25.10.2017, 06:00 Uhr

Einzelhandel gegen Onlineriese: "Bürobedarf ist heute kein Geschäft mehr"

Freude am Papier: Thomas Novosel und seine Frau Tatjana in ihrem kleinen Reich in der Grazer Schmiedgasse. (Foto: Jorj Konstantinov)

Ein Papierfachgeschäft in der Schmiedgasse gibt’s bereits seit 1902. Im Konkurrenzkampf gilt es, sich anzupassen.

Der Wettbewerb im Bürobedarf- und Papiergeschäft ist riesig. Große Ketten und besonders die global agierenden Online-Anbieter machen dem Einzelhandel das Leben schwer. Betroffen ist auch Thomas Novosel von "Novosel Büro & Papeterie" in der Grazer Schmiedgasse. "Es gilt, sich anzupassen. Bürobedarf ist für mich heutzutage kein Geschäft mehr. Du musst Emotionen verkaufen, keine Ordnermappen um 90 Cent, die mich im Einkauf 80 Cent kosten", so Novosel. Sein Hauptgeschäft macht er mit Spontan- und Emotionskäufen. Bürobedarf wird mehr und mehr durch Ansichtskarten, Bastelzubehör und Geschenkpapier abgelöst. Das Kopierpapier verschenkt Novosel mittlerweile, damit lässt sich kein Umsatz machen.

Anpassung als Antwort

Schwarzsehen will Thomas Novosel aber trotzdem nicht: "Die Schmiedgasse ist als Standort sehr gut, die Miete ist akzeptabel. Die Umstellung durch den Online-Handel ist aber natürlich ein stetiger Prozess." Auch Novosel selbst betreibt einen kleinen Online-Shop. "Den habe ich aber eigentlich nur gemacht, um zu beweisen, dass ich das auch kann. Gegen die großen Anbieter aus den USA kommst du eh nicht an. Die zahlen ja weder da noch dort ihre Steuern, mit deren Preisen kannst du nicht konkurrieren." Trotzdem muss auch er auf die Anforderungen der Kunden reagieren. Aktuell plant Novosel einen neuen Webshop für hochwertige Produkte. "Edle Füllfedern und schöne Lederaktentaschen bekommst du im Großhandel nicht, trotzdem fragen viele Kunden danach", sagt der Verkaufsprofi. Die Bestellungen werden dann versendet oder können in der Schmiedgasse abgeholt werden. Ab 2018 wird das neue Angebot online sein.

Die täglichen Freuden

Die Arbeit im Geschäft lässt sich der Chef selbst aber nicht nehmen. Viele Erlebnisse mit den Kunden bleiben Thomas Novosel im Gedächtnis. "Erst im vergangenen Jahr ist eine Kundin aus Deutschland mit einer Ansichtskarte bei mir im Geschäft gestanden. Sie hat mich gefragt, ob sie den Artikel um 55 Cent auch mit Kreditkarte bezahlen könne", schmunzelt der Geschäftsinhaber. Aber die Geschichte geht noch weiter: "Nachdem sie mein Gesicht gesehen hat, wollte sie noch ihren Mann vor dem Geschäft holen, der habe manchmal noch ‚echtes‘ Geld dabei, hat sie gesagt." Dann habe die Kundin ihm erzählt, dass sie schon lange in Dänemark lebe. Dort sei der Einzelhandel fast verschwunden, und mit Bargeld laufe da auch keiner herum. Laut Novosel sind der Umsatz und die Perspektiven eines Online-Händlers mit denen im Einzelhandel nicht zu vergleichen. Spannende Anekdoten wie diese kann der Eigentümer eines Online-Handels dafür aber nicht erzählen.
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