16.11.2016, 13:21 Uhr

Dr. Philip Streit: Die Privatsphäre ist sehr wichtig

Kontrollen des Partners führen zu Diskussionen. (Foto: Bernd Leitner/panthermedia)

Auch in einer Beziehung braucht es Freiräume und Unabhängigkeit.

Die Nachrichten des Partners lesen und absolut alles über ihn zu wissen – das ist für viele der Inbegriff einer Partnerschaft und über 30 Prozent "recherchieren" unerlaubt im Privatleben des anderen. Aber gerade Vertrauen und Freiräume sind für das Gelingen einer Beziehung wichtig und zwanghafte Kontrollen führen auf Dauer zum Scheitern der Partnerschaft. Auch wenn es paradox klingt: Die eigene Unabhängigkeit ist die Basis für Gemeinsamkeit und Sicherheit in der Partnerschaft. Dr. Philip Streit erklärt, worauf es bei der Privatsphäre in der Beziehung ankommt:

1. Checken Sie Ihre Eigenständigkeit und Ihren Selbstwert (durchaus auch mit wohlmeinenden Freunden zusammen). Über welche eigenständigen Bereiche können Sie sich definieren? Auf welche eigenständigen Bereiche können Sie stolz sein oder sind Sie abhängig vom Lob des Partners?

2. Schaffen Sie sich Ihre eigenen „Inseln“. Das tut Ihnen und auch Ihrer Partnerschaft gut, auch wenn es anfänglich häufig herausfordernd und schwierig ist.

3. Seien Sie offen und lassen Sie den anderen in Ihre Welt schauen. Sie entscheiden aber, was Sie zeigen wollen und was nicht.

4. Seien Sie verbindlich und stehen Sie zu Ihrem Wort. Verlässlichkeit und Offenheit schaffen Vertrauen.

5. Widerstehen Sie dem heimlichen Herumschnüffeln in der Privatsphäre des Partners – egal, ob Handy oder Post. Das ist grundsätzlich tabu.

6. Suchen Sie direkt und offen das Gespräch auf Basis von „Ich mag dich sehr, aber das macht mich stutzig. Was ist los?“, wenn Sie wirklich einmal misstrauisch sein sollten.

7. Achten Sie darauf, dass Sie in der Beziehung korrekt sind und nichts zu verbergen haben.

8. Kultivieren Sie das kleine Geheimnis. Die kleine Unsicherheit ist die Basis der Attraktion.

Familienflüsterer
Dr. Philip Streit


Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater und beantwortet in der WOCHE Fragen aus dem Themenfeld Erziehung, Familie und Beziehung.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Telefon: 0316/77 43 44
Web: www.ikjf.at

Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte per E-Mail an: redaktion.graz@woche.at oder auf dem Postweg an: WOCHE Graz, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.
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