09.01.2018, 19:00 Uhr

Experte Philip Streit über Spielsucht: Wenn Glücksspiel zur Sucht wird

Spielautomaten führen oftmals in die Spielsucht. (Foto: Minerva Studio/Fotolia)

Philip Streit gibt Tipps, was Angehörige von Spielsüchtigen tun können.

Die offiziellen Zahlen sind scheinbar nicht so gravierend: Zwei Prozent der 15- bis 64-Jährigen in Österreich seien ernsthaft spielsüchtig. Die Dunkelziffer ist hier aber weitaus höher. Dabei geht es den Spielern nur vordergründig um das Gewinnen. Vielmehr kommt es ihnen auf den Kick an. Sie wissen, dass sie nur verlieren können, da die Automaten auf sechzig zu vierzig eingestellt sind.
Bei der Spielsucht als psychische Abhängigkeit geht es um drei Grundbedürfnisse: das Bedürfnis, dazuzugehören, eigenständig zu sein und etwas Großes zu leisten. Die Spielsucht beginnt schleichend, nach dem "Versuch dein Glück"-Moment folgt die Frage bei Angehörigen und Freunden um Geld, da das eigene ausgegangen ist, und bei der dritten Phase dreht sich alles nur noch um den Teufelskreis des Spiels.

Familienflüsterer Philip Streit gibt Tipps für Angehörige:


1. Realisieren Sie die heraufziehende Spielsucht möglichst früh.

2. Achten Sie dann vor allem auf sich und auf Möglichkeiten, dass Sie gute Zeiten erleben, ansonsten werden Sie vom Negativitätsstrudel mitgerissen.

3. Leisten Sie Widerstand, wenn die Spielsucht spürbar wird.

4. Bleiben Sie nicht allein. Machen Sie die Spielsucht öffentlich, suchen Sie um Hilfe bei anderen.

5. Machen Sie sich klar, dass Sie nicht Schuld sind und bekräftigen Sie sich das immer wieder. Sagen Sie "nein" und borgen Sie keinesfalls Geld. Das erhält die Beziehung und weckt auf. So entsteht Therapiebereitschaft.


Der Experte Dr. Philip Streit

Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater. Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Telefon: 0316/77 43 44
Web: www.ikjf.at
Im Jänner 2016 hat er das „M42“, das neue Begegnungs- und Therapiezentrum des Institutes in der Moserhofgasse, eröffnet.
Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an redaktion.graz@woche.at oder per Post an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.
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