17.09.2014, 10:59 Uhr

Brauchen wir überhaupt das Univiertel?

Am helllichten Tag spuckt das Univiertel noch so manches Opfer aus … (Foto: KK)

Das Grazer Kultlokal „Kottulinsky“ schließt! Doch: Wie dringend braucht Graz das Party-Eldorado? Verträgt die Murmetropole eine solche Partymeile? Wir haben bei Größen aus Wirtschaft, Politik und Szene nachgefragt.


Mario Eustacchio, FP-Stadtrat: Sperrstunde ist eine „Sauerei“!

"Diese Sperrstunde ist eine „Sauerei“ und ein künstliches Konstrukt. Damit entzieht man den Wirten ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage und den Studenten erklärt man, man wolle sie nicht hier haben."


Philip Pacanda,
Gemeinderat der Piratenpartei: "Bedürfnis muss gestillt werden!"

"Fortzugehen ist ein jugendliches Bedürfnis, das schlichtweg da ist. Unterdrückt man dieses, dann wird es verlagert – und die Studenten gehen woanders hin. Die Politik hat hier viel verschlafen und sollte nun Lösungen bieten."


Viktor Larissegger, Wirtschaftskammer-Geschäftsstellenleiter Graz: "Eine Partymeile gehört in Graz dazu!"

"Graz rühmt sich eine Studentenstadt zu sein – und in einer solchen gehört eine Partymeile unbedingt dazu! Studenten brauchen einfach Räume, um sich auch in ihrer Freizeit zu entfalten. Auch für die Wirtschaft ist das Univiertel nicht unerheblich, da doch viele Mitarbeiter in den Lokalen beschäftigt werden. Erschütternd ist für mich einfach, dass Lokale wie das „Kottulinsky“, das in den letzten Jahren viel Geld in die Hand genommen hat, aufgrund von ständig geänderten gesetzlichen Regeln, nun zusperren muss – das ist einfach unwirtschaftlich! Auch eine „Umsiedlung“ des Univiertels ist für mich unrealistisch, denn die Studierenden wohnen im innerstädtischen Bereich, folglich sind sie auch dort am Abend unterwegs."


Severin Haidacher, Mr. Styria und Szenegröße: "Eine traurige Entwicklung!"

"Jede Großstadt braucht eine solche Partymeile! Grundsätzlich erkenne ich aber den Trend in Graz, dass Events und Partytourismus immer weniger werden – wie man am „Kottulinsky“, aber auch an Festivals wie dem „Urban Art Forms“ sehen kann. Immer mehr Menschen gehen deshalb auch nach Wien – was eine wirklich traurige Entwicklung ist, der man unbedingt entgegenwirken muss. Denn es ist ja auch ein wirtschaftlicher Schaden für die Beteiligten."



Andreas Rambacher, Geschäftsführer „Café Bar Orange“: "Hoffe, dass es kein PR-Gag ist."

"Graz schimpft sich die zweitgrößte Stadt von Österreich. Dementsprechend muss es auch für die Jugend ein Angebot geben! Was ich von der Schließung des „Kottulinsky“ halten soll, kann ich noch gar nicht sagen. Ich hoffe, dass es kein schlechter PR-Gag ist! Und um ganz ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass es wirklich geschlossen wird. Im Gegensatz zum „Kottulinsky“ haben wir keine Sperrstunde. Der Grund: Wir hatten keine Beanstandungen."



Marc Oliver Stenitzer, Sprecher der IG „Universitätsviertel“: "Partymeile hat hier nichts verloren!"

"Falls Graz eine Partymeile braucht, muss dafür ein anderer Platz gefunden werden, an dem es nicht zu unzumutbaren Belästigungen für die Wohnbevölkerung kommt. Denn: Eine Partymeile hat in dieser Gegend nichts verloren und wurde auch nicht behördlich genehmigt. Es ist nur konsequent, dass der gesetzmäßige Zustand durch Behörden und Politik wiederhergestellt wird. Die Verantwortlichen dafür zu kritisieren, widerspricht dem Prinzip eines Rechtsstaates. Und: Statt mit Ankündigungen Druck auszuüben, wäre es besser, sich an das Gesetz zu halten. Das Gesetz garantiert Anspruch auf Schutz von Gesundheit, Eigentum und Sicherheit. Auch andere Lokale stellen ein Problem dar."
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