21.10.2014, 11:44 Uhr

Eine Frau zwischen den Welten

Edith Hornig über ihren Einstieg in der Kaffee-Dynastie ihres Mannes, ihre Aufgabe als Honorarkonsulin und ihr Tagebuch.

Aus dem Kaffeeunternehmen Hornig haben Sie sich ja zurückgezogen. Nun sind Sie etwa als Honorarkonsulin für Sri Lanka aktiv. Was machen Sie dabei eigentlich?
Eine meiner Aufgaben ist es, für gute Beziehungen zu Sri Lanka zu sorgen. Ich unterstütze die Menschen vor Ort etwa, indem ich Charity-Events für Künstler organisiere oder durch ein Projekt, das den Englisch-Unterricht für Kinder fördert.

Was sind die größten Probleme vor Ort?
Viele Menschen leiden an den Folgen des Tsunami vor zehn Jahren, auch der Bürgerkrieg hat das Land gezeichnet.

Warum gerade Sri Lanka?
Mein Bezug zu dem Land ist durch die Firma Hornig entstanden und zwar durch den Vertrieb von Ceylon-Tee aus Sri Lanka.

Wie erleben Sie den Bruch in den Lebenswelten, wenn Sie von Sri Lanka in Ihr Leben in Graz zurückkehren?
Dabei lernt man vor allem: Demut. Es wird einem bewusst, auf welch hohen Standards wir uns hier tummeln. Vor allem, wenn man sieht, welche Freude, die Menschen dort ausstrahlen. Ich bin in der glücklichen Lage, dass es mir gut geht und dass ich etwas geben kann, das weiß ich zu schätzen. Das Wort „Gelassenheit“ muss übrigens in Sri Lanka erfunden worden sein – das liegt vielleicht auch am Buddhismus, der die Menschen prägt.

Sind Sie selbst ein gläubiger Mensch?
Ja, sehr. Der katholische Glaube hat mir an Tiefpunkten meines Lebens viel Kraft und Zuversicht gegeben. Ich versuche auch immer auf andere Menschen einzugehen, das war auch im harten Management in der Firma so.

Stichwort „hartes Management“ – führen Frauen anders als Männer?
Frauen tun sich mitunter mit gewissen Dingen leichter, weil es ihnen leichter fällt in sich selbst hineinzuhorchen. Sie entwickeln ein gutes Gespür für sich und andere Menschen.

Sie haben sich intensiv mit sich selbst befasst?
Ja, ich schreibe seit 15 Jahren jeden Abend Tagebuch. Es gibt ja auch Tage, die nicht sonderlich gelungen scheinen – weil vieles schiefgeht – und auch diesen Tagen kann man wichtige Erfahrungen abgewinnen.

Zu Ihrer beruflichen Laufbahn: Sie sind in den Betrieb Ihres Schwiegervaters eingestiegen und haben viele Stationen durchlaufen…
Ich war 29 Jahre und hatte zuvor im Betrieb meiner Eltern, einer Fleischerei, gearbeitet. Bei der Firma Hornig habe ich damit begonnen, Milch ins Regal zu schlichten und bin nach und nach ins Management aufgestiegen – das war mir wichtig, weil ich die Firma gut kennenlernen konnte. Anfangs habe ich nur überlegt, was ich alles nicht kann, bis ich meine Erfolge erlebt habe.

Muss man als Frau mehr Leistung bringen?
Man muss im Leben immer wieder Umwege und Stopp-Tafeln in Kauf nehmen und dennoch seinen Weg gehen.

Wo sehen Sie die Gründe für die Umwege?
Umwege erleben viele Menschen. Es gibt aber andere Faktoren als das Geschlecht, die das Leben stärker beeinflussen – etwa die Ausbildung. Das Leben wird aber am meisten durch das eigene Handeln bestimmt.

Mit welchen Gefühlen betrachten Sie nun die Firma Hornig? Die deutsche Firma Darboven hat den Großteil übernommen, Ihr Sohn ist Geschäftsführer.
Mit Stolz. Es gibt Familienunternehmen, in denen Kinder die Firma nicht übernehmen können oder wollen, bei uns war es möglich. Und mein Sohn macht seine Sache sehr, sehr gut.

In den Medien sind Sie auch immer wieder aufgrund Ihres sozialen Engagements.
Ja, ich bin Schirmherrin des Vereins Rainbows, der Kinder nach der Trennung ihrer Eltern begleitet. Weil öffentliche Gelder weniger werden, ist es wichtig, hier finanzielle Unterstützung aufzustellen. Außerdem bin ich Gründungsmitglied des 55. „Soroptimisten“- Clubs, der nun seine Charterfeier hat und in Graz soziale Projekte umsetzt, etwa für das SOS-Kinderdorf.
Bei diesen Aufgaben kann ich meine Netzwerke gut nutzen.

ZUR PERSON
- Edith Hornig wurde am 27. September 1952 in Graz geboren
- war in der Firma Hornig Ihres Mannes Johannes Hornig etwa in der Geschäftsführung tätig
- Honorarkonsulin für Sri Lanka
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