27.10.2016, 11:07 Uhr

Der "Psychologe" hinter der Schank

Typisch steirisch: Das "Gösser Bräu" von Robert Grossauer punktet mit gutem Essen und ist gesellschaftlicher Treffpunkt. (Foto: Gösser Bräu)

Robert Grossauer vom "Gösser Bräu" erzählt, wie ein Traditionsgasthaus dauerhaft bestehen kann.

"Ein Gasthaus im Dorf oder in der Stadt erspart einen Psychologen", lacht Kult-Gastronom Robert Grossauer und betont die gesellschaftliche Wichtigkeit der Gasthäuser. Mit seinem "Gösser Bräu" in der Neutorgasse gehört er seit Jahren zu den Fixadressen der Grazer Traditionsgasthäuser.

Spezialisierung wichtig

"Viele Gäste kommen nahezu täglich und freuen sich auf eine vertraute Atmosphäre und bekannte Gesichter", erzählt Grossauer von den Stammgästen. Die Grossauers prägen die Grazer Traditionskulinarik stark mit: Neben dem "Gösser Bräu" gehört auch das typisch steirische Gasthaus "Glöckl Bräu" am Glockenspielplatz zur Familie Grossauer. Das Erfolgsrezept? Laut Robert Grossauer ist das die Spezialisierung. "Es muss ein Umdenken stattfinden und ich kann mich durch eine Hauptzubereitungsart hervorheben", erzählt Grossauer von seinem "smoked", also geräucherten Schweinsbraten und den Ripperl. "Ein Trend, den ich vom Streetfood aufgegriffen habe", so Grossauer, der betont, dass es wichtig ist, sich weiterzuentwickeln.


Kult-Gastronom: Robert Grossauer vom Gösser Bräu (Foto: Gösser Bräu)

Immer weniger Gasthäuser

Die Wirtschaftskammer veröffentlichte vergangene Woche eine Umfrage unter 250 Traditionsbetrieben zum Thema "Gasthaussterben" und die Zahlen sind ernüchternd: Seit 2000 gibt es 26,2 Prozent weniger Gasthäuser. Die Fachgruppenobleute von Gastronomie und Hotellerie, Barbara Krenn und Hans Spreitzhofer, fordern, dass "die bürokratischen Lasten spürbar reduziert und vereinfacht werden". Denn insgesamt gibt es gar 75 Prüf- und Dokumentationspflichten, die Wirten auferlegt werden. Auch Robert Grossauer bestätigt, dass es gilt, die steigende Bürokratie zu bewältigen. Der Personalaufwand für administrative Tätigkeiten sei enorm gestiegen.
Konkret auf das Thema "Gasthaussterben" angesprochen, meint er: "Ich denke, dass dieses Thema vermehrt am Land als im urbanen Umfeld zu bemerken ist. Aber die Gastronomie ist im Wandel und wir stehen vor Herausforderungen. Es gilt, sich diesen Herausforderungen zu stellen."

115 Jahre Tradition

2017 feiert das Gösser Bräu sein 115-jähriges Bestehen. Um eine Kontinuität zu gewährleisten, muss man sich von Dynamik leiten lassen und auch Mut haben. "Auf die Biererhöhung habe ich mit einem Bierpass reagiert", meint Grossauer und betont, dass die Angebote preiswert sein müssen. "Sie müssen ihren Preis wert sein", erklärt er auch die Notwendigkeit von Preisanpassungen.
Hinter jedem erfolgreichen Projekt stehen Menschen. Bei einem Familienbetrieb sind viele Generationen eingebunden. Die Gäste schätzen die Persönlichkeit und Authentizität der Betreiber. "Mitarbeiter sind das Wertvollste", hält Robert Grossauer fest und meint: "Wir haben immer Lehrlinge ausgebildet. Viele bleiben jahrelang mit uns verbunden und werden auch Teil der Familie."


Spezialitäten: Gulasch und Bier sind ein Muss (Foto: Gösser Bräu)

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