Und am Anfang war das Schnitzel: Businesslunch mit Gerhard Stangl von den "3 Goldenen Kugeln"

Wer über Gastronomie spricht, muss auch essen: G. Stangl (r.) und Redakteur C. Hofer speisten in Ferl's Weinstube.
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  • Wer über Gastronomie spricht, muss auch essen: G. Stangl (r.) und Redakteur C. Hofer speisten in Ferl's Weinstube.
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Sie sind aus dem Grazer Stadtbild nicht mehr wegzudenken: Seit über 20 Jahren stehen die "3 Goldenen Kugeln" für Schnitzel, Cordon Bleu, Sportübertragungen und gemütliche Wirtshausatmosphäre. Im WOCHE-Interview spricht der Mann hinter den Kugeln, Gerhard Stangl, über sein Familienunternehmen.

WOCHE: Dass Sie heute ein Gastro-Imperium mit 20 Filialen führen, war vor Jahren nicht absehbar. Wie hat alles begonnen?
Gerhard Stangl: Ich war Zeit meines Lebens selbstständig. Schon im Alter von 22 Jahren habe ich mit meiner Frau ein Textilgeschäft aufgemacht und danach unter anderem eine der größten Videotheken geführt.

Der Schwenk in den Gastronomie-Bereich war dann Zufall?
Meine Gattin Gabriele und ich waren früher oft in der Heinrichstraße im Lokal ,Zu den 3 goldenen Kugeln' essen. Im Jahr 1995 schließlich suchte der Besitzer einen Nachfolger. Per Handschlag haben wir die Kugeln gekauft. So wurden wir praktisch über Nacht zu Gastronomen.

Damals wie heute legendär sind Wienerschnitzel, Cordon Bleu und Co. Warum sind die Klassiker so beliebt?
Die beiden Speisen waren der Grundstein, auf dem wir das heutige Unternehmen mit 250 Mitarbeitern gebaut haben. Es war anfangs nicht einfach, in einem 40 Quadratmeter großen Lokal alles schnell zuzubereiten. Die Leute haben uns die Tür eingerannt. Warum ein Schnitzel heute noch beliebt ist? Weil man sich nach einem Urlaub in anderen Ländern, wo es eine vergleichbare Speise nicht gibt, einfach darauf freut.

Das Speisenangebot hat sich ebenso wie das Filialnetz kontinuierlich erweitert ...
Vieles hat sich einfach so ergeben. Wir haben aber immer viel ausprobiert, neue Konzepte erstellt und hatten dann glücklicherweise auch Erfolg. Dieses Gespür für Innovationen begleitet uns seit dem Beginn, ein gewisses unternehmerisches Risiko muss man eingehen, um etwas zu bewegen.

Würden Sie sich als Systemgastronom bezeichnen?
Mittlerweile sind wir allein von der Größe her in der Systemgastronomie angekommen. Die große Kunst besteht aber darin, Wirtshaus-Speisen schnell und frisch zuzubereiten. Es muss vor allem gut schmecken. Hier schmeckt es auch gut, ich freue mich aber immer noch, wenn ich bei uns Schnitzel oder Cordon Bleu esse.

Welchen Stellenwert hat dabei die Qualität?
Qualität ist das absolut Wichtigste. Wir setzen auf Produkte aus Österreich. Mir ist auch sehr wichtig, die Lieferanten zu kennen. Wir versuchen darüber hinaus, die Produkte ständig zu verbessern und zu verfeinern. Beim Schnitzel verwenden wir beispielsweise seit Jahren frische Milch für die Panier von unseren Bauern.

Neben den Kugeln entstanden auch Granola- sowie Crazy Dog-Filialen. Wollten Sie andere Kundengruppen ansprechen?
Auf jeden Fall. Mit einem großen Burger-Angebot im Granola waren wir damals Vorreiter, heute verkauft beinahe jeder Burger. Auch die Speisen im Crazy Dog sind speziell: Um die kanadische Nationalspeise Poutine kennenzulernen, bin ich extra nach Kanada geflogen, danach haben wir sie eingeführt. Nur wer seine Produkte kennt, kann sie auch vertreiben.

Trotz der Unternehmensgröße sind Sie ein reiner Familienbetrieb. Wie funktioniert das?

Ohne meine Gattin Gabriele würde einfach nichts klappen. Dass meine Kinder Dominik, Nina und Antonia im Geschäft mitarbeiten, freut mich sehr. Wir ziehen alle an einem Strang.

