14.06.2017, 07:01 Uhr

Gerhard Czelecz, Ausbildungsleiter bei Siemens: Unsere Schulen brauchen mehr Bezug zur Praxis!

Bildet Lehrlinge aus: Gerhard Czelecz (Foto: Foto Furgler)

Eine bessere Vorbereitung auf das Leben nach der Schule in der Schule wünscht sich Gerhard Czelecz.

Die Schule ist vorbei, Lehre oder Uni warten, doch wie bewirbt man sich, was will man machen, wohin soll man gehen? Gerhard Czelecz, Lehrlingsausbildner bei Siemens Graz, findet: Hier muss schon in der Schule vorbereitet werden.
In der letzten WOCHE-Ausgabe meinte an dieser Stelle Schulpsychologe Josef Zollneritsch, dass unser Schulsystem weniger Schulfächer bräuchte, dafür vertiefender und spezifischer sein müsse. Auch das praktische Wissen müsse stärker verankert werden, wenn es nach Czelecz geht.

Schule fürs Leben

"Bei den Lehrlingstests werden in drei Stunden alle möglichen Themengebiete abgefragt. Das ist etwas anderes als bei einer Schularbeit an einem Tag, wo man für ein Fachgebiet lernt." Doch ist man einmal aus der Schule draußen, warten neue Herausforderungen, Tests – ob an Unis oder für Lehrstellen – werden größer, umfassender und komplexer. Das Leben birgt mehr, als in der Schule vermittelt werden kann. Doch ein paar Dinge könnte man ändern.

Bewerben lernen

"Mehr Praxiseinheiten und eine bessere Vorbereitung auf Lehrplätze", meint Czelecz. "Viele Jugendliche haben schon erste Schwierigkeiten mit den Bewerbungsunterlagen für Lehrstellen. Diese sind manchmal dürftig", spricht der Ausbildner aus Erfahrung.
"Man lernt zwar Bewerbungen zu schreiben in der Schule, aber das müsste noch viel spezifischer sein. Die Lehrerinnen und Lehrer könnten in der neunten Schulstufe im Polytechnikum mit den Schülern durchgehen, welcher Stoff bei Lehrtests geprüft wird." Außerdem gilt: Bewerben von September bis Dezember. "Von Februar bis April ist bei den meisten Firmen alles abgeschlossen, oft trudeln danach dennoch Bewerbungsunterlagen ein."

Viel schnuppern

Neben einer umfassenden Vorbereitung auf eine Lehrstelle sieht Czelecz vor allem im praktischen schulischen Zugang der Jugendlichen viel Potenzial für deren berufliche Zukunft.
"Schnuppern ist das Wichtigste. Nur, weil mein Vater Elektriker ist, weiß ich nicht, ob das Berufsbild auch wirklich zu mir passt und ich diesen Beruf erlernen und jahrzehntelang ausführen will. Welche Herausforderungen es gibt, sehe ich erst im beruflichen Alltag." Einzelne Schulwochen sind hierfür oftmals vorgesehen. "Eine Woche schnuppern ist das Mindeste. Wenn ein Jugendlicher eine Woche lang nicht in die Schule gehen muss, wird er immer schnuppern gehen, aber erst nach längerer Zeit weiß er, ob ihm der Beruf auch Freude bereitet." Am Schluss meint der Ausbildner noch: "Ein nettes Auftreten, Pünktlichkeit und Interesse zeigen sollte ebenso dazugehören."
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