02.11.2016, 08:17 Uhr

Martin Auers Zutaten für Graz: Das Weltkulturerbe und etwas London

Er bringt Farbe in die Stadt: Martin Auer will für seine Kunden ein eigenes Einkaufserlebnis kreieren. (Foto: Prontolux)

Warum "Bäcker" Martin Auer jetzt "rosa" sieht – und wie er die Innenstadt attraktivieren würde.

Unternehmer, Querdenker, Familienvater – Martin Auer hat das Bäckerhandwerk in der Murmetropole wieder "sexy" gemacht. Im Stammhaus am Dietrichsteinplatz, wo schon seit 1680 Brot gebacken wird, traf die WOCHE den Grazer zu einem Gespräch über seine Philosophie, Konkurrenz, Ziele, Graz und sein karitatives Engagement – also eigentlich über eh alles.

Martin Auer über seinen Verein "Pane": Unser Credo lautet ja, gib dem Brot die Seele zurück – daher versuchen wir, unser Umfeld ein Stück besser zu machen. Zunächst haben wir unser Brot an Initiativen wie die Vinzenzgemeinschaft verteilt – irgendwann haben wir uns aber gedacht, da geht noch mehr. Als ich dann auf das kleine Lokal in der Mariahilferstraße aufmerksam geworden bin, haben wir schnell gehandelt. Durch die großartige Unterstützung von Freiwilligen können wir jetzt dort an fünf Tagen die Woche Brot verkaufen. Und ich sag’s ehrlich, dieser Verein gibt auch uns ein gutes Gefühl. Es ist einfach schön, etwas beizutragen – und wenn das im Jahr dann rund 40.000 Euro sind, ist das doch super.

… über nachahmende Konkurrenz: Wir haben in den fünf Jahren, seitdem ich die Firma übernommen habe, einen einzigen Rechtsstreit gehabt, der war unumgänglich. Sonst gibt’s für uns keine Konflikte. Natürlich ärgert man sich über gewisse Dinge. Aber wir konzentrieren uns auf das, was wir selbst besser machen können – alles andere verschlingt nur zu viel negative Energie.

… über seine Ziele: Unser oberstes Ziel muss qualitatives Wachstum sein, quantitatives kann nur die Folge davon sein. Ich hab das Unternehmen mit 34 Filialen übernommen, aktuell haben wir 28, 260 Mitarbeiter und 65 Prozent mehr Kunden. Es geht nicht nur ums Produkt, sondern um die Service- und Markenqualität. Aus meiner Sicht bekommt der Kunde in Graz ja viel zu wenig – sein Konsumbedürfnis wird ihm nicht veredelt.

… über eine Attraktivierung der Grazer Innenstadt: Was macht unsere Stadt denn attraktiv? Für die Händler ist es für mich viel zu oft der Preis. Wir sollten uns aber darauf besinnen, was die Alleinstellungsmerkmale der Stadt sind. Wir müssen die Stadt inszenieren und authentisch toll darstellen – das kann ein Einkaufszentrum ja nie. Unsere Stadt muss Emotionen stiften – mit einem kulturellen Rahmen, mit dem abgesehen von Wien vielleicht noch Salzburg mithalten kann. Und mit Kultur meine ich nicht das Opernhaus oder Schauspielhaus, sondern unser Weltkulturerbe. Da braucht’s kein dickes Buch drüber, wo seitenweise drin steht, wer diesen oder jenen Dachstuhl gebaut hat – sondern das gehört endlich belebt.

… über seinen rosa Backshop am Kaiser-Josef-Platz:
Zwei Drittel der Menschen finden es schrecklich, ein Drittel super – und das passt so. Wenn wir Akzente setzen wollen, machen wir das ja nicht aus reinem Aktionismus. Das ist ein sehr schönes, handwerklich gefertigtes Holzportal. Wenn wir etwas über das Backblech hinaus denken, wie wir sagen, dann musst eben etwas Besonderes machen – dann bringen wir ein Stück London nach Graz. Ich glaub halt, dass Graz einfach etwas offener und weltstädtischer sein muss.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.