Business Lunch
Er ist der Draht zum fernen Osten – Business Lunch mit Wan Jie Chen

Hier passt alles: Chef des Hauses Philipp Florian (l.) servierte Martina Maros-Goller und Wan Jie Chen feinste Speisen im "Florian".
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Konfuzius-Institut-Leiter Wan Jie Chen ist federführend bei steirisch-chinesischen Kooperationen.

Die Biographie von Wan Jie Chen liest sich wie ein Hollywood-Blockbuster. Vom Spitzensportler in China zum Studenten ohne Sprachkenntnisse und finanzielle Mittel in Graz. Nach seinem Studium und drei China-Restaurants, ist Chen nun Leiter des Konfuzius-Instituts an der Universität Graz und Organisator des vierten China-Forums, das gerade stattfindet. Zudem zieht er die Fäden bei steirischen Kooperationen mit China in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Tourismus und Kultur.

WOCHE: Beim China-Forum tagen rund 600 Vertreter. Dabei steht der Dialog zwischen Ost und West im Fokus. Macht Sie das stolz?
Wan Jie Chen: Es ist ein großartiges Gefühl, dass sich das China-Forum so etabliert hat. Beide Länder können viel voneinander lernen und wir kooperieren bereits in vielen Feldern und die Teilnehmer werden immer mehr und hochrangiger. Allein zwölf Delegationen kommen aus China.

Hätten Sie sich gedacht, dass Sie der einflussreichste Chinese in der Steiermark werden?
Nein, gar nicht (lacht). 1986 war ich Spitzensportler und studierte Sportwissenschaften als mein Professor Günter Bernhard zu Besuch in China war und mich fragte, ob ich in Graz weiterstudieren wollte. Ich nickte höflich, wie wir Chinesen das eben tun, und rechnete aber nicht damit. Drei Monate später kam meine Aufenthaltsgenehmigung und danach musste ich zuerst schauen, wo Österreich liegt und feststellen, dass es nicht Australien war (lacht).

Der Anfang in Österreich war alles andere als einfach, oder?
In der Tat, ich hatte kein Geld und konnte die Sprache nicht. Ich schlief in der Lagerhalle eines Restaurants und durfte in einer Sporthalle, wo ich Kung Fu unterrichtete, duschen. Nachdem ich die Deutschprüfung geschafft hatte, studierte ich und eröffnete 1988 in Feldbach das erste China-Restaurant.

Warum das?
Weil das 95 Prozent aller Chinesen in der Steiermark machen. Es ist ein sicheres Geschäft und lief auch gut, aber ich wollte etwas anderes machen und Österreich etwas zurückgeben als Dank, dass ich hier studieren durfte, und anderen Chinesen helfen.

Dann kam das Übersetzungsbüro, die Consulting-Firma und die binationale Vernetzung ...

Ja, zunächst habe ich für Chinesen und steirische Firmen in China übersetzt und mich immer mehr der Unternehmensberatung gewidmet. Seit 1996 betreue ich Exporte aus Österreich, Importe aus China sowie die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen und Fachrichtungen zwischen der Steiermark und China.

Was hat sich seither geändert?
Zunächst lag der Schwerpunkt in der Technologie. China war an den steirischen Produkten interessiert und wir haben einige große Kooperationen mit Unternehmen und der Technischen Universität hergestellt. Mittlerweile geht es auch um Know-how und Innovation. Derzeit bin ich gerade dabei das Wissen der Geriatrischen Gesundheitszentren in China zu etablieren, da die Nachfrage in diesem Bereich in China sehr groß ist.

Mit dem Konfuzius-Institut haben Sie vor acht Jahren die Verhältnisse mit China auf ein akademisches Level gehoben.
Wir wollten auf einer interkulturellen Ebene agieren und die Möglichkeit schaffen, Sinologie zu studieren. Wir unterscheiden uns von den anderen Konfuzius-Instituten, da wir auch einen Wirtschaftsschwerpunkt haben und neben Sprachkursen auch Sprachaufenthalte in China anbieten. Weiters organisieren wir Veranstaltungen und tragen so zum besseren Zusammenspiel in Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Wissenschaft bei.

