08.10.2014, 04:30 Uhr

"Eine Polizeistation mitten im Grazer Univiertel!"

Kann den Lärm im Grazer Univiertel nicht mehr ertragen: Beethovenstraße-Anwohner Oskar Erdödy. (Foto: tastylicious – Peter Oswald)

Nächster Akt im WOCHE-Schwerpunkt zum Univiertel: Ein Revier im „Kottulinsky“ soll für mehr Ruhe sorgen.

In der Mitte des Zimmers steht ein Wäscheständer. Es ist der einzige Gegenstand im sonst leeren Raum der großflächigen Altbauwohnung. Viele Jahre hat Oskar Erdödy hier genächtigt, sein Schlafzimmer hat er aber mittlerweile verlegt. „In der Nacht ist der Lärm von draußen einfach viel zu laut. Man kann sich nicht vorstellen, was hier abgeht.“ Seit fast 50 Jahren lebt Erdödymittlerweile in der Grazer Beethovenstraße, nur wenige Meter zur Kreuzung Elisabethstraße entfernt – im Herzen des Grazer Univiertels, dem Party-Eldorado, der Feiermeile. Jenem Platz in Graz, in dem sich Lokal an Lokal reiht.

Unterschiede zu damals

Früher ist Erdödy hier auch gern „um die Häuser gezogen“, erzählt er, während er auf seinem Balkon steht – dieser ist direkt in Richtung Beethovenstraße ausgerichtet. Hier steht er auch nächtens gelegentlich, um das feiernde Partyvolk zu beobachten. „Der Unterschied zu damals ist, dass wir nicht gröllend und vandalierend von Lokal zu Lokal gegangen sind“, glaubt Erdödy, hebt die Hand und zeigt auf den gegenüberliegenden Garten: „Dort drüben wird zum Beispiel nicht nur einmal pro Nacht hinuriniert.“

"Slum"

Wenn Erdödy vom Univiertel spricht, verwendet er Wörter wie „Slum“, „Gesundheitsgefährdung“, „Zumutung“. Erdödy hat die Nase voll – auch die Exekutive verurteilt er: „Die örtliche Polizei hat diesen Bereich der Stadt abgeschrieben.“

Mehr Party, weniger Ruhe

Genugtuung, dass mit dem „Kottulinsky“ Ende Oktober das erste Lokal die Konsequenzen aus der Sperrstunden-Diskussion zieht, verspürt er keine – im Gegenteil: „Das Lokal hat sogar versucht, etwas Kultur ins Rabaukenviertel zu bringen.“ Aber: „Generell sind hier definitiv zu viele Lokale auf zu engem Raum.“ Nicht Erdödys einziges Problem: „Die Partystrecke hat sich mittlerweile stark ausgedehnt: Mittlerweile wird von Dienstagnacht bis Sonntagmorgen durchgefeiert.“ Ruhephasen sind kaum vorhanden – zumindest für ihn. Während andere Anrainer des Univiertels die Aussiedlung bzw. das allgemeine Einstellen der Lokale fordern, ist der Beethovenstraßen-Bewohner offen für Kompromisse. Sogar einen Vier-Punkteplan hat er ausgearbeitet:

Vorschlag 1: Polizeiwache

„Eine Polizeiwache mitten im Univiertel“, sagt Erdödy, „würde sicher zur Beruhigung beitragen“. Konkret: Hätten die Polizisten nur einen kurzen Weg zu den Problemstellen, würde der Gesamtlärmpegel sinken.

Vorschlag 2: Location-Wechsel

„Abwanderungswilligen Wirten soll die Stadt bei der Umsiedlung unter die Arme greifen“, fordert Erdödy. Mehr Party-Destinationen würden in der Folge zu einer weniger starken Besucherkonzentration führen. Ergo: der Lärm sinkt weiter.

Vorschlag 3: Entlastung

Angeküpft an den vorangegangenen Vorschlag soll das alte „Kommod-Triangle-Haus“ reaktiviert werden: „Dieser optimale Platz für Nachtschwärmer könnte das Univiertel weiter entlasten“, so Erdödy.

Vorschlag 4: Sperrstunden

Nach irischem Vorschlag soll die Sperrstunde von Montag bis Donnerstag auf Mitternacht bis 1 Uhr vorverlegt werden – das verlangt Erdödy. An den Wochenenden könnte der Anrainer mit einer Sperrstunde zwischen „drei und vier Uhr“ durchaus leben.
Für Erdödy ist das Einlenken der Univiertel-Wirte und der Mur-Politiker in den leidigen Univiertel-Diskussionen unumgänglich – immerhin soll der Raum, in dem sein Wäscheständer steht, irgendwann wieder als Schlafzimmer dienen …
Christoph Sammer
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