05.10.2016, 07:00 Uhr

Mit Extraticket auf die Ries

Der Postbus muss von Sozialcard-Beziehern außerhalb des innerstädtischen Netzes noch einmal extra bezahlt werden. (Foto: meinbezirk.at)

Wer als Sozialcard- Besitzer die innerstädtische Holding-Zone verlässt, zahlt erneut.

Endhaltestelle, alles aussteigen bitte! Beziehungsweise umsteigen in den Postbus, der trotz Kernzone Graz 101 noch einmal zu bezahlen ist.
Zumindest, wenn man wie Aloisia Fötsch die Sozialcard besitzt. Die Mindestpensionistin wohnt seit einem Jahr in der Riesstraße 181. Wenn sie von der Stadt heimfährt und am Riesplatz in den Postbus umsteigt, muss sie einmal mehr das Geldbörserl für ein extra Ticket zücken.

Günstiger oder nicht?

"Mit der Sozialcard der Stadt bekomme ich die GVB-Jahreskarte zwar günstiger, aber sie gilt nicht in der gesamten Zone. Für den zweiten Bus brauche ich wieder eine eigene Karte. Ich verstehe nicht, warum. Da kann ich mir ja gleich die normale Jahreskarte kaufen", meint Fötsch.

Innerstädtisch gültig

Einerseits bringt die Sozialcard zwar viele Vorteile – "Wir wollen damit Menschen mit ökonomischen Schwierigkeiten weiterhin die Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben ermöglichen", meint Stadtrat Michael Ehmann –, jedoch ist der Spielraum im Fall Fötsch/Ries begrenzt.
Während das Sozialamt in der Angelegenheit auf das Büro des zuständigen Stadtrates verweist, erklärt dieses die Kooperation zwischen Stadt und Holding in Bezug auf die Sozialcard und verweist weiter an die Holding. "Mit der Sozialcard kann man die Zone 101 in Graz befahren", meint der stellvertretende Holding-Konzernsprecher Enrico Radaelli. "Wir haben mit der Stadt Graz die Ermäßigungen vereinbart. So bekommen Studenten, Grazer und sozial Benachteiligte billigere Konditionen."
Da die Sozialcard aber nur für alle städtischen Linien gehen würde und der Postbus nicht zum Grazer Verkehrsnetz, sondern zum Steirischen Verkehrsbund zählt, braucht man entweder eine normale Jahreskarte oder muss darüber hinaus extra zahlen. Zusatzkosten, die beim Bezug einer Mindestpension ins Gewicht fallen.

Benachteiligte Pensionistin

„Das ist meines Erachtens eine bodenlose Benachteiligung", meint Fötsch. Die Rentnerin hat bereits mehrmals angefragt, warum die Vergünstigung nicht für die gesamte Zone gelten könnte. "Aber irgendwie will man ja auch nicht betteln gehen."
Von der Holding und der Stadt heißt es, dass hierfür eben der Steirische Verkehrsverbund, der die Postbusse auf die Ries führt, gesondert zuständig ist und die Grazer Sozialcard ein "Haustarif" speziell von den Grazer Linien sei. Eine Lösung für Fälle wie den von Aloisia Fötsch wurde aber bisher nicht gefunden. Und die Mindestpensionistin erklärt: "Ich habe zum Glück finanzielle Unterstützung von außen erhalten, sonst hätte ich nicht gewusst, wie ich die Jahreskarte bezahlen soll."
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