28.09.2017, 08:48 Uhr

Dr. Streit: Wenn Witze gar nicht witzig sind

Reden statt schweigen ist besser, wenn ein Witz zu weit geht. (Foto: Fotolia)

Der Experte erklärt, wie man gegen sexuelle Anspielungen bei sogenannten "Witzen" reagieren sollte.

Witze sind lustig, aber Witze können auch zu weit gehen. Doch was ist zu weit und wann sollte man sich einschalten? Psychologisch gesehen spürt jeder von uns mit untrüglicher Sicherheit, wann über seine Grenze gegangen wird. Wir wollen dies nur manchmal nicht wahrhaben aus Angst um unsere Position, aus Angst davor, lächerlich zu sein. Es ist auch hinreichend klar: Wer sexuell anzügliche Witze macht, sogenannte Herrenwitze, wer am lautesten lacht, wenn diese Witze gemacht werden, sind jene Männer mit wenig Selbstbewusstsein und wenig Selbstsicherheit. Studien haben ergeben, dass diese sich durch die oft subtile Erniedrigung anderer erhöhen, um gut dastehen zu können. Darauf angesprochen, leugnen diese oft, anzüglich gehandelt zu haben. Ihr Argument lautet meist: Es sei ja mitgemacht worden und so schlimm sei das alles nicht gewesen.

Tipps, um sich zu wehren

1. Glauben Sie an sich selbst und Ihre Sensibilität. Ihre Emotion sagt Ihnen trüglich, wenn Ihre Grenze erreicht ist.
2. Versuchen Sie, in dieser Situation ruhig zu bleiben.
3. Verzögern Sie die Reaktion und überlegen Sie einige Sekunden.
4. Drücken Sie Ihren Protest immer klar und unmissverständlich aus. Also nicht "Bitte lassen Sie das", sondern "Ich möchte nicht, dass Sie in meiner Gegenwart solche Witze machen".
5. Machen Sie Ihren Protest immer öffentlich, indem Sie einen Hilfskreis organisieren, in der Bar, in der Diskothek oder bei Ihrem Arbeitgeber, und klarmachen, dass Sie das nicht wollen.
6. Fordern Sie eine klare Aussprache, wo dieses Verhalten deutlich und unmissverständlich kritisiert wird, nicht aber die Person als Gesamtes.
7. Durch Ihren Protest und Ihre Klarheit leisten Sie so einen wichtigen Beitrag zu einem gerechten und respektvollen Miteinander.

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Haben auch Sie eine Frage an Dr. Streit, dann schreiben Sie an: "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1, 8010 Graz, kommentieren Sie auf Facebook, oder schicken Sie ein Mail an redaktion@woche.at (Stichwort: Familienflüsterer).

Familienflüsterer
Dr. Philip Streit




Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater und beantwortet in der WOCHE Fragen aus dem Themenfeld Erziehung, Familie und Beziehung.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Telefon: 0316/77 43 44
www.ikjf.at
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