag möchten Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

KNASS: Wichtig ist, zuhören und ja nicht Schulmeister spielen - das brauchen die Bauern nämlich überhaupt nicht.

Frage an den Nachfolger: Welche Ziele haben Sie für den Standort der Bezirkskammer?
POLZ: Einige Flächen sind ja noch frei - und wir freuen uns über jeden Mieter, auch außerhalb der Branche. Im Übrigen zahlt auch die ÖVP genau jenen Mietbetrag, den das Land vorschreibt.
Vielleicht kann man die Verantwortungsträger davon überzeugen, dass wir schrittweise ein neues Dach und eine neue Fassade bekommen und so schrittweise eine Generalsanierung schaffen. Da die Mitarbeiter der Bezirkskammer auch Hausbesuche machen, ist vom Gesetzgeber her keine Notwendigkeit für Barrierefreiheit gegben. Allerdings könnte man ohne weiteres ein ebenerdiges Büro einrichten.

Worin sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Wir müssen die Betriebe am Land halten, da geht es ja auch um gewachsene, soziale Gefüge. Die Familienbetriebe sind daher unbedingt zu erhalten.
Dazu zählt die Wirtschaftlichkeit, d.h. die Produzenten müssen auch wieder gewinnbringend arbeiten können. Wir sterben weg und der Konsument merkt das ja gar nicht, da sich der Preis zwar für die Bauern fast halbiert hat aber für den Konsumenten z.B. der Preis für das Schweinfleisch fast immer gleich bleibend ist. Familienbetriebe, die die Struktur aufrecht erhalten, fallen zunehmend weg - das macht mir Sorgen.

Eine mögliche Lösung?
POLZ: Die Deutschen haben z. B. ein Prämiensystem, sodass ein Bauer für die ersten 30 Hektar mehr Förderung bekommt. In Österreich gibt es diese Förderung nicht, wäre aber ein positives Signal für die kleinstrukturierten Betriebe, die ja ebenfalls ihre Geräte brauchen und niemals jenen Umsatz haben, wie ein Großbetrieb.

Was ist das Ziel?

POLZ: Es muss möglich sein, dass ein Landwirt einen Stall, der nach bis zu 30 Jahren zu erneuern ist, auch ohne zuviel an Belastung wieder hinbauen kann.
Man muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass für den Landwirt, in welcher Sparte auch immer, wieder etwas übrig bleibt. Dazu ist die Kammer die Interessensvertretung im ländlichen Raum.

Worin sehen Sie die Stärken im Bezirk Deutschlandsberg?

POLZ: Die Stärke liegt in der Vielfalt - wir haben alles von der Almwirtschaft bis zum Vieh- und Ackerbau und sind sogar teichreichster Bezirk. Und genau diese Vielfalt gilt es zu vermarkten.
Wir müssen mit moderner Viehhaltung und modernem Ackerbau unter Einbehaltung der hohen österreichischen Standards die Leute mit regionalen Produkten auch auf einer konventionellen Schiene versorgen können.

Autor:

Susanne Veronik aus Deutschlandsberg

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.