30.11.2016, 13:51 Uhr

Wenn die Kindheit online geht

Ach, sind die süß! Ein solch vermeintlich herziges und harmloses Kinderfoto kann im Internet in die falschen Hände geraten und ist, nachdem es einmal gepostet wurde, auf ewig im Netz gespeichert. (Foto: olesiabilkei/Fotolia)

Dr. Streit erklärt, wie gefährlich das Posten von Kinderfotos im Internet ist.

"Zeig mir doch mal ein Babyfoto von dir!" Diesen Satz werden Kinder, die heute auf die Welt kommen, in Zukunft wohl kaum zu hören bekommen. Denn ihre ersten Gehversuche, ihre ersten Fotos in der Badewanne oder ihre ersten Kostümpartys werden auf ewig festgehalten – und zwar digital. Das Posten von Kinderfotos auf Facebook macht Eltern stolz und glücklich. Doch die Erziehungsberechtigten tragen hierbei viel Verantwortung. Ein Baby kann noch nicht klar äußern, ob es sich der Öffentlichkeit zeigen und für immer im sozialen Netzwerk gespeichert sein will.

Bilder bleiben immer online

Über 70 Prozent der Eltern posten Fotos ihrer Kleinkinder auf Facebook oder anderen Plattformen. Was als unbefangenes Weitergeben freudiger Ereignisse beginnt, kann leider unerwünschte Folgen haben. Man weiß nicht, in welche Hände die Fotos geraten können. Und vor allem sind Bilder, die einmal online gegangen sind, selbst nach dem Löschen noch im Netz gespeichert. Eine schwierige Situation, gerade etwa bei Fotos von Teenagern in Badekleidung oder Bildern, die den Kindern unangenehm sind oder sie peinlich berühren. Das kann sogar dahin führen, dass es das Tor zum Mobbing öffnet. Wenn Sie als Elternteil Fotos Ihrer Kinder ohne deren Wissen posten, verletzt das im Grunde die Würde Ihrer Kinder.

Rechtlicher Rahmen

Das Recht am eigenen Foto ist ein Persönlichkeitsrecht. Niemand darf das Foto eines anderen ohne dessen Einverständnis veröffentlichen. Dies gilt für Gruppenfotos genauso wie für Schul- und Vereinsfotos. Bei Kindern muss bis zur Volljährigkeit bei gemeinsamem Sorgerecht zumindest ein Elternteil einverstanden sein. Grundsätzlich sind Babys und Kleinkinder auf die Verantwortung ihrer Eltern angewiesen, jedoch spätestens ab dem siebten Lebensjahr soll und darf das Kind selbst entscheiden, ob sein Foto veröffentlicht wird. In Frankreich etwa steht das Veröffentlichen von Fotos ohne Einverständnis der abgebildeten Person unter Strafe von bis zu 50.000 Euro.

Der innere Druck

Eine Studie in Ohio zeigte auf, dass besonders Mütter, die einen hohen inneren Druck verspüren, eine gute Mutter zu sein, Fotos ihrer Kinder im Internet zeigen. Sie posten sozusagen als Beweis dafür, dass sie als Mutter in Ordnung sind, und um ihre Souveränität unter Beweis zu stellen.

Tipps rund ums Posten
Grundsätzlich sollten Sie Ihrem gesunden Menschenverstand folgen. Diese Tipps können zusätzlich hilfreich sein:
1) Frage der Motivation. Checken Sie, wozu Sie Fotos Ihrer Kinder im Internet posten. Halten Sie einen Moment inne.
2) Absprechen. Machen Sie es sich zur Angewohnheit, mit einem anderen – bestenfalls Ihrem Partner – über die Idee, ein Foto zu posten, vorab zu sprechen.
3) Privatheitsrechte überprüfen. Schauen Sie sich die Privatheitsrechte des Internetdienstes an, bei dem Sie posten wollen. Lassen Sie die Finger davon, wenn nicht garantiert ist, dass die Privatheit geschützt ist.
4) Aufpassen. Posten Sie niemals heikle Situationen, wie etwa in der Badewanne oder beim Weinen. Das ist grob übergriffig.
5) Posten Sie anonym. Vermeiden Sie Namen und genaue Angaben. Verwenden Sie stattdessen lieber „Sohn“ oder „Tochter“.
6) Enger Rahmen. Halten Sie den Bereich klein, in welchem Sie Kinderfotos veröffentlichen. Machen Sie etwa einen eigenen Zugang bzw. eine eigene Homepage für Ihre Kinderfotos.
7) Real teilen. Nehmen Sie sich die Zeit, um Ihre Lieben zu treffen und freudige Ereignisse zu schildern. So gelingt Ihr Leben und das Ihrer Kinder ohne negative Folgen veröffentlichter Fotos.
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