Banken vorsichtig optimistisch
Raiffeisen-General Martin Schaller baut auf den Standort Steiermark

Vorsichtig optimistisch: Raiffeisen-General Martin Schaller hofft auf Aufschwung bereits 2021.
  • Vorsichtig optimistisch: Raiffeisen-General Martin Schaller hofft auf Aufschwung bereits 2021.
  • Foto: Raiffeisen Steiermark
  • hochgeladen von Roland Reischl

Der Weltspartag im Oktober, eigentlich ein Fixpunkt im Bankenkalender. Doch in Coronazeiten hält selbst eine solche Institution nicht. Ob das auf die Stimmung drückt, was sonst in der nächsten Zeit auf dem Plan steht und wie er die Entwicklung einschätzt – all das haben wir Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller im großen WOCHE-Interview gefragt.

In Zeiten wie diesen ...
... bewähren sich unsere Raiffeisen-Werte, sie kommen zu einer neuen Blüte. Wir sehen, dass Regionalität und Solidarität den Menschen ganz besonders wichtig sind – sowohl für Menschen als auch für Unternehmen. Damit sorgen wir für die notwendige Nachhaltigkeit. Auch wenn die Nachhaltigkeitsdebatte gerade von Corona überlagert wird.

Geht der Fokus auf andere wichtig Themen gerade verloren?
Ja, ich sehe die Gefahr. Es dreht sich in den Nachrichten alles um Corona, viele andere wichtige Dinge sind weniger präsent. Nachhaltigkeit, aber vor allem auch Wirtschaft und Konjunktur sind derzeit hinter Corona gereiht. Auch finanzielle Fragen spielen eine große Rolle, in einer Zeit wo einerseits die Zinsen bei Null sind und andererseits in der Bevölkerung Unsicherheit vorherrscht. Deshalb haben wir die Oktober-Gespräche ins Leben gerufen mit dem Ziel, möglichst viele Kundengespräche zu führen. So gesehen ist Corona sogar ein Auslöser für eine positive Idee.

Wie hat sich das Bankgeschäft verändert?
Was sich dramatisch verändert hat, sind die Bargeld-Transaktionen an den Schaltern, diese sind im Vergleich zum Online-Bankung noch einmal rapide zurück gegangen. Wir erreichen jetzt auch Bevölkerungsgruppen, die wir zuvor digital nicht erreicht haben, vor allem eine ältere Zielgruppe ist es, die umgestellt hat. Wir bieten da auch Digitalcoaches in den Filialen zur Unterstützung an.
Das Beratungsgeschäft ist aber nicht weniger geworden, persönliche Beratung hat aus unserer Sicht jedenfalls Zukunft. Wir müssen uns nur an die Regeln halten, das ist ja nicht so schwierig.

Wie reagieren die Kunden auf die Lage? Sollte man jetzt Gold bunkern?
Solche Sitautionen fördern auch immer ein wenig Irrationalität im Verhalten. Ja, es gibt derzeit einen Boom im Goldankauf. Aus meiner Sicht ist es als Teil der Anlage mit rund 10 Prozent denkbar. Ich würde aber davon abraten, sein ganzes Vermögen in Gold zu investieren, der Goldpreis ist sehr unvorhersehbar.

Was sollte der Privatkunde also tun?
Es gilt für mich die Veranlagungspyramide. Trotz sehr niedriger Zinsen fängt diese beim Sparbuch an, als Notgroschen. Auch der Bausparer ist ein Evergreen. Dann sollte man sehr wohl, je nach Veranlagungshorizont und Risikobereitschaft, auf Produkte wie zum Beispiel unsere Nachhaltigkeitsfonds setzen, am besten in Form von Ansparplänen.

Wo stehen die Chancen derzeit gut?

Langfristig sind das sicherlich die Bereiche High-Tech und Digitalisierung. Einen Teil könnte man auch in Immobilien investieren, da darf man sich zwar aktuell keine großen Wertsteigerungen erwarten, auf Sicht ist dieser Markt aber schon attraktiv.

Zinssteigerungen sind nicht in Sicht?
Leider nicht.

Was passiert, wenn Niedringzins-Politik auf Wirtschaftskrise trifft?
Ich bin prinzipiell Optimist, wir werden uns davon wieder erholen. Für den privaten Anleger ist es aber schon schwierig, seine Werte zu erhalten.

Wie steht es um die Investitionsbereitschaft der Unternehmer?
Die Investitionsprämie des Bundes ist sehr hilfreich, die kommt in der Wirtschaft an. Ansonsten sind die Unternehmer schon vorsichtig, weil der Planungshorizont unsicher ist. Allerdings: Wir hatten im Raiffeisen-Landesbank im ersten Halbjahr ein Kreditwachstum von 4 Prozent. Das wird sich halt nicht über das ganze Jahr fortsetzen, aber es gibt Nachfrage. Auf der anderen Seite waren wir auch das erste Bankinstitut in Österreich, dass den Unternehmern mit Stundungen entgegengekommen ist, das wissen die Firmen schon zu schätzen.

Wie wird 2021 werden?
Ich bin nicht blind optimistisch, aber zuversichtlich. Derzeit wird aus meiner Sicht den Pessimisten zu viel Raum gegeben. 2021 wird sicherlich schwierig, wir werden zwei Dinge sehen: Erstens, dass es für das eine oder andere Unternehmen eng wird. Aber wir werden auch bei vielen Unternehmen sehen, dass sie gestärkt aus der Krise herausgehen. Dementsprechend wird es 2021 auch schon wieder Wachstumsraten geben. 

Der steirische Standort hat die Voraussetzungen dafür?
Absolut. Gerade durch unsere starken Mittelständler, die technologisch gut aufgestellt sind. Wichtig ist es halt, dass die Exportmärkte wieder aufgehen. Wir sind halt keine Insel, wir sind sehr exportorientiert. Da ist die Politik gefragt, Rahmenbedingungen zu schaffen, an den Unternehmen wird es nicht scheitern.

Was hat die Raiffeisen-Landesbank 2021 vor?
Die Fusion mit der Hypo Steiermark steht bevor, im zweiten Quartal wird es soweit sein. Das größte Kapital, dass wir hier haben sind unsere Mitarbeiter, sowohl in der Hypo als auch bei der Raiffeisen Landesbank, der Übergang wird sehr gut funktionieren. Es wird ein gutes Filialnetz geben.

Veränderungen gab es auch im Vorstandsbereich ...
Ja, wir haben den Vorstand auf auf vier Personen erweitert. Die Fusion mit der Hypo ist ein Grund dafür, aber nicht der einzige. Es geht aber auch darum, dass wir ein neues Vorstandsressort bilden, das wir in der Form noch gar nicht hatten, da geht es um Transformation: Wir müssen das Bankgeschäft zum Teil neu denken. In der Digitalisierung sind wir mittendrinnen, Automatisierung, Robotics, Analytics und vieles mehr, all diesen Herausforderungen wollen und werden wir uns stellen. Ein wichtiges Signal auf das ich stolz bin: Es sind zwei jüngere Führungskräfte neu im Vorstand, die aus dem eigenen Haus kommen.

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