26.03.2017, 23:41 Uhr

Prämiere in der Oper Graz, "Der Zwerg" I "Der Gefangene"

Aile Asszonyi (Ghita), Tatjana Miyus (Donna Clara), Aleš Briscein (Der Zwerg), Natalya Ryabova (Erste Zofe), Sonja Šarić (Zweite Zofe), Wilfried Zelinka (Don Estoban), Anna Brull (Dritte Zofe), Statisterie der Oper Graz, Chor der Oper Graz © Werner Kmetitsch
Tage, gefüllt mit Terminen und viel Arbeit zehren schon an meiner Kraft, ich brauche dringend ein paar Stunden "Zeit zur Erholung" und nütze dazu die Prämiere von "DER ZWERG" I "DER GEFANGENE" in der Oper Graz.

Eine gute Idee wie sich zeigt, mit sehr gutem Erholungswert!

"Der Zwerg" ein tragisches Märchen in einem Akt, die Musik kommt von Alexander Zemlinsky, der das Musikgeschehen in Wien, Prag und Berlin zwischen 1890 und 1940 nachhaltig prägte. Der Text stammt von Georg C. Klaren, frei nach Oscar Wildes "Der Geburtstag der Infantin."

Ich lehne mich entspannt zurück, horche den wunderbaren Klängen von unserem Grazer Philharmonische Orchester unter der musikalischen Leitung vom Chefdirigenten Dirk Kaftan und beobachte im Erholungsmodus das Schauspiel auf der Bühne.

Wie am spanischen Königshof der achtzehnte Geburtstag von Prinzessin Clara-die von Tatjana Miyus wunderbar gespielt wird-pompös gefeiert wird. Aus aller Welt treffen wertvolle Geschenke ein: Vom Papst erhält sie eine goldene Rose mit Dornen aus Edelstein, vom König ein Kostüm aus tausend Perlen und vom Kaiser zwei prächtige Pferde. Doch das aufregendste Geschenk ist zugleich das hässlichste, ein Zwerg-dessen Rolle Aleš Briscein wunderschön singt und spielt-der sich selbst als einen strahlenden Ritter sieht und nichts von seinem Äußeren weiß, hat er sich doch noch nie im Spiegel gesehen. Als er die Prinzessin erblickt, verliebt er sich leidenschaftlich in sie. Nicht ahnend, dass er für sie nicht mehr als ein Spielzeug ist, träumt er von einer gemeinsamen Zukunft. Clara treibt das Spiel von Selbst und Fremdwahrnehmung weiter und jagt den Zwerg so Schritt für Schritt in die tödliche Selbsterkenntnis: Er erblickt sich im Spiegel und bricht tot zusammen...

Nach der Pause, das gleiche einfache Bühnenbild, ein Austausch der Schauspieler, nur Aile Asszonyi darf nach der Rolle als Ghita in "Der Zwerg" auch als Mutter in "Der Gefangene" wieder auf die Bühne und wir erleben das nächste Stück.

"Der Gefangene" ein Prolog und Oper von Luigi Dallapiccola mit Text vom Komponisten, nach "La Torture par l’espérance" von Auguste de Villiers de
L’Isle-Adam und "La Légende d’Ulenspiegel et de Lamme Goedzak" von Charles de Coster. Dieses Stück kam zirka 30 Jahre später zum ersten mal auf die Bühne und lies mich weiter im Erholungsmodus Oper-Pur genießen.

Anders als der Zwerg, der innerhalb einer großen Festgesellschaft als Unwissender ausgeschlossen ist, ist der Gefangene, mit Markus Butter hervorragend besetzt, physisch isoliert, alleine im Kerker. Verurteilt von der spanischen Inquisition weiß der Gefangene, dass er sterben wird, und hofft dennoch bis zuletzt auf Rettung. Als der Kerkermeister ihm die Verliestür offen lässt, scheint die Freiheit zum Greifen nah... Dieses Stück führt uns durch die Dunkelheiten der menschlichen Seele, lassen uns mit dem Gefangenen hoffen, bis wir schließlich die Hitze des Scheiterhaufens spüren und erkennen, dass die Hoffnung die schlimmste Folter von allen ist.

Zwei entspannte Stücke, mit wunderschönen Klängen vom großartigen Grazer Philharmonische Orchester unter der Leitung vom Chefdirigenten Dirk Kaftan und den schönen Stimmen von den Darstellern sowie dem Chor der Oper Graz unter der Leitung von Bernhard Schneider.
Zwei Stücke, die es auch erlauben einmal kurz die Augen zu schließen, um sich nur den wunderbaren Klänge hinzugeben.

Die Aufführungen sind noch bis 10. Juni 2017 in der Oper Graz zu sehen.
Tickets und nähere Informationen dazu finden Sie auf: www.oper-graz.com

Ein großes DANKE an den Fotografen © Werner Kmetitsch für die schönen Fotos!
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