03.07.2017, 08:03 Uhr

Wasser ist ihr Element: Graz persönlich mit Jördis Steinegger

Fast sieht es wie Urlaub unter Palmen aus, doch seit ihrer Rückkehr nach Graz hat Jördis Steinegger mit dem Schwimmlernsystem "Blue Circus" alle Hände voll zu tun. (Foto: Jorj Konstantinov)

Jördis Steinegger ist zurück in Graz: Ein Gespräch über Olympia, "Blue Circus" und den Vergleich mit Touristen.

Wenn man sich mit Jördis Steinegger auf einen Kaffee verabredet, darf das Element Wasser nicht weit weg sein. Kein Wunder bei einer langen und erfolgreichen Karriere als Schwimmerin, die die Grazerin auch zu drei Olympischen Spielen geführt hat. Das Treffen auf der Murinsel kam somit nicht nur aufgrund der sommerlichen Atmosphäre und den Palmen, die Urlaubsfeeling versprechen, zustande, vielmehr präsentierte die 34-Jährige auf dem in neuem Glanz erstrahlenden Relikt der Kulturhauptstadt 2003 mit Harald Pressler und Michael Zacek den "Blue Circus by jördis".

Für mehr Sicherheit

Was es damit auf sich hat? "Es ging da um ein neues Schwimmlernsystem, das im Kleinkindalter ansetzt, für mehr Schwimmsicherheit sorgt und Kindern den Wassersport wieder näherbringen soll", umreißt Steinegger die Idee. Wichtig ist den Verantwortlichen vor allem die Bewusstseinsbildung. "Wir wollen auch die Eigenkompetenz der Kids fördern."
Um den spielerischen Gedanken dabei hochzuhalten, kommt unter anderem ein Trockenübungsgerät in Form des Wasserwesens "Blue" zum Einsatz.
"Der Kern unseres Konzepts ist es, den Kindern von Beginn an die bestmöglichen Bewegungen einzuprägen, sodass sie im Wasser instinktiv darauf zurückgreifen können."

Zurück aus Oberösterreich

Schnell wird klar, dass Steinegger dieses Thema sehr wichtig ist. Knapp nach ihrem Karriereende im heurigen Februar ist sie somit alles andere als "abgetaucht": "Ich wollte eigentlich immer eine Schwimmschule haben, das Konzept des ,Blue Circus‘ hat mich letztendlich wirklich überzeugt."
Während die Sicherheits-Roadshow Tausende von Kindern begeistern soll, versucht die 124-fache Staatsmeisterin gerade, sich wieder in ihrer Geburtsstadt einzuleben. "Aufgrund der besseren Trainingsbedingungen habe ich Graz vor zwölf Jahren in Richtung Linz verlassen."

Keine Olympia-Touristin

Seit dem Frühjahr entdeckt sie die Murmetropole quasi neu. "Ich komme mir wie der ärgste Tourist vor", schmunzelt Steinegger, die vor allem vom Flair in der Innenstadt begeistert ist. Beim Stichwort Tourist kommen ihr allerdings auch weniger schöne Gedanken in den Sinn. "Als wir Sommersportler in London 2012 und Rio 2016 als Olympia-Touristen bezeichnet wurden, war ich schon sehr empört. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass man zu einem Wettbewerb fährt, um dort absichtlich zu verlieren?"

Einmal um die ganze Welt

Abgesehen von diversen Nebengeräuschen blickt die sympathische Blondine, die im Rahmen ihrer Karriere in Summe einmal um die Welt geschwommen ist, aber erhobenen Hauptes auf ihre Karriere im Wasser zurück.
"Jedes einzelne Olympia-Limit war ebenso ein Highlight wie die zahlreichen österreichischen Rekorde." Zwar habe sie das Element Wasser seit der Kindheit fasziniert, zunächst wollte sie aber Zahnmedizin machen. "Dann habe ich mit dem Turmspringen begonnen. Ingrid Flöck hat mich damals gesehen und bemerkt, wie schön ich nach dem Sprung wegschwimme und gemeint, ich habe ein Talent."
Ob junge Kids ebenfalls Talent im kühlen Nass haben, können sie am 5. und 6. Juli in der Auster feststellen, wenn der "Blue Circus" zur Wasser-Parcours-Challenge für Schulen lädt. "Urlaubstage kannte ich beim Trainieren auch nicht, mir macht die Arbeit einfach Spaß."

Steckbrief

Geboren am 8. Februar 1983 in Graz
Begann im Alter von elf Jahren mit dem Schwimmen
Schulische Ausbildung im Sport-BORG Monsberger
Trainierte zwölf Jahre in Linz
Erfolge: drei Olympia-Teilnahmen, über hundert Staatsmeistertitel

WOCHE-Wordrap

Ein Leben ohne Wasser ... ist unvorstellbar. Ich liebe es, zu schwimmen.
Graz bedeutet ... Heimat und Vertrautheit.
Auf Reisen habe ich immer ... Kernöl dabei!
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