Das ist Gerhard Stangl

Geboren ist Stangl in Lebring.
Machte sich bereits in jungen Jahren selbstständig. "Ich hatte noch nie in meinem Leben ein Dienstverhältnis."
Zunächst war Stangl im Modebereich tätig und führte im Anschluss mit seiner Frau Gabriele auch eine Videothek.
Die Geschichte der Goldenen Kugeln begann dann im Jahr 1995.
Neben seiner Gattin sind auch seine Kinder Dominik, Nina und Antonia im Familienbetrieb tätig. "Es ist bereits gute Tradition, dass wir zumindest einmal im Monat gemeinsam essen gehen. Auch Urlaube machen wir zusammen, wenn es sich ausgeht.
Zeit seines Lebens konnte er sich auf sein unternehmerisches Gespür verlassen. "Man muss gewisse Dinge einfach ausprobieren. Schön, wenn man dann sieht, dass es den Leuten gefällt."
Das perfekte Schnitzel muss für Stangl eine krosse Panier haben. "Sie muss sich wellen. Dazu muss das Fleisch frisch sein. Nur dann schmeckt das Schnitzel wirklich so, wie es sich gehört. Nur was einem selbst schmeckt, will man auch für seine Gäste."
Seine absolute Lieblingsspeise ist aber das Cordon Bleu in den Kugeln. "Wenn man beispielsweise von einer Auslandsreise zurückkommt, gibt es nichts Besseres."
Die Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie. "Viel Zeit bleibt sonst nicht. Unser Hobby ist ganz einfach unser Unternehmen. Wir leben alle für die Firma."

Infos zu Kugeln, Granola und Co.

Die Geschichte der Goldenen Kugeln beginnt im Jahr 1995, als Gerhard und Gabriele Stangl ein kleines Lokal in der Heinrichstraße übernahmen.
Die zweite Filiale eröffnen die beiden rund vier Jahre später in der Nähe vom Hauptbahnhof, ehe 2002 die Griesplatz-Filiale, die heute noch als Firmensitz dient, aufsperrt.
In den Folgejahren wird das Gastronomie-Imperium immer größer, dazu werden die Lokale Granola und Crazy Dog mit weiteren Filialen aus der Taufe gehoben.
Heute gibt es in Summe 20 Filialen in mehreren Bundesländern, die zum Teil von Franchisepartnern geführt werden.
Neben Gerhard und Gabriela arbeiten auch die Kinder Dominik, Nina und Antonia Stangl im Familienbetrieb mit.
Die Lokale im Web: http://www.3goldenekugeln.at/, https://www.granola-company.at/, http://www.thecrazydogs.at/

Gast & Wirtschaft: Ferl's Weinstube bei Karli Pichlmaier

Adresse: Burggasse 10, 8010 Graz
Web: http://www.ferls-weinstube.at/
Telefon: 0316/84 02 33
E-Mail: info@ferls-weinstube.at
Beschreibung: Als Spross vom Grazer Haubenpionier Karl Pichlmaier wurde Sohn Karli die Liebe zur Kulinarik wohl in die Wiege gelegt. Nach Stationen in Wien, Tirol und Kärnten ereilte ihn vor mehr als drei Jahren wieder der Ruf seiner Heimatstadt. Heute kredenzt er in Ferl's Weinstube Gastro-Klassiker und Wirtshaus-Snacks, welche die Gäste in gemütlicher Beisl-Atmosphäre genießen.
Das Essen: Gerhard Stangl ließ sich den Backhendlsalat mit Kernöl schmecken, Redakteur Christoph Hofer wählte als Vorspeise eine Fleischstrudelsuppe und als Hauptgang das legendäre Rindsgulasch. Im Anschluss gabs köstlichen Kaffee von Barista's.
Die WOCHE meint: Es ist kein Wunder, dass das Lokal zu Mittag voll ist: Die Speisen sind vorzüglich, das Service außerordentlich freundlich. Pichlmaier und sein Team verstehen es, klassische Gerichte auf hohem Niveau auf den Tisch zu zaubern.

Wer über Gastronomie spricht, muss auch essen: G. Stangl (r.) und Redakteur C. Hofer speisten in Ferl's Weinstube.
Die Kugeln sind das Lebenswerk von Gerhard Stangl.

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