05.04.2017, 09:15 Uhr

Von der Liebe zur Heimat: Graz persönlich mit Musiker Thomas David

Ein spontanes Ständchen in Graz: Der Vollblutmusiker Thomas David kommt immer wieder gerne in die Murmetropole, wo er noch viele Freunde aus der Zeit, als er die Caritas-Schule besuchte, hat. (Foto: Prontolux)

Er singt auf Englisch und doch zählt für ihn nur die Heimat: Thomas David im musikalischen Gespräch.

Es liegt Liebe in der Luft an diesem frühlingshaften Nachmittag, wenn Thomas David zur Gitarre greift und seinen neuesten Song im Park unweit des Styria Towers performt. Mit dem Album "to love" kehrt der Vollblutmusiker rund vier Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg nun also wieder zurück ins Rampenlicht. Seit dem Triumph bei der ORF-Show "Die große Chance" ist aber nicht nur viel Wasser die Mur hinuntergeflossen, auch der Mensch Thomas David hat sich seither verändert.

Internationaler Touch

"Ich würde schon sagen, dass ich reifer geworden bin. Die Lieder auf dem ersten Album habe ich teilweise mit 19, 20 Jahren geschrieben. Jetzt liegt da eine ganz andere Message zugrunde", sagt der mittlerweile 32-Jährige, der einige der neuen Songs in London im Beisein von international geschätzten Größen aufgenommen hat.
"Im Studio war da etwa Oscar-Preisträger Sam Smith, der mit der ganzen Studio-Clique inklusive mir im Pub daneben ganz gemütlich ein Bier getrunken hat. Schön zu sehen, dass wir im Endeffekt alle nur Arbeitskollegen sind."

Daheim ist’s am schönsten

Der kosmopolitische Anstrich von "to love" wird aber durch eine ganz große Portion Heimat abgerundet. So wurde der Großteil des Albums in den "Mushroom Studios" in Pinkafeld eingespielt. "Warum muss ich nach Los Angeles, wenn wir bei uns in Österreich ein ähnlich geiles Studio haben?" Überhaupt ist der aus der Hochsteiermark stammende David sehr heimatverbunden.
"Ich lebe in Allerheiligen im Mürztal, ein Umzug ist mir nie in den Sinn gekommen. Oft musste ich mir anhören, dass ich die Komfortzone verlassen soll. Aber wer sagt, dass man in einer großen Stadt wohnen muss, um sich wohlzufühlen?"

Die harte deutsche Sprache

Die Liebe zu Österreich, sie ist beim ausgeprägten Familienmenschen zu spüren. Aber warum singt er dann ausschließlich auf Englisch? "Ich bin mit Musik von Michael Jackson, David Bowie und Annie Lennox aufgewachsen. Außerdem ist die Sprache nicht so hart. Wenn überhaupt, hätte ich auf Deutsch nur Mundarttexte verfasst, so ähnlich wie STS."
Bewährt hat sich Davids Strategie bereits mit seinem damaligen Premieren-Album "Able", das auf Platz drei der Charts gelandet ist. "Schon damals hatte ich keinen wirklichen Plan im Vorfeld, so war es auch diesmal." Letztendlich habe er für "to love" erneut persönlich Erlebtes der vergangenen Jahre verarbeitet. Aufgrund der ihm innewohnenden Spontaneität verspürte der Gitarrist aus Leidenschaft auch keinen Zeitdruck.

Musikalisch und sozial

"Vor zwei Jahren war es notwendig, nach den vielen Konzerten und Terminen einfach einmal durchzuschnaufen. Ich habe diese Zeit zu einer Selbstreflexion genutzt, außerdem habe ich mich neu verliebt", gibt David einen Einblick in seine Gefühlswelt.
2015 als Scheideweg zu bezeichnen, wäre wohl etwas vermessen, und dennoch hätte das Pendel auch in eine andere Richtung ausschlagen können. "Ich habe in Graz die Caritas-Schule besucht, danach als diplomierter Sozialbetreuer mit Schwerpunkt Behindertenbegleitung gearbeitet. Irgendwann war mir aber klar, dass beides nicht mehr geht. Ganz ausschließen würde ich eine Rückkehr aber nicht." Denn bei all dem Stress, den das Musik-Business mit sich bringt, ist gerade das Abschalten in den eigenen vier Wänden immer wichtiger geworden.
"Was gibt es Schöneres, als mit meinem Sohnemann Fußball zu spielen? Wenn sonst noch Zeit bleibt, bin ich als Holz-Bastler aktiv. Erst vor Kurzem habe ich einen Esstisch gebaut. Einfach herrlich, wenn alles frisch nach Holz riecht."

Steckbrief

Geboren am 16.2.1985 in Leoben.
Lebt mit Freundin und Sohn in Allerheiligen im Mürztal.
Hat im BORG Kindberg begonnen, Gitarre zu spielen.
Mit der Band Illusions on Cue war David auf Tour.
Der 32-Jährige ist auch diplomierter Sozialbetreuer.
Das neue Album "to love" ist seit 24. März erhältlich.

WOCHE-Wordrap

Als erstes in der Früh ... trinke ich zwei Gläser lauwarmes Wasser.
An Graz gefällt mir ... der Sommer und auch der Lendwirbel.
Gar nicht mag ich ... wenn sich eine Fliege in dem Raum befindet, wo ich schlafe.
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