19.05.2017, 16:05 Uhr

Dietrichsteinplatz: Wer bremst, der gewinnt

Der Dietrichsteinplatz verunsichert immer wieder die Verkehrsteilnehmer vor Ort. (Foto: Jorj Konstantinov)

Der Dietrichsteinplatz kostet Grazer oft Nerven. Für ein neues Verkehrskonzept gibt es Hürden.

Lange Wartezeiten und regelmäßiges Verkehrschaos stehen am Dietrichsteinplatz auf der Tagesordnung. Ein Lokalaugenschein der WOCHE hat gezeigt: Viele Grazer fühlen sich unsicher, wenn sie den Platz überqueren. Das Motto scheint zu lauten: „Hier hat alles und jeder Vorrang!“ Helmuth Kastner von der Fahrschule Schwarzmann am Dietrichsteinplatz kennt die Situation an der Ecke zur Münzgrabenstraße: „Die Vorrangstraße ist stark befahren, die Leute müssen lange warten. Dann kommt noch die Straßenbahn hinzu und da schmeißen viele die Nerven weg. Zusätzlich problematisch sind die ungeregelten Schutzwege.“ Brenzlige Situationen gebe es immer wieder. Aber was sagt die Unfallstatistik?

Kein Unfall-Hotspot

Thomas Fischer, Leiter des Grazer Straßenamtes, kennt die Zahlen – und die sind niedriger, als man vermuten würde: „Der Dietrichsteinplatz ist kein Unfall-Hotspot.“ Im Schnitt gebe es hier vier bis sechs Unfälle mit Personenschaden pro Jahr. „Es handelt sich zwar um eine Unfallhäufungsstelle, aber es gibt hier auch viel Verkehr. Da haben wir in Graz gefährlichere Orte, etwa den Bereich Keplerstraße/Babenbergerstraße oder die Rösselmühlgasse.“

Ein sonderbarer Platz

„Man muss schon sagen, dass es ein sonderbarer Platz ist", so Fischer. "Es gibt viel Verkehr, es ist unübersichtlich – das birgt eine gewisse Gefahr." Ein Umbau sei in nächster Zeit nicht geplant, man evaluiere aber gerade die Daten. Wie lange das dauert oder wie eine Lösung dann konkret aussehen würde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Ich bin seit 18 Jahren bei der Stadt Graz tätig und schon damals hat es Konzepte für den Dietrichsteinplatz gegeben.“ Ein Umbau sei aufgrund der Gegebenheiten schwierig: „In der Reitschulgasse und der Münzgrabenstraße haben wir etwa zu wenig Spielraum, um die Gleise anders zu legen. Das ist auch ein Grund, warum das Verkehrssystem hier nie geändert wurde. Und dann ist das natürlich eine Kostenfrage.“ Ob eine Ampel die Situation entschärfen würde? Das könne Fischer nicht mit Sicherheit sagen: „Die Gründe für Unfälle sind hier derart unterschiedlich, dass sich keine klare Ursache benennen lässt und keine klare Strategie herauskristallisiert.“

"Besser auf Vorrang verzichten"

Um stressfrei über den Dietrichsteinplatz zu kommen, rät Fischer zu einer angemessenen Geschwindigkeit, Blickkontakt zu den anderen Verkehrsteilnehmern und einer defensiven Fahrweise. Das wäre vor allem für die Fahrradfahrer angebracht: „Die meisten Unfälle mit Fahrrädern passieren etwa, weil die Radfahrer die Vorrangregeln missachten.“ Auch Fahrschullehrer Helmuth Kastner empfiehlt Zurückhaltung: „Die Kreuzung wirklich genau den Verkehrsregeln entsprechend zu fahren, ist schwierig. Manchmal muss man auf den Vorrang verzichten, damit nichts passiert.“

Umfrage
Daniel Gasser, 21, Student: "Die Linkskurve von der Sparbersbachgasse in die Münzgrabenstraße ist besonders kritisch, weil man auch auf die Straßenbahn achten muss. Vielleicht könnte man die Kurve ändern oder eine Ampel einführen."

Margareta Pfingstl, 66, Pensionistin: "Die Bim muss manchmal lange warten, wegen der Vorrangstraße – das ist für die Fahrgäste natürlich nicht angenehm. Bekannte und Verwandte meiden den Platz mit dem Auto wegen des Staus."

Faraz B. Leilabadi, 29, Angestellter: "Ich arbeite am Dietrichsteinplatz und fahre täglich mit dem Rad hier her. Mir ist noch nie etwas passiert, aber knapp war es schon ab und zu. Der Dietrichsteinplatz ist prinzipiell Anarchie."

Melanie Hörtler, 23, Studentin: "Ich komme vom Land und musste mich erst an den Stadtverkehr gewöhnen. Früher habe ich den Dietrichsteinplatz gemieden und bin mit dem Rad extra einen Umweg gefahren. Vielleicht wäre eine Ampel oder ein Kreisverkehr eine Lösung."
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