Offener Brief von Siegfried Nagl: "Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein zählen"

Optimistisch in die Zukunft: Bürgermeister Siegfried Nagl
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  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Bürgermeister Siegfried Nagl dankt in einem offenen Brief allen für ihren Einsatz und ruft zu Disziplin und Solidarität auf.

"Die Corona-Krise betrifft uns alle", leitet Bürgermeister Siegfried Nagl den offenen Brief an seine Grazerinnen und Grazer ein. Der geänderte Alltag, die Furcht vor einer Ansteckung und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder die Sorge um die Zukunft der Wirtschaft und die Tragfähigkeit des Gesundheitssystems sind nur einige Punkte, die alle Menschen derzeit beschäftigen. "Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein sind für mich die drei Schlüsselbegriffe zur Bewältigung dieser Herausforderung", erklärt der Stadtchef und mahnt, dass diese ausnahmslos für alle gelten.

Stadt nimmt Verantwortung ernst

"Ich bin stolz auf alle Grazerinnen und Grazer, die sich, bis auf wenige Unbelehrbare, mit großer Disziplin an die notwendigen Maßnahmen halten und erlebe derzeit auch viel Solidarität", so Nagl, der einen großen Dank an jene Personen ausspricht, die auch jetzt ihrer Arbeit nachgehen oder sich für das Wohl der Gesellschaft einsetzen und sich dabei auch der Gefahr einer Infektion aussetzen.
"Auch die Stadt Graz nimmt ihre Verantwortung in diesen Tagen besonders ernst und gemeinsam mit allen Fraktionen und all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Magistrat und unseren Beteiligungen sind wir dafür verantwortlich, dass die Grundfunktionen unserer Stadt zu 100 Prozent gesichert sind." Auch Nagl sieht in dieser Situation die wohl größte Herausforderung seit mehr als 70 Jahren und rückt doch das Positive in den Fokus: "Wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch", zitiert er Friedrich Hölderlin und schließt mit den Worten: "Ich danke für Ihre Zusammenhalt und blicke schon heute optimistisch in eine gute gemeinsame Zukunft."

Hier der Brief des Bürgermeisters im Wortlaut:

Liebe Grazerinnen und Grazer!

Wir erleben eine Zeit außergewöhnlicher Herausforderungen, die unser Alltagsleben völlig neu und anders bestimmen. Die CORONA-Krise betrifft uns alle und ihre Auswirkungen sind bei jedem und jeder von uns unmittelbar angekommen. Auf der Seite stehen und mit den Achseln zucken, das geht nun überhaupt nicht mehr!

Vielen von Ihnen haben sich bei mir in den letzten Tagen mit ihren Sorgen, hilfreichen Vorschlägen, aber auch mit aufmunternden Worten gemeldet. Dafür vorweg ein großes Dankeschön, und ja, was wir in diesen Tagen erleben, ist für die meisten von uns noch vor wenigen Wochen unvorstellbar gewesen.

Zur Furcht davor, sich selbst oder auch möglicherweise unbewusst einen lieben Menschen anzustecken, kommt die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, ebenso die Sorge um die Zukunft unserer Wirtschaft, die Tragfähigkeit unseres Gesundheitssystems, aber auch, wie es mit unseren Kindern schulisch weitergehen wird. Letztlich müssen wir alle unser Leben neu ordnen: die, die ihrer Arbeit, wenn auch unter ganz anderen Rahmenbedingungen, unverändert nachgehen; die, die nun zu Hause zugleich als „Teleworker“ und „Vertretungslehrer“ ihrer Kinder ihr Bestes tun; vor allem aber auch die, die unfreiwillig zur Untätigkeit verpflichtet sind.

Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein sind für mich die drei Schlüsselbegriffe zur Bewältigung dieser Herausforderung. Und sie gelten unabhängig von der jeweiligen persönlichen Betroffenheit für jeden von uns.

Wie oft haben wir in den letzten Jahren immer wieder davon gesprochen, welch Geschenk es ist, in einem Land wie Österreich leben zu dürfen. Auch das CORONA-Virus führt uns dies, wenn auch so von niemandem gewollt, einmal mehr vor Augen.

Ich bin stolz auf alle Grazerinnen und Grazer, die sich bis auf wenige Unbelehrbare mit großer Disziplin an die sinnvollen und notwenigen Maßnahmen der Bundesregierung und Experten halten.

Gerade in diesen Tagen erlebe ich viel Solidarität. Mit großer Dankbarkeit denke ich an die vielen Frauen und Männer, die täglich in der Industrie, im Lebensmittelhandel, im Gesundheitswesen, in den Einrichtungen der Daseinsvorsorge – sich zugleich auch immer der Gefahr einer Infektion aussetzend – ihrer Arbeit nachgehen. Auch alle Ehrenamtlichen, die sich in der gegenwärtigen Krise für die Gemeinschaft engagieren, möchte ich explizit in diesen Dank einbeziehen.

Auch die Stadt Graz nimmt ihre Verantwortung in diesen Tagen besonders ernst. Gemeinsam mit allen Mitgliedern der Grazer Stadtregierung und allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, den Führungskräften im Magistrat und in unseren Beteiligungen, aber insbesondere gemeinsam mit allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Grundfunktionen unserer Stadt – Fernwärme, Strom, Wasser, Abwasser- und Abfallentsorgung, öffentlicher Verkehr, unsere Berufsfeuerwehr sowie Kinderbetreuung für jene, die darauf angewiesen sind, um nur einige wichtige zu nennen – zu 100 Prozent gesichert sind. Und auch wenn wir derzeit vieles von dem schmerzlich vermissen, was unsere schöne Stadt Graz zu bieten hat, ist es mir wichtig zu betonen, dass die wesentlichen Leistungen in Graz auch in diesen herausfordernden Zeiten ausnahmslos zur Verfügung stehen.

Nichts wird mehr so sein wie zuvor, hört man öfter. Ich denke, es wird wahrscheinlich wohl eher so sein, dass künftig manches anders und nicht mehr ganz so selbstverständlich sein wird. Bleiben wir realistisch und denken wir zugleich optimistisch! CORONA ist für uns eine Herausforderung, wie wir sie wohl seit mehr als 70 Jahren nicht gekannt haben. Aber, „wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch,“ heißt es in einem Gedicht von Friedrich Hölderlin. Ich lese diese Hoffnung gebenden Zeilen auch als Auftrag an uns alle. Nehmen wir unsere tagtäglich gelebte Disziplin, Solidarität und Bereitschaft zur Verantwortung mit in die Zeit danach. Mit diesen Erfahrungen werden wir nicht nur den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, sondern auch andere große Herausforderungen, wie beispielsweise den Klimawandel, bewältigen.

Ich danke für Ihren Zusammenhalt und blicke schon heute optimistisch in eine gute gemeinsame Zukunft.

Ihr Bürgermeister Siegfried Nagl

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