30.05.2017, 22:37 Uhr

Die STERN-THALER - kann Laientheater schöner sein?

Schlussvorhang bei der Aufführung von "Wer nicht hören will, muss fühlen" 2017 (Foto: Stern-Thaler Laientheater)
In Thal bei Graz gibt es eine Laientheatergruppe, die sich "Stern-Thaler" nennt. Seit etlichen Jahren erfreut die Gruppe ihr Publikum mit Theaterabenden, die aus dem Alltagsstress entführen und Fröhlichkeit und gute Laune verbreiten.
Doch wie fand die Gruppe zusammen? Und welche Vorbereitungen sind nötig, bis sie auf der Bühne stehen und den begeisterten Applaus ihres Publikums entgegennehmen können?
Anneliese Dobida, Obmannstellvertreterin, Regisseuse, Visagistin und selbst Laienschauspielerin, ließ mich ein wenig hinter die Kulissen blicken.

Wie sind die Stern-Thaler entstanden?

Als ich nach Thal zog, kannte ich noch sehr wenige Leute. Ich fand es von Anfang an schade, dass es dort keine Theatergruppe gab, aber erst nach der Geburt meines zweiten Kindes kam Schwung in die Sache. Mit einigen Leuten war ich beim Skifahren auf der Hebalpe. Ich erinnere mich noch gut, wie wir mit dem Sessellift fuhren und ich fragte: habt ihr nicht Lust, Theater zu spielen? Ein paar waren spontan dabei, Partner und Freunde kamen dazu - und schon hatten wir eine Theatergruppe!

Und wie ist es losgegangen?

Wir trafen uns dann im Frühsommer und jeder zahlte 50 € in eine gemeinsame Kasse ein, um etwas kaufen und die Kulissen bauen zu können. Das Theaterstück hatte ich zufällig im Internet gefunden: die Rollen wurden vergeben und wir besprachen, wer für welche anderen Aufgaben zuständig war.
Bei der ersten Aufführung waren wir alle furchtbar aufgeregt, aber das Stück war ein großer Erfolg und das ermutigte uns weiterzumachen.
Anfangs spielten wir nur vor den Thalern, aber mittlerweile haben wir auch Zuschauer, die von weiter her kommen. Das freut uns natürlich sehr!

Was war damals euer erstes Stück?

"Sei doch nicht so dumm" von Ulla Kling.

Wer sucht die Stücke aus?

Vorwiegend Heli Pfeifer. Er liest viele Stücke, genauso wie ich. Anhand der Darsteller fällt dann die endgültige Entscheidung für ein Stück. Wichtig ist natürlich, wie viele Damen und Herren mitspielen wollen und wer für welche Rolle in Frage kommt.

Welche Art von Stücken wählt ihr aus?

Nur lustige! Meistens sind es Verwechslungskomödien "à la Löwinger".

Sind alle immer mit den Rollen zufrieden, die ihnen zugeteilt werden?

Jeder von uns war schon mindestens ein Mal unglücklich mit seiner Rolle, aber gerade da zeigt sich oft, wie jemand über sich hinauswächst, wenn er an einer Rolle arbeitet, die ihm eigentlich nicht "auf den Leib geschrieben" ist. Ich bin sehr dankbar, dass die DarstellerInnen das immer angenommen haben und die Ergebnisse oft so schön waren.

Spielst du selbst auch mit?

Ja, aber nur kleine Rollen, da ich auch Regie führe (zusammen mit H.Pfeifer), die Maske mache und die Ansprache zu Beginn halte.
Dieses Jahr spielte ich eine Rolle, in der ich gelispelt habe: diese Idee entstand bei einem Buschenschankbesuch und hat mir dann bei der Umsetzung großen Spaß bereitet.

Hast du auch schon früher Theater gespielt?

In Straden, wo ich früher wohnte, gab es einen Trachtenverein, der auch Laientheateraufführungen veranstaltete. Als ich so ca. 16 oder 17 Jahre alt war, wurde ich gefragt, ob ich mitspielen möchte. Das waren meine ersten Theatererfahrungen. Ich blieb damals ein paar Jahre lang bei dieser Theatergruppe dabei.