Das ist 
Wan Jie Chen

Geboren am 6. Mai 1963
Im Sternzeichen ist er Stier, im chinesischen hingegen Hase.
Chen studierte Sportwissenschaften und war Staatsmeister im chinesischen Kampfsport.
Der Grazer Professor Günter Bernhard holte ihn 1986 nach Graz.
Dieser war für ihn nicht nur sein Doktorvater, sondern auch darüber hinaus eine Vaterfigur.
1988 eröffnete er das erste China-Restaurant in Feldbach.
Chen promovierte 1998 in Graz Sportwissenschaften und belegte viele Management-, Marketing und Wirtschaftsseminare.
1998 heiratete er seine Eva.
Er wollte jedoch seine Kompetenzen und Sprachkenntnisse nutzen und fing an, für Steirer und Chinesen zu dolmetschen.
Mit einem Dolmetschbüro blieb er selbstständig, 1999 folgte sein Unternehmen "SINOplex".
Chen ist das wichtigste Bindeglied zwischen der steirischen und chinesischen Wirtschaft und begleitet schon seit Klestil alle Bundespräsidenten, Minister und Landespolitiker auf Chinareisen.
Seit 2016 Leiter des Konfuzius-Instituts an der Universität Graz.
Er ist zudem Funktionär in der Wirtschaftskammer.
Rund zehn Mal im Jahr reist er nach China, chinesisches Essen kommt aber nur zwei Mal im Monat auf den Tisch.
Er sieht sich als gefälschter Steirer, der am liebsten Kernöl isst.

Informationen zu 
"SINOplex" und Konfuzius-Institut

Die "SINOplex Handels- und Beratungsgesellschaft m. b. H." wurde 1999 von Wan Jie Chen gegründet.
Die Zentrale in Graz hat fünf Mitarbeiter, das Tochterunternehmen in Shanghai viele weitere.
Hauptaufgabe ist die Beratung, Verbindung und Kooperation zwischen steirischen und chinesischen Unternehmen, Universitäten, medizinischen Einrichtungen und auf politischer Ebene.
Seit 2010 besteht das Konfuzius-Institut, das Wan Jie Chen aufgebaut hat. Seit 2016 ist Chen auch Leiter des Instituts.
Dieses hat zwölf Mitarbeiter und ist auf vielen Gebieten tätig.
Neben akademischer Bildung stehen Veranstaltungen für den kulturellen Austausch im Fokus.
Derzeit findet das vierte China-Forum statt, dessen Initiator und Organisator Chen ist. Bei diesem treffen sich rund 600 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum Austausch in Graz.
Web: sinoplex.eu, konfuzius-institut.uni-graz.at


Gast & Wirtschaft
Restaurant "Florian"

Leonhardstraße 8, 8010 Graz
Öffnungszeiten: Täglich warme Küche von 12 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr, Frühstück von 6.45 bis 10 Uhr, Kaffeehausbetrieb: 6.45 bis 22 Uhr
Telefon: 0316/36 30 0
E-Mail: office@parkhotel-graz.at
Beschreibung: Stil, Eleganz, Tradition: Dies sind die ersten Gedanken, die einem beim Betreten des Restaurants Florian im Parkhotel Graz in den Sinn kommen. Und Romantik. Diese Grazer Institution lädt durch ihr Ambiente zum Verweilen ein, besticht durch ausgezeichnete Küche und hat mit dem Rosengarten einen Geheimtipp in petto.
Das Essen: Mediterrane Küche gab den Ton an: Wan Jie Chen wählte einen gemischten Salat, WOCHE-Redakteurin Martina Maros-Goller und Fotograf Christopher Jörgler entschieden sich für den Büffelmozarella mit Pro-sciutto, Olivenöl und Basilikum.
Die WOCHE meint: Die Räumlichkeiten sind ansprechend, das Service sehr kompetent und sympathisch und die Auswahl wie Qualität der Speisen herausragend. Rundum gelungen!

Hier passt alles: Chef des Hauses Philipp Florian (l.) servierte Martina Maros-Goller und Wan Jie Chen feinste Speisen im "Florian".
Hat die besten Beziehungen zu China: Wan Jie Chen
Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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