04.09.2014, 14:39 Uhr

Das Leben ist ein Zirkus!

Zwischen Wohnwagen und Manege: Die Artistin Ilona Knie über das Leben als Zirkus-Familie und die Tournee mit ihrem Mann und drei Kindern.

Wo schlafen Sie, wenn Sie nun mit dem Zirkus auf Tournee sind?
Natürlich im Wohnwagen! Er ist acht mal 15 Meter groß, hat ein Schlafzimmer, eine Küche... Das ist unser Zuhause für zehn Monate im Jahr. Zwei Monate im Winter sind wir in unserem Haus bei Prag.

In welchen Ländern sind Sie mit Ihrem fahrbaren Zuhause und dem Zirkuszelt unterwegs?
Oft in Österreich, Deutschland, Holland, Frankreich, Tschechien. Meist sind wir nur eine Woche an einem Ort. Um alles aufzubauen brauchen wir aber gut zwei Tage (lacht). In Graz bleiben wir nun aber einen Monat, weil es hier ein besonders tolles Publikum gibt.

Viele Leute würden so ein Leben als beschwerlich bezeichnen. Warum tun Sie sich das an?
Ich liebe es einfach! Und man kann es nur machen, wenn man es liebt. Außerdem kenne ich ja nichts anderes: Ich selbst bin im Zirkus meines Vaters in Tschechien aufgewachsen. Wenn wir nun im Winter Pause machen, geht mir der Betrieb schon nach ein, zwei Wochen total ab.

Was vermissen Sie dann besonders?
Die Tiere, den Geruch der Sägespäne und natürlich die Auftritte zwei Mal am Tag. Da ist jedes Mal eine große Menge Adrenalin im Spiel, denn keine Vorstellung ist gleich. Wenn man dann in der Manege steht und die Zuschauer klatschen, ist das wunderbar!

Wann ist das Zirkusleben anstrengend?
Wenn das Wetter schlecht ist und es regnet!

Sie selbst sind Im Zirkus aufgewachsen: Wann haben Sie Ihre ersten Kunststücke gezeigt?
Mit sechs Jahren habe ich zu trainieren begonnen, mit neun bin ich dann mit Trapeznummern aufgetreten. Oft habe ich acht Stunden am Tag trainiert.

Wie sind Sie zur Schule gegangen?
Wir hatten einen Privatlehrer mit.

Funktioniert das nun auch so bei Ihren Kindern?
Ja, meine zwei Kinder aus meiner vorherigen Beziehung sind mit uns unterwegs: Die Große ist 13 Jahre und trainiert eine Pferde-Nummer und der 8-Jährige übt auch, um Artist zu werden. Und gemeinsam mit meinem Mann habe ich ein zehn Monate altes Baby. Das trainiert noch nicht (lacht), aber es liebt die Musik in der Manege!
Ihren Mann, Louis Knie Jr., der ja auch einer großen Zirkusfamilie entstammt, haben Sie in der Manege kennengelernt? Ja, vor sieben Jahren wurde ich als Artistin engagiert und bei unserer Tournee durch Österreich haben wir uns verliebt.

Wie gelingt der Patchwork-Familien-Zirkus-Alltag, wenn man auf so engem Raum zusammen unterwegs ist?
Man muss sich gegenseitig Raum geben. Zum Beispiel während des Tages erledigt jeder seine Aufgaben. Das Schöne ist: Als Familie können wir so auch viel Zeit miteinander verbringen.

Würden Sie sich als emanzipierte Frau bezeichnen?
Natürlich! Ich setze mich für meine Ziele ein. Und ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen. Das war nicht immer so, aber man lernt, dass man an sich glauben muss. Nur deshalb stehe ich dort, wo ich bin.

Machen Sie sich Sorgen, wenn Ihre Tochter etwa mit den Pferden trainiert?

Ja, natürlich! Ich weiß ja, was passieren kann, aber ich liebe diese Arbeit eben auch.

Haben Sie sich je verletzt? Zum Glück nie schwerer. Ich bin aber drei Mal vom Trapez gestürzt, einmal aus neun Metern auf den Boden und habe nur einige Beulen bekommen.

Bei Ihnen im Zirkus gibt es nicht nur Pferde sondern auch Kamele. Oft wird kritisiert, dass die Tiere im Zirkus nicht artgerecht leben.
Ja, das Problem gibt es. Bei uns kann man sich aber umsehen: Die Tiere haben viel Auslauf und wir pflegen sie sehr gut – wir lieben unsere Tiere ja!

Was sind nun die spektakulärsten Nummern die Sie zeigen?
Mit dem Trapez habe ich aufgehört. Das ist mir als Mutter zu riskant. Ich zeige einige Nummern mit Pferden, wie die „Spanische Kutsche“, bei der ich auf den Tieren stehe. Und ich zeige auch eine Zauber-Nummer, bei der ich mich etwa aus einer Kiste weg- und wieder herzaubere.

Dem Zirkus haftet oft ein nostal-gisches Flair aus vergangenen Tagen an. Hat der Zirkus Zukunft?
Ja, sicher! Man muss klassische und neue Elemente kombinieren. Bei uns gibt es etwa moderne Samba-Tanzeinlagen genauso wie klassischen Seiltanz – das ist ja eines der ältesten Kunststücke, das die Menschen auch heute noch lieben.


ILONA KNIE
- geb. am 23.4. 1981 in Prag
- Sie leitet den Zirkus Louis Knie Jr. mit ihrem Mann Louis Knie Junior
- Der Zirkus gastiert bis 14. 9. in Graz neben der Brauerei Puntigam.
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