Analyse
Wie die Kommunikation in der Pandemie versagt hat

Die Pandemie als Politik-Event: Laut Kommunikationsprofi Martin Zechner der komplett falsche Zugang.
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Der steirische Krisenkommunikator Martin Zechner analysiert die Kommunikation in der Corona-Zeit: Was geklappt, was schief gegangen ist, was wir lernen können.

STEIERMARK. Er hat im Laufe seiner 25-jährigen Berufslaufbahn schon einiges erlebt, er hat bei mehr als 300 Krisen- und Risikoprojekten im In- und Ausland mitgewirkt. Die Rede ist vom steirischen Krisenkommunikator Martin Zechner. MeinBezirk.at hat mit ihm über die politische Kommunikation im Laufe der mittlerweile mehr als zwei Coronajahre gesprochen.

Den schlimmsten Fehler stellt Zechner voran. Die Pandemie bezeichne man im Fachjargon als "besondere Lage".  "Da gelten bestimmte Basisregeln. Und die gelten so lange bis die Pandemie vorbei ist." Erst wenn es wirklich vorbei sei, könne man diese Basisregeln ändern. Die Maskenpflicht ist ein solches Beispiel, eine Basisregel, die man zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschaffen hätte dürfen.

In der Kommunikation die Bevölkerung "vergessen"

Viel Positives ist insgesamt nicht geblieben, gerade einmal der Start – die Phase der Solidarität, des Slogans "Gemeinsam schaffen wird das" – darf als geglückt bezeichnet werden. "Das ist ein Aspekt der Kommunikation, der in Folge sträflich vernachlässigt wurde", erläutert Zechner. Denn: "Die Bevölkerung muss Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Nur so fördert man die Resilienz der Menschen."

Dies sei überhaupt über die Zeit ein falscher Zugang der politisch Verantwortlichen gewesen: "Die Kommunikation war immer problem-, nie lösungsorientiert." Und: "Alle Botschaften waren und sind politisch, die Pandemie war ein politischer Event. Krisen erfordern aber Sachlichkeit", hält Zechner klar fest. Deswegen hält er auch die Zusammensetzung der Corona-Kommission "Gecko" für fatal: "Undenkbar, dass in einem solchen Gremium Interessenvertretungen eingebunden sind, das verstößt gegen alle internationalen Standards." Last, but not least: "Die Kommunikationspolitik auf Ebene der Städte und Gemeinden war ein Totalversagen. Dort hat man wichtige Potenziale ungenützt gelassen." Denn das Vertrauen in die Kommunalpolitik sei traditionell höher als jenes in Landes- oder Bundespolitik."

Bevölkerung ist nicht mehr erreichbar

Die Conclusio von Martin Zechner ist eine niederschmetternde, im Thema Corona geht gar nichts mehr : "Alle kommunikativen Maßnahmen sind ausgereizt, die Bevölkerung ist für die Politik nicht mehr erreichbar. Wir können nur hoffen, dass die nächste Welle im Herbst nicht zu schlimm wird." Er würde jedenfalls dringend anraten, dass man für die Zukunft und mögliche andere Krisenszenarien neue Managementstrukturen installiert und interdisziplinäre Einrichtungen aus Psychologie, Katastrophenschutz und Kommunikation schafft.

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