Habt ihr Stern-Thaler das Theaterspielen gelernt?

Nein, wir sind wirklich Laien. Uns verbindet die Lust am Spielen. Wir wollten in Thal etwas bewegen und den Menschen die Möglichkeit geben, den Alltag für einen Abend lang vergessen zu können. Wenn die Zuschauer lachen und Spaß haben, dann ist das unser schönstes Geschenk.

Wie kam es zu dem Namen "Stern-Thaler"?

Wir sind alle aus Thal und wohnen dort verstreut wie Sterne, treffen uns aber in der Mitte. So enststand der Name "Stern-Thaler". Uns gibt es seit 2003.

Wie lange probt ihr?

Es gibt ca. 25 Proben, alle finden in unserer Freizeit statt. Das bedeutet, dass wir in den zwei Monaten vor der Aufführung drei Mal in der Woche von 19-23 h proben.

Wo finden eure Proben und dann die Aufführungen statt?

Die ersten Proben fanden damals in einem Keller statt. Das war sehr schwierig, weil wir uns alles vorstellen mussten. Dann durften wir in einem Altbau beim Thalersee proben, wo wir eine Probebühne aufbauen konnten.
Seit ein paar Jahren haben wir jetzt eine Probebühne in einem privaten Keller, wo wir die Kulissen aufstellen können.
Die Aufführungen finden nun in der landwirtschaftlichen Fachschule in Grottenhof-Hardt statt, wo wir den Tunrsaal mieten können.

Baut ihr die Kulissen selbst?

Ja, wir haben Rahmen mit Hartfaserplatten machen lassen, die jedes Jahr adaptiert werden, also z.B. neu gestrichen oder mit Fenstern versehen.
Wir bauen auch die Bühne selbst auf, d.h. vom Podium über die Wände und die Möbel. Es gibt nichts, was wir bei den Aufführungen nicht selbst machen. Das ist wirklich viel Arbeit, aber durch die Begeisterung des Publikums werden wir darin bestärkt, es jedes Jahr neu anzupacken.

Welche Beleuchtungstechnik verwendet ihr?

Am Anfang hatten wir einfache Bauscheinwerfer, dann borgten wir uns vom Musikverein Licht aus. Mittlerweile haben wir uns selbst Beleuchtungkörper gekauft, aber wir sind noch am Tüfteln, um das zu optimieren und nicht zu viel von der Mimik zu verlieren.

Und wie sieht es mit den Kostümen aus?

Auch diese suchen wir selbst aus. Manchmal findet man etwas am Flohmarkt, manchmal hat man etwas Passendes zu Hause. Die Kostüme entstehen so nach und nach während der Proben.

Welche Berufe übt ihr denn abseits des Theaters aus?

Versicherungsangestellte, Gemeindebedienstete, Buchhalter, OP-Gehilfin, ÖBB-Angestellter, Selbständiger, Abteilungsleiter, Kindergartenhelferin - die Berufe sind wirklich bunt gemischt!
Die Mitglieder unseres Vereins kann man HIERkennenlernen.

Was ist euch bei den Proben und Aufführungen wichtig?

Der Zusammenhalt untereinander ist wichtig und auch sehr schön für uns.Der Respekt im Umgang miteinander ist die Grundlage dafür, dass unsere Theatergruppe "funktioniert".
Nur gemeinsam können wir die Theaterstücke gut spielen und alles im Umfeld organisieren.

Und wie erlebt ihr die letzten Momente, bevor der Vorhang sich hebt?

Wir haben ein bestimmtes Ritual, das wir brauchen. Jeder bekommt hinter der Bühne ein kleines Stamperl zu trinken. Und wir Frauen stellen uns hinter der Bühne im Kreis auf und sagen "Om", um unsere Nerven zu beruhigen. Dann rufen wir unseren "Energizer". "He Sterne, he Sterne, ho!"
So sind wir bereit für die Aufführungen - und auch für die Zukunft unseres Laientheaters!


Weitere Informationen findet man auf der Homepage: www.stern-thaler.at
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