17.09.2014, 10:34 Uhr

„Das Univiertel steht vor dem Aus!“

Tür zu im Univiertel: Mit Ende Oktober wird Wolfgang Nusshold das „Kottulinsky“ im Grazer Univiertel schließen. (Foto: geopho.com)

Weinende Familienväter, ein Besuch beim AMS und der „Eiergang“ der heimischen Politik – der „Kottulinsky“-Boss Nusshold spricht Klartext.

WOCHE: Das „Kottulinsky“ wird mit Ende Oktober Geschichte sein. Wie viel Wehmut schwingt mit?
Wolfgang Nusshold, „Kottulinsky“: In erster Linie ist die Schließung ein Weckruf an die Politik. Dieser „Eiergang“ darf so einfach nicht weitergehen.
Was konkret meinen Sie?
Wir haben hier in fünf Jahren einen Klub aufgebaut, der in ganz Öster-reich bekannt ist. Daher kann ich mit der Sperrstunde um zwei Uhr Früh auf keinen Fall leben!
Mit der Schließung des „Kottulinsky“ stehen auch knapp 40 Menschen plötzlich ohne Job da.
Familienväter und -Mütter stehen bei mir im Büro und weinen. Genau 37 Menschen verlieren ihren Job – die meisten von ihnen sind Vollzeit angestellt, der Rest sind Studenten, die sich so ihre Ausbildung finanzieren. Dazu kommen noch 15 weitere Mitarbeiter wie Deejays und Grafiker. Diese Menschen musste ich bereits beim AMS anmelden …
Können Sie sich persönlich eigentlich leisten, Ihr Lokal einfach zuzusperren?
Ich bin Immobilienentwickler – das „Kottulinsky“ ist nicht mein Hauptgeschäftsgebiet.
… aber einer der beliebtesten Clubs im Univiertel – Was bedeutet die Schließung für die Partymeile?
Das muss den Untergang, das Aus des Univiertels bedeuten – es wurde ja angedroht, dass „Kottulinsky“, „Gecco“, „Kulturhauskeller“ und „Three Monkeys“ die entsprechenden Lizenzen entzogen werden. Und dann würden 250 Menschen ihren Job verlieren.
Ergo: ein wirtschaftlicher Schaden. Leidet durch die Sperrstunde auch die Attraktivität der Stadt für Studenten?
Die Attraktivität wird extrem leiden, denn Graz ist eine Universitätsstadt: Wir haben hier 50.000 Studierende – das entspricht einer massiven wirtschaftlichen Wertschöpfung.
Schließen Sie ein Comeback des „Kottulinsky“ vollständig aus?
Wenn die Sperrstunde fällt und der Widmungsplan geändert wird, schließe ich eine Neueröffnung nicht aus.
Was bringt die Änderung des Widmungsplans?
Damit könnten wir auch im Keller mit der Lautstärke spielen, die ein Klub braucht. Ein einfacher Gemeinderatsbeschluss würde dafür ausreichen.
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