08.02.2017, 09:15 Uhr

Peter Felber: Im Verkehr braucht es mehr Hausverstand aller Teilnehmer!

Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert mehr Rücksichtnahme und Achtsamkeit aller Verkehrsteilnehmer. (Foto: Jorj Konstantinov)

"Weniger ist mehr", sagt Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit in puncto Schutzwege und erklärt, worauf es im Verkehr ankommt.

"Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer – alle Verkehrsteilnehmer müssen in die Pflicht genommen werden", meint Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit über immer wieder aufkommende Verkehrsdiskussionen und Forderungen, wie beispielsweise mehr Zebrastreifen. Für die WOCHE erklärte der Experte, wieso mehr Schutzwege nicht die Lösung sind und was für einen intakten Verkehr entscheidend ist.

Akzeptanz geht verloren

"Zu viele Zebrastreifen bewirken genau das Gegenteil vom gewünschten Ziel nach mehr Schutz", meint Felber und erklärt, dass durch eine Vielzahl der Schutzwege die Akzeptanz dieser durch die Autofahrer enorm sinkt. "Die Autofahrer nehmen Zebrastreifen nicht mehr wahr, wenn es zu viele gibt", so Felber weiter und meint, dass sich Fußgänger auf Zebrastreifen sicher fühlen und dadurch die geforderte Vorsicht nicht an den Tag legen. So entstehen viele Missverständnisse und Konflikte, die durch mehr Hausverstand und eine gesittete Kultur vermieden werden können.

Achtsam und sichtbar

"Autofahrer sehen andere Verkehrsteilnehmer nicht, wenn sie zu schnell unterwegs sind. Aber auch die Fußgänger halten sich nicht an die Benutzungspflicht von Zebrastreifen", sagt Felber und fügt hinzu, dass nur ein Drittel der Fußgänger die Straße tatsächlich an einem Zebrastreifen quert. Daher appelliert er an alle Verkehrsteilnehmer: aufpassen und achtsam sein! An ungeschützte Verkehrsteilnehmer – für Felber sind das Fußgänger, Radfahrer, Moped- und Motorradfahrer – richtet er eine zusätzliche Bitte: sichtbar machen! "Auto- und Lkw-Fahrer müssen ungeschützte Verkehrsteilnehmer sehen, um richtig reagieren zu können", betont Felber. Vor allem durch steigende E-Mobilität und Ablenkung wie Musikhören oder Telefonieren fällt "Hören" zusehends weg, weshalb noch mehr auf den Sinn "Sehen" geachtet werden müsse. Auch zu einer helleren oder gar reflektierenden Kleidung rät Felber bei Dunkelheit.

Zebrastreifen markieren

Ein Zebrastreifen wird erst errichtet, wenn dieser in der Stunde von zumindest 25 Personen genutzt wird. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit führt diesbezüglich im Vorfeld Zählungen durch, anhand dieser über die Errichtung entschieden wird. "Wichtig ist, dass die vorhandenen Zebrastreifen in gutem Zustand sind und auch verwendet werden", betont Felber eingehend. Dabei ist es wichtig, diese ausreichend zu markieren und zu beleuchten sowie genügend Aufstandsflächen zu gewährleisten. "Sehen und gesehen werden", fasst Peter Felber das Rezept für einen sicheren Verkehr zusammen.

WOCHE-WISSEN

Mindestens 25 Personen pro Stunde müssen eine Straße queren, damit ein Zebrastreifen errichtet wird. Dieser Wert ist jedoch am unteren Ende, im Schnitt werden 50 Personen herangezogen. Im Jahr 2015 gab es 1.879 Unfälle mit Personenschaden, im Jahr 2005 waren es 2.218. Auch die Fußgängerunfälle bleiben stabil. 2015 waren es 78, 2005 gab es 84 Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.