12.10.2016, 13:09 Uhr

Kinderstars – gut oder schlecht?

Im Scheinwerferlicht: Solange das Kind dabei lächelt, passt alles. (Foto: fotolia)

Wie viel Rampenlicht Kinder vertragen, dazu weiß Experte Philip Streit Rat.

Alles dunkel, das Licht geht an, die Show beginnt – das ist der Traum von vielen: einmal im Rampenlicht stehen. Doch wie sieht es aus, wenn bereits Kinder diesen Wunsch hegen? Wie sehr ist ihnen ein Leben in der Öffentlichkeit zumutbar? Was stärkt das kindliche Selbstbewusstsein und ab wann überfordern etwa Eltern ihre Kinder, um die eigenen unerfüllten Wünsche umzusetzen?
Der Psychologe Philip Streit gibt folgende Tipps, damit es zu einer gelungen Erfolgsstory kommt:

1. Leidenschaft zählt. Was das Kind anstrebt, muss aus ihm selbst herauskommen, es muss seine Leidenschaft sein. Talent ist hilfreich, aber nicht entscheidend: Leidenschaft ist entscheidend.
2. Sicheres Umfeld. Es ist wichtig, dass das Umfeld das Kind unterstützt und nicht über das Kind seine Wünsche erfüllen will.
3. Die Balance finden. Zwischen der Nachwuchskarriere als Sänger, Sportler oder Schauspieler muss auch ein ausgewogenes Sozialleben vorhanden sein. Wenn nur der Erfolg angestrebt wird und die sozialen Kontakte ausbleiben, kann das dahin führen, wovon wir dann als gefallene Kinderstars lesen.
4. Helfen, aber im Rahmen. Wenn Kinder wirklich von sich aus den Wunsch haben, im Rampenlicht zu stehen, dann können die Eltern hier unterstützend zur Seite stehen.
5. Fördern Sie Ihr Kind. Die Leidenschaften Ihres Kindes gehören gefördert. Schauen und hören Sie aufmerksam zu, um die Qualitäten Ihres Kindes zu entdecken.
6. Klare Bedingungen. Hüten Sie sich vor Druck oder Nörgelei und zwingen Sie Ihr Kind zu nichts. Stellen Sie stattdessen klare Regeln auf.
7. Plan B. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind auch eine solide Ausbildung absolviert – für den Fall, dass es mit der Karriere nichts wird.
8. Sozialen Beitrag leisten. Ermutigen Sie Ihr Kind, wenn es im Rampenlicht steht, dazu, einen sozialen Beitrag zu leisten. So kann das Selbstbewusstsein des Kindes gestärkt und dafür gesorgt werden, dass das Kind am Boden bleibt.

Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, Lebens- und Sozialberater. Er beantwortet jede Woche Fragen aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
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