28.09.2016, 11:05 Uhr

Mit der rosa Schleife

Vorsorgen ist wichtig: Sabine Oswald will mit der "Pink Ribbon"-Initiative auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen und Patientinnen die Angst vor der Mammographie-Untersuchung nehmen. (Foto: Fotostudio Augenblick)

Für die gute Sache: Sabine Oswald hat die erste Grazer "Pink Ribbon Charity Show" organisiert.

Sie sind Fachärztin für Radiologie. Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?
Ich stand vor der Entscheidung, ob ich Psychologie oder Medizin studieren soll und entschied mich für Medizin. Bei der Facharztausbildung begann ich zunächst mit dem Chirurgiefach, wechselte dann aber auf das Fach der Radiologie. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich dieses Fach habe.

Wieso haben Sie sich auf Brustdiagnostik spezialisiert?
Ich habe mich für den Schwerpunkt Mammographie entschieden, da für mich der persönliche Kontakt zu den Patienten im Vordergrund steht. Radiologen haben in der Regel wenig direkten Kontakt zu den Menschen. Meist sehen sie die Bilder von Patient X oder Y und stellen anhand dieser ihren Befund. Da bei der Mammographie fast ausschließlich weibliche Patienten kommen, habe ich auch gemerkt, dass diese es sehr schätzen, wenn sie von einer Frau betreut werden. Die Mammographie ist doch etwas Persönliches und Intimes und da fühlen sich viele wohler, wenn ihnen eine Frau gegenübersteht.

Viele Frauen schieben die Mammographie nach hinten – meist aus Angst. Ist diese begründet?
Eine Mammographie ist zwar unangenehm – da die Brust bei der Untersuchung für eine ganz kurze Zeit komprimiert wird –, ich denke aber, dass bei der Mammographie die Angst vor dem Ergebnis vor allem vorherrschend ist. Denn wenn man beschwerdefrei zu einer Mammographie kommt, kann es sein, dass man mit einer Diagnose geht.

Wieso sollte man dennoch unbedingt zur Mammographie gehen?
Der Nutzen einer Mammographie ist sehr groß. Durch Vorsorgeuntersuchungen kann man rechtzeitig Abnormalitäten erkennen und diese auch frühzeitig behandeln. Die Heilungschancen bei der Diagnose Brustkrebs sind sehr gut, wichtig ist jedoch, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen und danach gezielt zu behandeln. Ohne genetische Vorbelastung sollten Frauen ab 40 Jahren zur Mammographie gehen. Falls es bereits Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie gab, sollte die Untersuchung früher erfolgen. Bei jüngeren Frauen gibt es auch Untersuchungen mittels Ultraschall und Magnetresonanz.

Als Radiologin ist Ihre Arbeit mit der Diagnoseerstellung getan ...
Ja, aber ich lasse meine Patientinnen nicht alleine. Ich betreue sie auch danach, indem ich dafür sorge, dass ihre Behandlung durchorganisiert ist und dass sie ihre Termine nur noch wahrnehmen müssen. Die Suche nach der optimalen Therapie möchte ich ihnen abnehmen, da das eine schwierige Situation ist, in der man Unterstützung benötigt.

Wie empfinden Sie Ihren Job?
Ich sehe meine Arbeit nicht als Arbeit, sondern als Motivation. Natürlich zehren die schwierigen Situationen an mir, wenn ich sehe, dass es Patientinnen nicht gut geht. Diese geben einem aber auch enorm viel zurück. Die positiven Dinge tragen einen und ich begleite die Patientinnen auch bei den Routineuntersuchungen, wenn sie wieder gesund sind – das ist sehr schön.

Sie haben kürzlich mit Erfolg die erste "Pink Ribbon Charity Show" organisiert. Wie kamen Sie auf diese Idee?
"Pink Ribbon" ist die rosa Schleife, die jeder mit Brustkrebs oder Brustkrebsvorsorge in Verbindung bringt und die jeder kennt. Es gibt mehrere "Pink Ribbon"-Initiativen. Mir war es wichtig, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und dadurch Frauen zu motivieren, sich mit dem Thema Brustkrebs auseinanderzusetzen. Es freut mich sehr, dass sich gleich so viele Sponsoren gefunden haben und dass Spenden für die Steirische Krebshilfe gesammelt werden konnten.

Was raten Sie Frauen?
Natürlich, dass alle zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, aber auch, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld schafft man mehr, wenn man den Weg gemeinsam statt alleine geht.

WOCHE WORDRAP
An meinem Job ist mir wichtig, ... ihn nicht als Arbeit, sondern als Motivation zu sehen.
Am liebsten trinke ich ... Rotwein.
Ich fahre gerne nach ... Italien.

STECKBRIEF
Geboren am 20.05.1977
Matura in Klagenfurt
Studium der Medizin in Graz
2014: Eröffnung der Wahlarztordination Brustdiagnostik Oswald
Seit 2014 leitende Oberärztin an der Uni-Klinik für Radiologie Graz
Hobbys: Reisen, gutes Essen, Sport (Ski- und Rennradfahren)
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