22.08.2016, 07:19 Uhr

Ein Name ohne Gesicht

(Foto: Verein Lila Winkel)
Graz: Reininghausstraße | Er wurde am 2. November 1900 geboren und am 10. Oktober 1940 vom NS-System hingerichtet.

Von ihm gibt es kein Foto und alle Bemühungen etwas über ihn in seinem Geburtsort St. Peter am Kammersberg zu erfahren, verliefen bisher im Sand. Lediglich ein Meldezettel aus Graz und die Eintragung seiner Geburt sind im Taufbuch der Gemeinde St. Peter am Kammersberg zu finden – auch, dass er im August 1934 aus der röm. kath. Kirche ausgetreten ist.

Sein Name ist Johann Moser. Er ist der Sohn von Theresia (geb. 1873, Dienstmagd) und Laurenz Moser. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Er wuchs offensichtlich im ländlichen Bereich in der Region Murau auf. Er lebte laut Melderegister ab November 1935 in Graz zunächst in der Mariahilferstraße 23, im Mai 1936 zog er in die Reininghausstraße 50a, wo er bis zum 1.6.1940 gemeldet war. Im Melderegister wird angeführt, dass er Hilfsarbeiter war. Er war ledig und hatte keine Kinder.

Wann und wie er mit den Bibelforschern in Kontakt kam, ist unbekannt und lässt sich nur aufgrund seines Kirchenaustrittes aus der röm.kath. Kirche am 17.8.1934 erahnen.

Johann Moser wurde am 1. Juni 1940 laut Meldekartei in das Landesgericht Graz eingeliefert. Offensichtlich kam er dem Einberufungsbefehl zum Wehrdienst nicht nach. Denn am 23.8.1940 wurde er bereits in Berlin vom Reichskriegsgericht Berlin wegen Wehrdienstverweigerung angeklagt (Anklage des Reichskriegsgerichts RKA III 516/40). Die Verurteilung zum Tode erfolgte bereits ein Monat später, nämlich am 17. September 1940 und am 10. Oktober wurde er im Zuchthaus Brandenburg bei Berlin enthauptet.

Ein Antrag auf Rehabilitierung erfolgte auf Antragstellung der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas im Jahr 2006.

Auch wenn wir sein Gesicht nicht kennen, sein Name wird in Erinnerung bleiben.
Am 16. August 2016 wurde zur Erinnerung an Johann Moser, an seinen Glauben und seine Treue zu den göttlichen Grundsätzen, allem voran, das Gebot „Du sollst nicht töten“ durch den Initiator der Stolpersteinverlegung Gunter Demnig http://www.stolpersteine.eu/ in Graz, in der Reininghausstraße 50a ein Gedenkstein verlegt.
Fotos und Text: Verein Lila Winkel

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Solle jemand zusätzliche Informationen über Johann Moser haben, würden wir um Information an den Verein Lila Winkel www.lilawinkel.at bitten.
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STOLPERSTEINPROJEKT: Gunter Demnig
Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in 1099 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas.

'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist', zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Die Nationalsozialisten haben Menschen in Masse ermordet. Die Steine sollen die Namen zurückbringen und an jedes einzelne Schicksal erinnern. Jeder Stein soll per Hand gefertigt und per Hand verlegt werden. Die Verlegungen sind keine Routine; jedes Schicksal bewegt uns und soll bewegen. Wir möchten bewusst keine Massenverlegungen, um der damaligen Massenvernichtung etwas entgegenzusetzen. Auszug aus der homepage http://www.stolpersteine.eu/start/
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