19.10.2016, 08:00 Uhr

"Big Data" ist heute sexy

Infos über Informatik: Die Leiterin des "Know-Centers" an der TU wünscht sich eine bessere Lehre in der Schule, um Kinder für Informatik zu begeistern. (Foto: Lunghammer)

Stefanie Lindstaedt vom "Know-Center" erklärt, wie attraktiv Daten sein können.

Seit 2011 leiten Sie das "Know-Center" an der TU Graz. Was genau machen Sie dort?
Unser Ziel ist ein Wissenstransfer. Wir sind das Kompetenzzentrum für Data-driven Business und Big Data Analytics. Wir wollen dafür sorgen, dass die Technologien und das Know-how, welche auf der Uni im wissenschaftlichen Bereich erarbeitet werden, in Firmen gebracht werden. In unserem speziellen Fall geht es um die Verarbeitung von großen Datenmengen.

Gestern und heute findet die "iKnow"-Konferenz in Graz statt, die sich rund ums Thema "Big Data" dreht. Wie wichtig werden Daten und Datenverarbeitung in der Zukunft noch sein?
Wichtig ist, dass nicht alles nur Hacking ist. Informatik hat unheimlich viele Seiten und Möglichkeiten. Man kann sich etwa auf User-Interface-Design spezialisieren – wie schafft man es, dass das iPhone sich so gut verwenden lässt und so toll intuitiv funktioniert –, auf Robotik, oder man geht in Firmen und übersetzt die Anforderungen, die sie haben, in die Technik. Wenn etwa in einem Automobilunternehmen immer wieder kleine Fehler, etwa beim Lackieren, entstehen, dann analysieren Datenanalysten dies. Es geht immer darum, Fehler zu vermeiden oder vorherzusagen.

Laut dem "Harvard Business Review" ist der Job des Datenanalysten der "sexiest job of the 21st century". Würden Sie das unterschreiben?
(Lacht) Ich glaube, damit ist vor allem gemeint, dass es einer der nachgefragtesten Jobs unserer Zeit ist. Sicher auch, weil man relativ schnell gut Geld verdienen kann.

Ihr Forschungszentrum hat mittlerweile 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an der Spitze steht mit Ihnen eine Frau. War es für Sie immer klar, dass Sie einen technischen Beruf wählen?
Ich war auf einer HTL und habe dort Programmieren gelernt. So war ich gut vorbereitet und hatte auch keine Angst, mit einem Informatikstudium zu beginnen. Leider müssen wir immer noch feststellen, dass dies der größte Hindernispunkt für junge Frauen ist, die bei uns an der TU Graz zu studieren beginnen. Hier müssen wir den Einstieg noch erleichtern.

Wie kann das funktionieren?
Man müsste bereits in der Schule zeigen, dass Informatik spannend ist. Ich sehe bei meinen Töchtern, dass der Informatikunterricht keinen Einblick darüber gibt, was mit Informatik eigentlich möglich und wie cool das Berufsfeld ist. Immerhin verwenden wir immer mehr neue Gadgets – das alles ist Informatik.

Werden diese neuen Technologien unsere Arbeitswelt verändern?
Die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine wird sicher neu überdacht. In der industriellen Revolution gab es auch schon Aufstände. Und jetzt ersetzen wir menschliche Arbeit durch Computer. Es wird immer Leute geben, die davon profitieren und andere nicht. Es ist unsere soziale Verantwortung, sich zu überlegen, wie das alles gut funktionieren kann.

Apropos Verantwortung. Sie haben zwei Kinder. Wie lässt sich Familie mit einem Managementjob wie Ihrem vereinen?
Der Arbeitsplatz ist praktisch. Man muss in keine Werkshalle, sondern kann vieles gut von zu Hause aus arbeiten. Also eigentlich hat der Job alle Vorzüge, die ein Job für Frauen hat. Man ist sehr flexibel und kann leicht auch weltweit arbeiten.

Sie haben das ja genutzt und waren lange Zeit in den USA tätig.
Genau, ich habe dort studiert und gearbeitet. Das ist mit Informatik einfach. Wenn ich etwa an Medizin denke, da muss man erst schauen, ob man woanders praktizieren darf. Als Informatiker hat man hier eine unglaubliche Freiheit.

WOCHE-Wordrap
Das Schönste daran, eine Frau zu sein... ist Mutter zu werden.
An meinem Job gefällt mir besonders ...dass man Probleme mit kreativen Ideen immer wieder neu lösen kann.

Steckbrief
Geboren: 22.01.1968, Frankfurt.
Hat Informatik in den USA studiert.
Ist verheiratet und hat zwei Töchter, 13 und 15.
1998–2000: Research Project Manager bei Daimler Chrysler.
Seit 2001 am "Know-Center" tätig, seit 2011 Leiterin.
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