15.03.2017, 08:00 Uhr

Er spielt mit dem Holz: Graz persönlich mit Günther Pail

Seit über zehn Jahren ist die Herstellung von Intarsien zum täglichen Hobby des Wundschuhers Günther Pail geworden. "Jede einzelne Intarsie ist ein Unikat." (Foto: Prontolux)

Mit der Anfertigung von Intarsien lässt der Wundschuher ein altes Holz-Handwerk hochleben.

Was man nicht alles einlegen kann: Geld in die Bank, Gemüse und Obst in der Küche, Pausen während der Arbeitszeit ... Was viele aber nicht (mehr) wissen, auch Holz lässt sich einlegen, und zwar in Form von sogenannten Intarsien. Darunter versteht der Fachmann eine Dekorationstechnik, bei der Verzierungen aus verschiedenfarbigen Holzarten wieder in Holz eingelegt werden.

Furnier-Sammelsurium

Dieses Handwerk beherrschen heute nicht mehr viele, knapp 20 Kilometer südlich von Graz haben Intarsien aber weiterhin einen großen Stellenwert. In Günther Pails Werkstatt hängen zig Holz-Kunstwerke, die Gemälden gleichen. Ganz egal, ob eine riesige Version der Weltkugel, Waldlandschaften oder Reisterrassen: Mit den über 300 unterschiedlichen Furnieren, die Pail verwendet, scheint kein Motiv unmöglich zu sein.

Viel Zeit notwendig

Doch wie kommt man zu dieser einerseits zeitintensiven und andererseits höchst kreativen Arbeit? "Mein Vater hatte eine Tischlerei, im Endeffekt habe ich einen großen Fundus an Holzfurnieren vererbt bekommen, den ich weiter aufgestockt habe."
Die ersten Intarsien hat der Wundschuher bereits vor rund 40 Jahren gemeinsam mit seinem Vater erstellt, "aber erst nach meiner Pensionierung habe ich mich diesem Hobby so richtig gewidmet". Ausreichend Zeit ist auch notwendig, vom Rohentwurf bis zur fertigen Intarsie sind nämlich zahlreiche Arbeitsschritte durchzuführen.

Der Puzzle-Bauer

"Zu Beginn stelle ich mir das Motiv vor. Danach muss ich schauen, ob überhaupt das passende Furnier vorhanden ist", so Pail, der gerade an einem kunstvoll verzierten Weinglas arbeitet.
Gekonnt illustriert er durch das Unterlegen von verschiedenen Hölzern, dass die Furnier-Farbe eine entscheidende Rolle spielt. Nach der Zeichnung eines ersten Entwurfes kopiert er diesen auf ein sogenanntes Blindfurnier, schneidet die einzelnen Motivbereiche aus und ersetzt sie wieder durch die ausgewählten Furniere.
"Ist das Hauptmotiv erstellt, füge ich das vorher ausgesuchte Hintergrundmotiv ein. Abschließend wird die Intarsie auf einen Träger geleimt, geschliffen und lackiert."
Schnell wird klar, dass jede einzelne Intarsie nie der anderen gleichen wird. "Alle Bilder sind Unikate", sagt der Fachmann, der seine Werke bereits bei zahlreichen Ausstellungen präsentiert hat. Das Gespräch neigt sich dem Ende zu, Pail feilt weiter am Weinglas. Zwischen Moor-Eichen, Alaska-Zypressen und weiteren Hölzern gilt es jetzt, die richtige Farbe zu finden. "Die Arbeit ist wie ein Puzzle."

Weitere Infos

Günther Pail ist im Jahr 1945 geboren und lebt in Wundschuh.
Hat nach seiner Pensionierung mit dem Anfertigen von Intarsien begonnen.
Internet: http://www.pail-intarsien.at/


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